23.07.2020 15:13

Mindestens sieben Fälle

Hier brach das Coronavirus im Musiklager aus

Ein Jugendlager in Parpan liess die Coronafälle im Kanton Graubünden steigen. Es gibt mindestens sieben positive Tests. Die Behörden machen keine Vorwürfe, die Camps finden weiterhin statt.

von
Michel Eggimann, Adrian Plachesi
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In diesem Haus namens Grischalodge fand letzte Woche in Parpan ein Musiklager der Jugendorganisation Adonia statt.

In diesem Haus namens Grischalodge fand letzte Woche in Parpan ein Musiklager der Jugendorganisation Adonia statt.

20 Minuten
Laut dem kantonalen Gesundheitsamt hat sich das Coronavirus im Lager ausgebreitet.

Laut dem kantonalen Gesundheitsamt hat sich das Coronavirus im Lager ausgebreitet.

KEYSTONE
Sieben Personen infizierten sich bis am Donnerstagmittag mit dem Virus. Dazu kommt noch eine Reihe von Verdachtsfällen.

Sieben Personen infizierten sich bis am Donnerstagmittag mit dem Virus. Dazu kommt noch eine Reihe von Verdachtsfällen.

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Darum gehts

  • In einem Jugendlager in Parpan ist das Coronavirus ausgebrochen.
  • Die Kinder gaben auch zwei Konzerte vor Publikum.
  • Bis am Donnerstagmittag wurden sieben Personen positiv getestet.
  • Die betroffene Organisation Adonia will die Tour mit Lagern und Konzern fortsetzen.
  • Die kantonalen Behörden machen Adonia keine Vorwürfe, man habe sich an das Schutzkonzept gehalten.

In einem Musiklager der christlichen Jugendorganisation Adonia ist das Coronavirus ausgebrochen. Rund 100 Kinder im Alter von 9 bis 13 Jahren verbrachten die letzte Woche mit Betreuungspersonen im Lager in Parpan GR. Wie jetzt bekannt wurde, war das Lager in der Grischalodge. Die Kinder gaben auch zwei Konzerte in Obersaxen und Davos. Dort waren hunderte Zuschauer vor Ort.

Am Donnerstagmorgen informierte dann das Gesundheitsamt des Kantons Graubünden, dass es im Zusammenhang mit dem Musiklager zu insgesamt sieben positiven Coronatests gekommen sei. Das habe man am Montag erfahren. Amtsleiter Rudolf Leuthold sagt: «Positiv getestet wurde ein Konzertbesucher und sechs Teilnehmer des Lagers, darunter sind Kinder sowie Betreuer.» Insgesamt waren am Donnerstagmittag 14 Personen isoliert, 196 in Quarantäne und zwei in Spitalpflege.

Zahlen steigen wohl noch

Leuthold rechnet mit weiteren Coronafällen im Zusammenhang mit dem Lager in Parpan. Er führt aus: «Das Übertragungsrisiko ist in einem Lager mit 100 Leuten deutlich erhöht im Gegensatz zu alltäglichen Situationen, wie beispielsweise einem Mittagessen zuhause.» Einen Vorwurf machen die Behörden der Organisation Adonia nicht. Aus Sicht des Kantons haben sie alles richtig gemacht.

Adonia versichert, dass man sowohl für das Lager, als auch für die Konzerte ein Schutzkonzept erarbeitet hat und sich daran gehalten habe. So musste an den Konzerten etwa pro Besuchergruppe eine Person die Kontaktdaten angeben. Auf diese Weise konnte das Contact Tracing sichergestellt werden. Insgesamt mussten 42 Konzertbesucher in Quarantäne.

Kein Abbruch der Saison

Patric Neeser, Mediensprecher von Adonia, sagt: «Wir bedauern sehr, dass das Coronavirus unserem Camp nicht ferngeblieben ist und setzen nun alles daran, die Ausbreitung des Virus mit den zuständigen Behörden einzudämmen.» Es sei allen bewusst gewesen, dass es trotz Schutzkonzept ein Restrisiko gebe. Man habe sich entschieden, die Camps und die Konzerte durchzuführen. Dabei bleibe es auch.

Doch eine Änderung gibt es bei den Camps der christlichen Jugendorganisation. «Ab sofort gilt bei den Konzerten für alle Besucher eine Maskenpflicht», so Neeser. Allfällige weitere Schritte prüfe man gemeinsam mit den zuständigen Behörden.

Kritik der Gemeindepräsidentin

Die Gemeinde Churwalden, zu der Parpan gehört, hat erst am Donnerstag durch 20 Minuten von den positiven Tests erfahren. Die Gemeindepräsidentin zeigte sich erstaunt und verärgert, dass sie von den kantonalen Behörden nicht informiert wurden. Rudolf Leuthold, der Leiter des Gesundheitsamts des Kantons Graubünden, zeigt dafür Verständnis. Für den Kanton habe es aber keine Bedeutung, wo das Lager gewesen sei. Entscheidend sei, wo die betroffenen Kinder und Betreuer wohnen.

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