Aktualisiert 11.09.2019 12:05

Du-Kultur in Gemeinden

Hier darf der Praktikant die Präsidentin duzen

Die Gemeinde Emmen LU führt «wohl als erste der Schweiz» die Du-Kultur in ihrer Verwaltung ein. Sogar bei Vorstellungsgesprächen sagt man sich dort neu Du.

von
mme
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In der Privatwirtschaft hat die Du-Kultur schon Einzug gehalten – nun kommt das auch in Gemeindeverwaltungen in Mode. «Wohl als erste Gemeindeverwaltung der Schweiz führte die Gemeindeverwaltung Emmen intern offiziell die Du-Kultur ein», teilte sie mit.

In der Privatwirtschaft hat die Du-Kultur schon Einzug gehalten – nun kommt das auch in Gemeindeverwaltungen in Mode. «Wohl als erste Gemeindeverwaltung der Schweiz führte die Gemeindeverwaltung Emmen intern offiziell die Du-Kultur ein», teilte sie mit.

Gemeinde Emmen
Jetzt dürfen in der Verwaltung alle die Gemeindepräsidentin Ramona Gut duzen.

Jetzt dürfen in der Verwaltung alle die Gemeindepräsidentin Ramona Gut duzen.

Auch die Pöstler dürfen ihren CEO duzen: «Ich bin Roberto», beschied der neue Post-CEO Roberto Cirillo im April seinen 50'000 Mitarbeitern.

Auch die Pöstler dürfen ihren CEO duzen: «Ich bin Roberto», beschied der neue Post-CEO Roberto Cirillo im April seinen 50'000 Mitarbeitern.

Keystone/Peter Klaunzer

In der Privatwirtschaft hat die Du-Kultur schon Einzug gehalten – nun kommt das auch auf Gemeindeverwaltungen in Mode: «Vom Lehrling bis zur Gemeindepräsidentin gilt neu, dass alle einander per Du ansprechen», teilte die Gemeinde Emmen LU kürzlich mit. Emmen ist mit über 30'000 Einwohnern eine der grösseren Ortschaften der Schweiz.

«Willst Du bei uns arbeiten?»

Sogar Stelleninserate werden nun per Du formuliert «und auch in Vorstellungsgesprächen wird das Du angeboten». Laut eigenen Angaben sei man wohl die erste Gemeinde der Schweiz mit Du-Kultur.

Die interne Du-Kultur ist ein Projekt, das von Mitarbeitenden gewünscht worden sei. «Im Moment ist in der Verwaltung vieles in Bewegung. Diese Bewegung darf auch sichtbar werden in einer bewussten internen Kultur, zu der jetzt das Du ganz selbstverständlich und mutig dazugehört», sagt Ingeborg Dannecker, Präsidentin der Personalkommission.

Für die Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Emmen verändert sich nichts. Kunden werden am Schalter und am Telefon weiterhin per Sie angesprochen.

Andere Gemeinden werden dem Beispiel wohl folgen

Christoph Niederberger, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbandes, lobt Emmen. «Wenn ich als Verbandsdirektor in die Gemeinden gehe, ist das erste, was man jeweils macht, Duzis. Das passt auf Gemeindeebene. Ich finde das positiv.»

Ob es zutrifft, dass Emmen tatsächlich die erste Gemeinde der Schweiz mit Du-Kultur sei, könne er nicht abschliessend beantworten. «Aber jedenfalls habe ich noch nie davon gehört, dass das andere Gemeinden schon machen würden.» Er kann sich gut vorstellen, dass das Beispiel auch in anderen Gemeinden Schule macht. «Der Zeitgeist spricht für die Du-Kultur.» Gegen aussen aber in Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern sei weiterhin Zurückhaltung angebracht.

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