Weltpremiere in Nidwalden: Hier fliegt der Jetman unter der DC-3
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Weltpremiere in NidwaldenHier fliegt der Jetman unter der DC-3

Mit Düsen auf dem Rücken gleitet Jetman Yves Rossy zehn Minuten neben einem Passagierflugzeug. Er fühlt sich dabei wie Simi Ammann - einfach ohne Skier.

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A. Fumagalli / M. Gilliand

Yves Rossy alias Jetman fliegt zum ersten Mal neben einem Passagierflugzeug.

Ohrenbetäubend brummt der Propeller des Helikopters, weit unten thront das Stanserhorn über der Nidwalder Bergwelt. Yves Rossy, besser bekannt als «Jetman», sitzt an der offenen Luke und nimmt einen letzten Atemzug vor dem Absprung. Schon über 500 Mal hat er sich in die Stille fallen lassen, aber heute wird alles anders sein: Zum ersten Mal umkurvt er ein Passagierflugzeug, 16 Personen werden die halsbrecherischen Manöver aus einer alterwürdigen DC-3 aus nächster Nähe beobachten können.

Drei, zwei, eins, go – der Assistent im Helikopter gibt grünes Licht, der Jetman wirft sich rücklings in die Tiefe. «Die ersten 300 Höhenmeter lasse ich mich einfach fallen, um Geschwindigkeit zu gewinnen», sagt der 52-jährige Neuenburger. Dann beginnt, was seinen Flug von dem eines normalen Skydivers unterscheidet: Rossy zündet die vier Düsen, die auf der Tragfläche an seinem Rücken befestigt sind und gleitet fortan konstant mit rund 200 Kilometern pro Stunde durch die Luft. Der Motorenlärm ist zurück, doch Rossy ist viel zu konzentriert, um ihn als störend zu empfinden.

Um ein Haar auf Plan B zurückgegriffen

Dass er überhaupt durch die Lüfte gleiten kann, hängt an diesem Freitag an einem seidenen Faden. Im Mittelland scheint wie angekündigt die Sonne, doch ausgerechnet über dem Flugplatz Buochs NW hängen die Wolken in den umliegenden Bergen und wollen partout nicht weichen. Ein Video-Flug ist unter diesen Umständen nicht möglich, Hauptsponsor Breitling will sich ja schliesslich in bestem Licht präsentieren. Rossy nimmt sich sein Support-Team zur Brust.

Raketenmann düst über Rio

Man entscheidet, auf den Flugplatz Grenchen auszuweichen, dort soll die Sonne scheinen. Doch just in dem Moment, wo die DC-3-Crew die Fluggäste informieren will, reisst der Himmel auch über Buochs wieder auf. «Es ist verhext. Kaum hat man einen Plan B geschmiedet, wird Plan A wieder möglich», sagt der ehemalige Militärpilot. Zurück auf Feld 1 also. Der Jetman wird den Himmel über Nidwalden unsicher machen.

Gleiten wie ein Vogel

Da taucht er plötzlich auf, vielleicht 15 Meter neben der DC-3. Den Fluggästen stockt fast der Atem, als Rossy scheinbar schwerelos unter dem Heck hindurch schwebt und auf der anderen Seite wieder auftaucht. Ist das gar ein Lächeln, das er ihnen zuwirft? Ist es. «Man kann das kaum beschreiben», sagt der Jetman, «etwa so muss sich ein Vogel fühlen. Oder Simi Ammann, einfach ohne Ski.»

Zehn Minuten reicht das Kerosin in Rossys Düsen. Zehn Minuten, während denen vollste Konzentration gefragt ist, will er sich nicht ans Heck der DC-3 schmettern lassen. «Eine kleine Hand- oder Fussbewegung reicht, um ein Manöver zu machen», sagt er. Doch es läuft alles nach Plan, der Fallschirm öffnet sich und Rossy segelt lautlos dem Boden entgegen. Das Reich der Menschen hat ihn zurück.

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