Rekurs abgewiesen : Hier geborene Zwillinge müssen nach Brasilien
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Rekurs abgewiesen Hier geborene Zwillinge müssen nach Brasilien

Die neunjährigen Zwillinge Maddox und Mattheus sprechen kein Portugiesisch – müssen aber wohl bald in Brasilien leben. Ihr Vater will nun vors Verwaltungsgericht ziehen.

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Die Zwillinge Maddox und Mattheus auf der Eisbahn.

Die Zwillinge Maddox und Mattheus auf der Eisbahn.

Von links: Mattheus, Theavy H. mit ihrem Kind, Maddox und Vater Saroeun B.

Von links: Mattheus, Theavy H. mit ihrem Kind, Maddox und Vater Saroeun B.

Die Zwillinge Maddox (9) und Mattheus (9) müssen mit ihrer Mutter Ana A.* die Schweiz verlassen und nach Brasilien zurück – die Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich hat einen Rekurs der getrennt lebenden Eltern gegen den Ausweisungsentscheid abgewiesen.

Die Zwillinge sind zwar hier geboren, gehen in Dietikon zur Schule und sprechen kein Portugiesisch, haben aber die brasilianische Staatsbürgerschaft. So wie ihre Mutter Ana A. (30). Sie lebt seit 13 Jahren in der Schweiz. Bis am 1. Dezember hat die Mutter nun Zeit, mit ihren Söhnen die Schweiz zu verlassen.

Der Kindsvater Saroeun B.* hatte sich zusammen mit seiner Verlobten Theavy H.* gegen diesen Entscheid gewehrt. «Wir haben ein Vertrauensverhältnis zu den Zwillingen aufgebaut, sie sind gern bei uns», sagt Theavy H., «dass der Rekurs abgelehnt wurde, macht uns sehr traurig und wütend.»

«Schnell neue Freunde»

Das Migrationsamt schreibt in seinem Entscheid, dass sehr wohl berücksichtigt worden sei, dass die Zwillinge hier verwurzelt seien und nicht Portugiesisch sprächen. Doch dank ihres noch jungen Alters seien sie noch anpassungsfähig und würden – auch übers Fussballspielen – schnell neue Freunde finden.

Die Beziehung zum Vater sei von seiner Seite her erst intensiviert worden, als die drohende Ausweisung im Raum stand. Finanziell seien sie von ihm ebenfalls kaum unterstützt worden. «Es kann nicht von einer in affektiver Hinsicht besonders engen Beziehung ausgegangen werden», befindet das Migrationsamt. Die Beziehung könne «durch gegenseitige Besuchsaufenthalte und moderne Kommunikation aufrechterhalten werden.»

«Zwillinge geniessen Zeit mit uns»

Theavy H. widerspricht dieser Darstellung vehement: Diese sei durch eine Befragung der Kindsmutter entstanden. Der Kindsvater und sie hätten sich schon länger um die Buben bemüht, diese Beziehung sei aber von den Behörden gar nie abgeklärt worden. Ihr Verlobter erfülle zudem die Zahlungspflicht. «Die Zwillinge waren in den Sommerferien bei uns, sind oft am Wochenende da und geniessen die Zeit bei uns», sagt Theavy H.

Dass Ana A. lange von der Sozialhilfe lebte und auch jetzt noch Unterstützung benötigt, legt ihr das Migrationsamt ebenfalls nachteilig aus. Sie sei gesund und jung gewesen und es sei zumutbar für sie gewesen, zumindest in einem Teilzeitjob zu arbeiten. Das tut sie nun, verdient aber zu wenig, um sich und ihre Söhne zu versorgen.

«Notfalls vors Bundesgericht»

Saroeun B. und Theavy H. wollen nicht aufgeben. Theavy H. kündigt an, den Fall weiter vors Verwaltungsgericht zu ziehen. In ihrer Beschwerde wolle sie auf die Menschenrechts- und Kinderrechtskonventionen verweisen. Notfalls gehe sie bis vors Bundesgericht, sagt sie.

Die Kinder sollten ebenfalls angehört werden, sagt Theavy H. Dass die Kesb bereits vergangenes Jahr eine Massnahme angeordnet habe, sei im Rekursentscheid ebenfalls nicht berücksichtigt worden. «Schon jetzt werden die Kinder fremdbetreut und gehen in den Hort – sie hätten es mit der Mutter in Brasilien noch viel schwerer.»

Nathalie Poehn, Leiterin der Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht, sagte schon beim ersten Entscheid: «Achtjährige Zwillinge auszuschaffen, die hier aufgewachsen und sozialisiert sind und die Sprache in ihrem Heimatland nicht sprechen, ist aus unserer Sicht ganz klar unzulässig.» Ein Kind habe Anrecht auf beide Elternteile, in diesem Fall käme es auch zu einer Trennung vom Vater.

*Namen der Redaktion bekannt

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