Aktualisiert 05.04.2019 14:20

LuzernHier gehen Kinderschänder und Kinder ein und aus

Das Luzerner Kriminalgericht ist in einem Haus eingemietet, wo auch Kinder wohnen. «Während im Saal Kinderschänder sitzen, spielen im Treppenhaus Kinder», schimpft jetzt ein Richter.

von
dag
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Seit über acht Jahren ist das Luzerner Kantonsgericht am Alpenquai 10 eingemietet. Im gleichen Gebäude wohnen auch Familien mit Kindern.

Seit über acht Jahren ist das Luzerner Kantonsgericht am Alpenquai 10 eingemietet. Im gleichen Gebäude wohnen auch Familien mit Kindern.

mik
Gedacht war dies eigentlich als Übergangslösung, eine Änderung ist aber trotzdem nicht in Sicht.

Gedacht war dies eigentlich als Übergangslösung, eine Änderung ist aber trotzdem nicht in Sicht.

mik
«Während im Saal Kinderschänder sitzen, spielen im Treppenhaus Kinder», sagt Peter Meuli.

«Während im Saal Kinderschänder sitzen, spielen im Treppenhaus Kinder», sagt Peter Meuli.

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Seit über acht Jahren ist das Luzerner Kriminalgericht am Alpenquai 10 eingemietet. Gedacht war dies eigentlich als Übergangslösung, eine Änderung ist aber trotzdem nicht in Sicht. Nicht glücklich mit der Situation ist Peter Meuli, Präsident der erstinstanzlichen Gerichte: «Während im Saal Kinderschänder sitzen, spielen im Treppenhaus Kinder», sagte er gegenüber Zentralplus. Am Alpenquai 10 sind auch Wohnungen an Personen vermietet, die Kinder haben. Auf einem Teppich vor einer dieser Wohnung steht «Home Sweet Home» geschrieben. Vor einer anderen Tür hat es kleine Kinderschuhe.

Regelmässige Gefangenentransporte

«An diesem Gericht haben wir happige Fälle. Darum ist es wichtig, dass sich etwas an dieser Situation ändert», sagt Meuli weiter. Am Kriminalgericht wird regelmässig Drogendealern, Gewaltverbrechern, Sex-Tätern, Pädophilen oder Mördern der Prozess gemacht. «Wir haben hier inmitten von Industrie- und Wohnquartier regelmässig Gefangenentransporte», klagt Meuli weiter.

Die Situation im Haus könnte mitunter zu bizarren Szenen führen. Laut Barbara Koch, Generalsekretärin des Kantonsgerichts, werden schwere Verbrecher zwar immer polizeilich in den Gerichtssaal geführt. Und auch während der Verhandlung sei die Polizei meist präsent. Das sei aber suboptimal, denn: «Wären die Räumlichkeiten anders, könnte man mit weniger Polizeipersonal auskommen.» Und: «Es ist nicht auszuschliessen, dass zum Beispiel Pädophile beim Hauseingang Kindern begegnen», sagt Koch weiter.

Unerträgliche Hitze

Auch der Zustand der Gerichtssäle sei nicht optimal. Die Decken seien zu tief, und weil oft viele Besucher vor Ort seien, würden Verhandlungen in stickiger Luft stattfinden, und im Sommer sei es unerträglich heiss.

Um diese Probleme zu lösen, drängt das Kantonsgericht seit Jahren auf einen Neubau. Eine Lösung ist aber alles andere als einfach: Das liegt einerseits am fehlenden Geld, zum anderen am fehlenden Raum. Vorläufig gehen also weiter Drogendealer, Gewaltverbrecher, Sex-Täter, Pädophile oder Mörder im Wohnhaus am Alpenquai ein und aus.

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