Aktualisiert

Benzin-LandkarteHier ist das Benzin am günstigsten

Trotz Vierjahrestief: Die Tarife an den Zapfsäulen variieren stark. 20 Minuten hat günstige Tankstellen aufgespürt. Gut weg kommt der Jura-Südfuss. Lohnt sich ein Umweg?

von
S. Spaeth

Für einmal können sich Autofahrer glücklich schätzen. Der seit Monaten sinkende Rohölpreis hat auf die Tankstellen durchgeschlagen. Vereinzelt bieten Tankstellen den Liter Bleifrei 95 zu einem Preis von rund 1.45 Franken an. Anderenorts kostet Benzin aber immer noch 1.75 Franken. Entscheidend ist vor allem die Lage, die Konkurrenz in unmittelbarer Nähe und ob die Tankstelle über einen Shop verfügt.

20 Minuten hat die Tarife von vier in der ganzen Schweiz tätigen Tankstellenbetreibern unter die Lupe genommen und dabei die jeweils günstigsten Preise für Bleifrei 95 pro Kanton in eine Karte eingezeichnet. Stichtag für die Analyse war der 2. Dezember. Die Übersicht zeigt: Das günstigste Benzin gab es in der Mini-Prix-Tankstelle im Bernischen Gampelen mit 1.46 Franken pro Liter. Sehr preiswert war auch die Ruedi-Rüssel-Tankstelle in Caslano mit 1.489 Franken pro Liter. «Bei solchen Preisen verdienen wir nichts mehr», sagte Ramon Werner, Geschäftsführer der Oel-Pool AG, kürzlich zu 20 Minuten. Die Firma betreibt in der Schweiz insgesamt rund 340 Tankstellen der Marken Ruedi Rüssel und Mini Prix. Das Konzept: Immer mindestens 2 Rappen günstiger als die Konkurrenz in nächster Nähe.

Die günstigste Migrol-Tankstelle der Schweiz befand sich zum Stichtag mit 1.48 Franken pro Liter Bleifrei 95 in Boudry im Kanton Neuenburg. Die preiswerteste Tankstelle des Anbieters Shell befindet sich mit 1.48 Franken in der Stadt Neuenburg. Etwas teurer ist der Treibstoff an den Zapfsäulen von BP. Doch auch beim britischen Erdölriesen steht die günstigste Tankstelle am Jura-Südfuss, im bernischen La Neuveville mit 1.55 Franken pro Liter. Grund für die tiefen Preise in der Region ist unter anderem die Nähe zur Raffinerie in Cressier. Die günstigste Tankstelle im 20-Minuten-Test auf Zürcher Stadtgebiet ist Ruedi Rüssel mit 1.59 Franken im Sihlfeld. Ähnlich preiswert ist auch die unabhängige Nasa-Tankstelle in Zürich Enge.

Grosser Umweg lohnt sich nicht

Preisdifferenzen von bis zu 30 Rappen pro Liter Bleifrei 95 verleiten zu Extrafahrten zu billigsten Tankstellen. Doch lohnt sich das überhaupt? Der Mehrverbrauch für den Umweg und die zusätzliche Fahrzeugabnützung können den Vorteil schnell zunichtemachen. Wer sich auf den Weg macht, um 3 Rappen günstiger zu tanken, spart bei einer Füllung von 50 Litern theoretisch 1.50 Franken. Das entspricht in etwa dem günstigsten Preis für einen Liter Bleifrei. Verbraucht das Auto 6 Liter Benzin pro 100 Kilometer – der durchschnittliche Verbrauch der in der Schweiz 2013 zugelassenen Neuwagen beträgt 6,24 Liter –, kommt man damit 17 Kilometer weit. Rechnet man noch die zusätzliche Fahrzeugabnützung dazu, lohnt sich der Umweg nur bei noch weniger Kilometern.

Grafik: Ethel Keller

Uneinige Opec

Innerhalb der letzten zwölf Monate ist der Preis für das Rohöl der Nordseesorte Brent um 37 Prozent gesunken. Ein Fass (159 Liter) kostet derzeit rund 70 Dollar. Dies gilt als Schmerzgrenze. Fällt der Preis unter diese Marke, übersteigen die Produktions- in vielen Ländern die Förderkosten. Grund für den Preiszerfall ist das verlangsamte Wirtschaftswachstum in Schwellenländern, den USA und Europa, wodurch auch die Nachfrage zurückging. Zudem liegt es an der grossen Fördermenge der Organisation der Erdölfördernden Länder (Opec). Noch ist es dem Ölkartell nicht gelungen, Einigkeit herzustellen. Zudem hat die Opec an macht verloren, da sie mittlerweile nur noch für rund 40 Prozent der weltweiten Fördermenge verantwortlich ist. (sas)

Günstig tanken im Samnaun

Ein veritables Tank-Paradies ist Samnaun im Kanton Graubünden. Hier kostet der Liter Bleifrei 95 rund 1.28 Franken. Der Grund: Bei Samnaun handelt es sich um ein sogenanntes Zollauschlussgebiet, weshalb Treibstoffe von der Mineralölsteuer, nicht aber von der Mehrwertsteuer befreit sind. Dieses Privileg erhielt das Hochtal, weil es bis 1912 lediglich über eine Zufahrtstrasse von Österreich aus erreichbar gewesen war. Da die Region als strukturschwach gilt und vom Zollfrei-Tourismus lebt, konnte das Berggebiet das Privileg bis in die heutige Zeit retten. (sas)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.