Ländervergleich: Hier ist Schwarzfahren ganz schön teuer
Aktualisiert

LändervergleichHier ist Schwarzfahren ganz schön teuer

Schwarzfahren geht ins Geld – doch nicht überall gleich stark. Ein europaweiter Vergleich zeigt: In der Schweiz haben es Schwarzfahrer sogar recht gut.

von
Claudia Landolt

Wer in Deutschland ohne Ticket Bahn und Bus benutzt, muss ab 2015 tiefer in die Tasche greifen und mit einem deutlich höheren Bussgeld rechnen. Angesichts fehlender Einnahmen von schätzungsweise 250 Millionen Euro im Jahr entschlossen die Bundesländer, die Bussen für Schwarzfahrer von 40 auf 60 Euro anzuheben.

Vor allem in Chemnitz, Köln, Berlin und Oberhausen dürfte die Freude über höhere Bussgelder gross sein. Sie galten 2012 als Städte mit dem höchsten Schwarzfahrer-Anteil in Deutschland.

Teures Schwarzfahren

40 oder 60 Euro: Im Vergleich zur Schweiz scheint das auf den ersten Blick nicht viel. Hier werden Schwarzfahrer im öffentlichen Verkehr national gleich gebüsst. Beim ersten Mal ohne Ticket zu fahren und dabei erwischt zu werden kostet 90 Franken. Beim zweiten Mal sind es schon 130 und ab dem dritten Mal 160 Franken. Bei einem teilweise gültigen Ticket kostet das Vergehen 70 Franken, 110 Franken und 130 Franken (exklusiv Fahrpreis beziehungsweise Fahrpreispauschalen sowie allfälliger Aufwandsentschädigungen). Wiederholungstäter werden angezeigt. Ein zentrales Schwarzfahrer-Register ist zudem in Planung (20 Minuten berichtete).

Dem Zürcher Verkehrsverbund etwa entgehen wegen Schwarzfahrens jährlich Einnahmen von rund 30 Millionen Franken. Im Grossraum Bern geht man bei 25'000 registrierten Fällen pro Jahr im Durchschnitt von einem Einnahmeverlust von rund 2,5 Millionen Franken aus. Dem Basler regionalen ÖV-Unternehmen entgehen jährlich Einnahmen von rund zwei Millionen Franken.

Es kommt aufs Einkommen an

Stellt man die Höhe der jeweiligen Bussen aber in Relation zum Kaufkraftstandard im jeweiligen Land, gestaltet sich die Höhe der Busse anders. Der durchschnittliche Kaufkraftstandard (das Bruttoeinkommen minus Steuern, Krankenkassen, Sozialversicherungen) ausser Wohnkosten in Deutschland beträgt gemäss Eurostat monatlich 1580 Euro. Da hat ein Bussengeld von 60 Euro ein anderes Gewicht.

Ähnlich die Lage in den Niederlanden. Amsterdam gilt als Paradies für Schwarzfahrer. Wer hier ohne Ticket im Bus, der Bahn oder der Strassenbahn unterwegs ist, zahlt lediglich 38 Euro. Bei einem monatlich verfügbaren Haushalteinkommen von 1583 Euro eine verschmerzbare Busse.

Anders in Belgien, Spitzenreiter unter den Ländern mit hohen Schwarzfahrerbussen: Hier wird mit bis zu 200 Euro gebüsst. Ganz schön viel – bei einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen von 1504 Franken. Und in Polen ist selbst die vergleichsweise niedrige Busse von 43 Euro viel (bei 793 Franken Haushaltseinkommen).

Schwarzfahrer besiegen das System

Verständlich, dass man in gewissen Länder Kreativität entwickelt hat, wenn es um die Umgehung der ungeliebten Strafzettel geht. In Österreich stellen die Verkehrsbetrieb täglich ins Netz, welche Strassenbahnlinien am meisten kontrolliert werden. Und in Schweden ist die Idee geboren, Schwarzfahren zu versichern. Für rund umgerechnet 13 Franken pro Monat und das Versprechen, niemals für ein Billett zu bezahlen, ist man dabei.

Dafür deckt die Versicherung alle Kosten, die im Fall einer Kontrolle entstehen können. In Stockholm beträgt die Busse fürs Schwarzfahren rund 160 Franken. Das laut «New York Times» «beneidenswerte Geschäftsmodell» für notorische Schwarzfahrer hat bereits Nachahmer in Göteborg, Helsinki und Paris gefunden.

Ein Solidargemeinschaft in der Schweiz ist undenkbar, dabei mangelt es nicht an potentiellen Schwarzfahrern. Rund 500'000 Personen sind in einem Daten-Pool der SBB und des ZVV erfasst.

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