Auto-Sturz Vierwaldstättersee: «Hier keine Leitplanke zu setzen, ist sicherheitstechnisch ein Fehler»

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Auto-Sturz Vierwaldstättersee«Hier keine Leitplanke zu setzen, ist sicherheitstechnisch ein Fehler»

Nach dem tragischen Unfall auf der Axenstrasse stellt sich die Frage nach zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen. Bei Astra nimmt man Stellung dazu. 

von
Claudia Blumer
Monira Djurdjevic

Die Polizei suchte am Sonntag den See ab. 

20 Minuten

Darum gehts

  • Das Projekt «Neue Axenstrasse» könnte für mehr Sicherheit auf der Nationalstrasse sorgen.

  • Doch die Realisierung des Projekts verzögert sich aufgrund hängiger Einsprachen. 

  • Nach dem tragischen Unfall am Wolfsprung am Sonntag fordern Politiker, das Projekt endlich zu beschleunigen. 

Auf der Axenstrasse hat ein Fahrzeug am Sonntag ein Geländer durchbrochen und ist in den See gestürzt. Bruno Storni, SP-Nationalrat und Mitglied der Verkehrskommission, ist erschrocken, als er gesehen hat, dass an der Absturzstelle keine Leitplanke steht, sondern nur ein einfaches Geländer: «Das Geländer ist für Fussgänger, damit sie nicht runterfallen. Aber niemals hält es einem Auto stand.» An einem solchen Ort keine Leitplanke zu setzen, sei «sicherheitstechnisch ein schwerer Fehler», so Storni. 

Auch den Schwyzer SVP-Nationalrat Pirmin Schwander schaudere es jedes Mal, wenn er die Axenstrasse entlang fahre, wie er sagt: «Man darf gar nicht nach unten schauen.» Dabei seien nicht nur die Sturzgefahr und der See ein Risiko, sondern auch der Berg, der ständig in Bewegung sei. Seit 1970 hätten die zuständigen kantonalen Behörden vom Bundesrat den Auftrag, zu planen und die Sicherheit zu erhöhen. Doch eine klare Zuständigkeit und der politische Wille hätten bisher gefehlt. «Die Politik hat die Sicherheit an der Axenstrasse über Jahre hinweg bagatellisiert und verschleppt», sagt Schwander. 

Dabei könnte das Projekt «Neue Axenstrasse» für mehr Sicherheit auf der Nationalstrasse sorgen. Doch die Realisierung des Projekts verzögert sich aufgrund hängiger Einsprachen seit Jahren. «Dieses Projekt ist durch die Behörden und Gerichte endlich zu forcieren», sagt der Urner FDP-Ständerat Josef Dittli. Diese jahrelangen Verzögerungen seien eine Zumutung. «Da es sich um eine Nationalstrasse handelt, ist hier auch der Bund in der Pflicht.» Zusammen mit den Kantonen Uri und Schwyz sei ein Beschleunigungsprogramm zu entwerfen. Denn unabhängig von dem schlimmen Unfall am Sonntag seien die Sicherheit und Verfügbarkeit der Strasse nicht ausreichend gewährleistet. 

«Grössere bauliche Massnahmen nur schwer umsetzbar»

Wie es beim Bundesamt für Strassen Astra heisst, gilt der Bereich «Wolfsprung» auf der Axenstrasse nicht als Unfallschwerpunkt. Die geltenden Normen und Standards seien für eine Nationalstrasse dritter Klasse erfüllt. Das Hauptrisiko gehe auf dieser Strecke von den Naturgefahren aus. Hier habe das Astra in den letzten 15 Jahre viel investiert. 

Der Einsatz eines stärkeren Fahrzeugrückhaltesystems vor Ort wäre nur mit grösseren baulichen Massnahmen und mit langzeitiger, mindestens einstreifiger Verkehrsführung möglich, da die Tragfähigkeit der Auskragung nicht gegeben ist. Weiter seien grössere bauliche Massnahmen aus Sicht des Landschaftsschutzes an dieser Stelle nur schwer umsetzbar. «Langfristig und nachhaltig wird sich die Sicherheitssituation auf der Axenstrasse nur durch den Bau der Neuen Axenstrasse verbessern», sagt Sprecher Samuel Hool. Wann dies sein wird, sei aufgrund hängiger Einsprachen noch unklar.

Im Bereich des Unfalls wurde eine erste Sofortmassnahme getroffen. Dort darf man vorübergehend nur noch 60 km/h anstatt 80 km/h fahren. «Damit wird die Sicherheit gewährleistet, bis die Reparaturarbeiten erledigt sind», sagt Hool. Das Geländer sei übergangsweise durch ein Steinschlagschutznetz ersetzt worden. Die Instandsetzung des Geländers am Unfallort werde derzeit geplant.   

Projekt «A4 Neue Axenstrasse»

Die Axenstrasse wurde im 20. Jahrhundert immer wieder saniert und ausgebaut. Dennoch genügt sie den heutigen Anforderungen nicht mehr. Seit 1970 will der Bund die Strasse neu anlegen. Im Rahmen des Pakets «Netzvollendung Nationalstrasse» beauftragte der Bundesrat die beiden Kantone Schwyz und Uri, ein Generelles Projekt Ingenbohl-Gumpisch auszuarbeiten. Mit dem Bau des Sisikoner Tunnels und des Morschacher Tunnels soll die Verkehrssicherheit und Verfügbarkeit nachhaltig erhöht werden. Im Januar 2009 genehmigte der Bundesrat das Generelle Projekt und die Arbeiten am Ausführungsprojekt begannen. Ende 2014 startete das Plangenehmigungsverfahren. Doch aufgrund von Einsprachen, unter anderem von Umweltorganisationen, verzögert sich die Realisierung des Projekts nun seit Jahren. 

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Die Unfallstelle beim Wolfsprung in Brunnen: Hier ist der Wagen ins Wasser gestürzt. 

Die Unfallstelle beim Wolfsprung in Brunnen: Hier ist der Wagen ins Wasser gestürzt. 

20 Minuten/Vanessa Federli 
«Als Sofortmassnahme wird im Bereich des Unfalls eine temporäre Temporeduktion auf 60 km/h signalisiert», sagt Samuel Hool, Sprecher beim Bundesamt für Strassen Astra, auf Anfrage.

«Als Sofortmassnahme wird im Bereich des Unfalls eine temporäre Temporeduktion auf 60 km/h signalisiert», sagt Samuel Hool, Sprecher beim Bundesamt für Strassen Astra, auf Anfrage.

Kantonspolizei Schwyz
Damit will man die Sicherheit gewährleisten, bis die Reparaturarbeiten erledigt sind.

Damit will man die Sicherheit gewährleisten, bis die Reparaturarbeiten erledigt sind.

20 Minuten

Zürcher Kennzeichen bei Unfallstelle

Das Auto bleibt weiterhin verschollen. Die Suchaktion wurde am Sonntagabend unterbrochen und wird voraussichtlich am Dienstag fortgesetzt. Wie es in einer Mitteilung am Montag heisst, kann der Einsatz mehrere Tage andauern. Im Bereich der Absturzstelle ist der Vierwaldstättersee rund 180 Meter tief. Nach wie vor unklar ist auch, wie viele Personen mit dem Wagen in der Tiefe versunken sind.

Mitten im Gebüsch bei der Absturzstelle des vermissten Autos am Wolfsprung hat ein News-Scout eine Autonummer entdeckt, die ein Zürcher Kennzeichen zeigt. Die Kantonspolizei Schwyz bestätigt, dass das Fahrzeug im Kanton Zürich eingelöst ist. Mit Blick auf die laufende Suche nach dem Fahrzeug und Personen werden aber keine weiteren Angaben gemacht. Wie der «Bote der Urschweiz» berichtet, soll es sich beim Unfallauto um einen dunklen SUV handeln.  

Ein News-Scout filmte in Brunnen das Zürcher Nummernschild, das er im Gebüsch entdeckt hatte. 

News-Scout 

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