Lernplattform nach Lehrplan: Hier können Schüler ihren Stoff jetzt online büffeln
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Lernplattform nach LehrplanHier können Schüler ihren Stoff jetzt online büffeln

Die Schweizer Lernplattform Schlaufux richtet sich exakt nach den Vorgaben der kantonalen Lehrpläne. Sie soll den Unterricht aber nicht ersetzen. Der Lehrerverband will die Plattform aber nicht für ganze Schulen nutzen.

von
Barbara Scherer
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Schüler finden auf der Schweizer Lernplattform Schlaufux  genau die Themen, die im ihrem Wohnsitz obligatorisch sind.

Schüler finden auf der Schweizer Lernplattform Schlaufux genau die Themen, die im ihrem Wohnsitz obligatorisch sind.

Schlaufux
Schüler und Schülerinnen ab der 5. Klasse finden dort Erklärvideos, Zusammenfassungen und Übungssets für Mathematik, Deutsch und Französisch. 

Schüler und Schülerinnen ab der 5. Klasse finden dort Erklärvideos, Zusammenfassungen und Übungssets für Mathematik, Deutsch und Französisch.

Schlaufux
Die Plattform soll als Ergänzung zum Unterricht verwendet werden.

Die Plattform soll als Ergänzung zum Unterricht verwendet werden.

20min/François Melillo

Darum gehts

  • Die Schweizer Lernplattform Schlaufux bietet Erklärvideos, Zusammenfassungen und Übungssets.

  • Dabei richtet sich der Stoff exakt nach den Vorgaben der jeweiligen kantonalen Lehrpläne.

  • Die Lernplattform soll als Ergänzung zum Schulunterricht dienen.

  • Für den Schweizer Lehrerverband ist klar, die Plattform ist kein Instrument für ganze Schulen.

Digitale Lernangebote sind seit der Corona-Krise so gefragt wie noch nie. Doch nicht in jedem Kanton sieht der Lehrplan gleich aus. Genau diesem Umstand will die neue Schweizer Lernplattform Schlaufux nun Rechnung tragen: Ihre Inhalte richten sich exakt nach den Vorgaben der kantonalen Lehrpläne.

Am Wochenende ist die Plattform online gegangen. Schüler und Schülerinnen ab der 5. Klasse finden dort Erklärvideos, Zusammenfassungen und Übungssets für Mathematik, Deutsch und Französisch. Die Jugendlichen können sich dann genau diejenigen Themen aneignen, die im jeweiligen Wohnsitz obligatorisch sind.

Die neue Lernplattform ist bereits vor der Lancierung gefragt: «Wir haben schon rund 1000 Voranmeldungen erhalten», sagt Geschäftsführer Christian Marty. Schlaufux richte sich zurzeit an Privatpersonen. Diese zahlen 49 Franken pro Monat. Der Plan sei es, später auch ganzen Schulen einen Zugang zu gewährleisten.

Pandemie trieb das Projekt voran

Entstanden ist die Idee für die Lernplattform bereits vor Corona. «Wir haben 2017 eine Nachhilfeschule gegründet und stellten seitdem immer wieder fest, dass das Lernangebot im digitalen Bereich begrenzt ist. Schlaufux soll diesen Mangel beheben», erklärt Marty. Durch die Pandemie erhielt das Projekt Rückenwind.

«Wir haben unter anderem wegen Corona sehr viele Investoren gefunden und konnten das Projekt äusserst schnell vorantreiben», sagt Marty. Dabei wolle Schlaufux den normalen Schulunterricht ergänzen. Darum steht für Marty fest: Die Plattform wird auch nach der Krise gefragt sein.

Game-Charakter gefällt den Schülern

Einzelne Schüler und Schülerinnen durften das Angebot bereits testen: «Der Game-Charakter spricht die meisten an. Auch dass sie frei zwischen Videos, Übungen und Zusammenfassungen auswählen können, wird positiv bewertet», so Marty.

Ein weiterer Pluspunkt sei die Erreichbarkeit: Die Plattform könne von überall und zu jeder Zeit aufgerufen werden. In den Videos wurde zudem bewusst ein lockerer, kollegialer Umgangston gewählt, was vielen Schülern gefalle.

Den Unterricht schwänzen und den Stoff dann einfach auf Schlaufux nachholen, das ist laut Marty aber keine Option. Denn die Lernplattform ersetze den Schulunterricht nicht: «Ohne Schulunterricht sagen einem gewisse Themen auf der Plattform wenig.»

Keine Lösung für ganze Schulen

Der Schweizer Lehrerinnen- und Lehrerverband begrüsst es, wenn sich die digitale Lernplattform nach dem Lehrplan richtet. «Als Instrument für ganze Schulen eignen sich solche Plattformen aber nicht», sagt Zentralsekretärin Franziska Peterhans. Denn die obligatorische Schule hat selbst ein umfassendes Lernangebot. Zudem sei sie kostenlos und dürfe kein Geld für zusätzliche Lerninstrumente verlangen.

Als ergänzende Nachhilfe-Lösung sei es eine von vielen Möglichkeiten. «Die Plattform sollte aber nicht als Dauerlösung genutzt werden», so Peterhans. Sonst werde das digitale Angebot zur regelmässigen Zusatzaufgabe und belaste die Schüler mit der Zeit. «Auch läuft man Gefahr, dass die Kinder im Unterricht nicht mehr aufpassen, weil sie wissen, dass sie am Abend ja noch ein Erklärvideo zum Thema schauen können.»

Nachhilfe sei allgemein ein problematisches Thema: Diese komme meist zum Einsatz, wenn es um den Übertritt in die Oberstufe geht. «Doch Nachhilfe ist teuer und nicht alle Eltern können sich das leisten», sagt Peterhans. Das öffne die Schere zwischen den Bildungschancen. Auch die 49 Franken monatlich für Schlaufux seien eher hoch.

So funktioniert das Schulsystem:

Die Schulpflicht dauert in der Schweiz elf Jahre. Für die obligatorische Schule sind die Kantone zuständig. Sie legen die Lehrpläne und Stundentafeln fest und bestimmen die Lehrmittel. Gemäss der Interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule erfolgt die Harmonisierung der Lehrpläne und die Koordination der Lehrmittel auf sprachregionaler Ebene. Der Besuch der öffentlichen obligatorischen Schule ist zudem für alle Kinder unentgeltlich.

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