Schlachtfeier in Sempach: «Hier können wir ungehindert demonstrieren»
Aktualisiert

Schlachtfeier in Sempach«Hier können wir ungehindert demonstrieren»

Das Gedenkfest zur Schlacht bei Sempach verlief ohne Zwischenfälle. Erneut zeigte sich aber, wie sehr die Rechtsextremen die Feierlichkeiten für ihre Zwecke missbrauchen: Sie stellten einen Viertel der Besucher und legten beim Denkmal eigene Kränze nieder.

von
Adrian Müller

In glühender Mittagssonne marschierten am Samstag historische Krieger mit Hellebarde und Armbrust bewaffnet vom Städtchen Sempach zum Winkelrieddenkmal, dem Zentrum des einstigen Schlachtfelds. Am Umzug nahmen rund 1000 Personen teil, darunter etwa 250 Rechtsextreme aus dem Dunstkreis der Partei National Orientierter Schweizer PNOS. Diese legten nach der Feier eigene Kränze am einstigen Kriegsschauplatz nieder.

Pnos-Sympathisanten scheuten die Öffentlichkeit

«Im Gegensatz zum Rütli können wir in Sempach ungehindert demonstrieren», erklärt Renato Bachmann, Mediensprecher der PNOS. Dennoch hätten sich viele ihrer Sympathisanten auch am Samstag nicht aus ihren Schützengräben gewagt – Bachmann hat dafür schnell einen Schuldigen ausgemacht: «Die umfangreiche Medienberichterstattung über Sempach schreckte etliche PNOS-Anhänger davon ab, an der Schlachtfeier teilzunehmen», beklagt er sich gegenüber 20 Minuten Online. Die Leute hätten Angst, auf Fotos erkannt und anschliessend vom Arbeitgeber oder antifaschistischen Gruppen denunziert zu werden.

Doch offenbar ist die PNOS nicht nur den Antifaschisten ein Dorn im Auge: «Die PNOS marschiert vermehrt an solchen ländlichen Heldenfeiern auf, weil die Städte unsere Kundgebungen fast immer verbieten», erklärt Bachmann weiter. Thun und Langenthal etwa hätten ihre Demogesuche für eine 1.-Mai-Kundgebung aus Sicherheitsgründen stets abgelehnt.

Polizei setzte auf Dialog statt Konfrontation

Die andere Marschrichtung gab die Luzerner Kantonspolizei vor. Sie ging im Vorfeld der Schlachtfeier von Sempach auf die Rechtsextremen zu: «Wir suchten das Gespräch mit den PNOS-Leuten, gaben ihnen aber den Tarif durch», erklärt Daniel Bussmann, Pikettoffizier der Kapo Luzern. Diese Deeskalationsstrategie sei erfolgreich gewesen: Die Rechten hätten die Feier nicht gestört, es gab keine Zwischenfälle. Die Polizei stellte sich während des Umzugs in den Hintergrund: «Zwei Zivilpolizisten mischten sich unter die Leute, dazu kamen zwei uniformierte Ordnungshüter.» Angemessene Verstärkung sei jedoch zur Sicherheit in der Nähe gewesen, ergänzt Bussmann.

Der Sieg des kleinen Mannes

Auf dem Feld bei Sempach besiegten am 9. Juli 1386 die Eidgenossen die übermächtigen Kämpfer des Habsburgerreichs. Die «kleinen» Eidgenossen schlagen den grossen Feind: Das fasziniert und inspiriert bis heute die Leute der PNOS. «Wir wollen den Sieg von damals in die heutige Zeit übertragen, darum gehen wir an die Schlachtfeier», erklärt Mediensprecher Bachmann. Der heutige Gegner heisse Kapitalismus und Imperialismus.

Wie sehr die PNOS und ihr Gedankengut polarisieren, zeigt die Diskussion auf 20 Minuten Online.

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