Diomedes-Inseln: Russland und USA trennen 4 Kilometer

Publiziert

Diomedes-InselnHier kommen sich Russland und die USA bis auf 4 Kilometer nahe 

Zwischen den beiden Diomedes-Inseln verläuft eine der bedeutendsten und gleichzeitig unbekanntesten Ländergrenzen der Welt: Russland auf der einen und die USA auf der anderen Seite.

von
Mara Wehofsky
1 / 3
Nur vier Kilometer sind die beiden Mini-Inseln in der Beringstrasse voneinander entfernt, die Ratmanow-Insel der östlichste Punkt Russlands, die Little Diomede Island der westlichste Punkt des US-Bundesstaats Alaska. 

Nur vier Kilometer sind die beiden Mini-Inseln in der Beringstrasse voneinander entfernt, die Ratmanow-Insel der östlichste Punkt Russlands, die Little Diomede Island der westlichste Punkt des US-Bundesstaats Alaska. 

IMAGO/piemags
In Anspielung an den eisernen Vorhang in Europa, welcher während des Kalten Krieges die Sowjetunion auf der einen und den Westen auf der anderen Seite teilte, bezeichnete 1988 der offizielle Sprecher von Sowjet-Präsident Gorbatschow die Grenze zwischen Alaska und Russland als den «Eisvorhang».

In Anspielung an den eisernen Vorhang in Europa, welcher während des Kalten Krieges die Sowjetunion auf der einen und den Westen auf der anderen Seite teilte, bezeichnete 1988 der offizielle Sprecher von Sowjet-Präsident Gorbatschow die Grenze zwischen Alaska und Russland als den «Eisvorhang».

Google Maps
1867 verkaufte Russland ihre Übersee-Kolonie Alaska zusammen mit der Little Diomede Island für einen Spottpreis von 7,6 Millionen Dollar an die Amerikaner.

1867 verkaufte Russland ihre Übersee-Kolonie Alaska zusammen mit der Little Diomede Island für einen Spottpreis von 7,6 Millionen Dollar an die Amerikaner.

Pixabay

Darum gehts

  • Russland und die USA teilen sich die Diomedes-Inseln in der Beringstrasse.

  • Obwohl die Inseln nur vier Kilometer voneinander entfernt liegen, liegen sie in komplett verschiedenen Zeitzonen.

  • Russland hatte 1867 Alaska zu einem Spottpreis an die USA verkauft.

Die Grossmächte Russland und die USA gelten seit Ende des Zweiten Weltkriegs als verfeindet. Während es im Kalten Krieg während der Kuba-Krise beinahe zu einer Eskalation gekommen war, entspannten sich die Beziehungen der beiden Atommächte nach dem Zerfall der Sowjetunion kurzzeitig. Spätestens seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine herrscht wieder Eiszeit zwischen Moskau und Washington. Ein Blick auf die Weltkarte lässt Europäerinnen und Europäer auf den ersten Blick vermuten, dass die beiden Staaten Tausende Kilometer voneinander entfernt liegen. Dabei sind sie am nächsten Punkt nur vier Kilometer voneinander entfernt. Das zeigt ein Blick auf die Diomedes-Inseln, die in der Beringstrasse liegen. 

Während auf der grösseren Insel, die zu Russland gehört, Montag zwölf Uhr ist, ist auf der kleineren US-Insel Sonntag 15 Uhr. Trotz der kurzen Distanz von nur vier Kilometern befinden sich die Inseln also in komplett verschiedenen Zeitzonen. Die Ratmanow-Insel ist der östlichste Punkt Russlands, die Little Diomede Island der westlichste Punkt des US-Bundesstaats Alaska

Der wohl schlechteste Deal der Geschichte

1867 verkaufte Russland ihre Übersee-Kolonie Alaska, etwa 1,6 Millionen Quadratkilometer schwer unterhaltbares Land, zusammen mit der kleinen Diomedes-Insel für einen Spottpreis an die Amerikaner: Zuvor wurde in Alaska jahrelang mit der Jagd von Seeottern viel Geld verdient. Als Alaska verkauft wurde, waren kaum noch Tiere zum Jagen übrig geblieben. Ausserdem wehrten sich die Ureinwohner, die Tlingit, immer mehr gegen die russische Kolonialmacht.

Die USA kauften das ehemalige Zarenreich Alaska für 7,2 Millionen Dollar, das entspricht heute ungefähr 130 Millionen Dollar. Der Deal wird heute oft «Seward’s Folly» genannt, Sewards Dummheit, denn: Einige Jahre später entdeckte man im nordwestlichen Yukon ein riesiges Goldlager, was daraufhin den «Klondike Gold Rush» auslöste. 1968 wurde zudem ein riesiges Ölvorkommen im Prudhoe Bay gefunden, von dem der Staat bis heute profitiert.

Hast du von dem «Seward’s Folly» gewusst?

Der Eisvorhang zwischen zwei Welten

In Anspielung an den eisernen Vorhang in Europa, der während des Kalten Krieges die Sowjetunion auf der einen und den Westen auf der anderen Seite teilte, bezeichnete 1988 der offizielle Sprecher des damaligen Sowjet-Präsidenten Michail Gorbatschows die Grenze zwischen Alaska und Russland als den «Eisvorhang». Zu dieser Zeit konnten aufgrund der politischen Situation die Bewohnerinnen und Bewohner der Inseln, die oft Familie auf beiden Seiten hatten, nicht frei hin- und herreisen. Ein Jahr zuvor, 1987, hatte die Amerikanerin Lynne Cox die Engstelle zwischen der kleineren und der grösseren Diomedes-Insel durchschwommen, um «ein Zeichen für den Frieden» zu setzen. Beide Staatsoberhäupter der Zeit, US-Präsident Ronald Reagan und Sowjet-Präsident Gorbatschow, beglückwünschen die Schwimmerin für ihre Leistung. 

Und auch heute, Monate nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, wirkt die geografische Nähe der beiden Opponenten im Angesicht der politischen Spannungen zwischen dem Westen und Russland umso beängstigender.

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Beratungsangebot (Deutsch, Ukrainisch, Russisch), von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

Deine Meinung

3 Kommentare