Aktualisiert 27.03.2013 09:51

Die Suva warnt

Hier lauert Asbest

Trotz Asbestverbot sterben jährlich rund 100 Menschen, weil sie die gefährlichen Fasern einatmeten. Ein interaktiver Ratgeber zeigt, wo es in vor 1990 gebauten Häusern aufzupassen gilt.

von
jcg
Im virtuellen Asbesthaus der Suva können Hausbesitzer und Mieter erfahren, wo überall eine Asbestexposition droht. (Bild: PD)

Im virtuellen Asbesthaus der Suva können Hausbesitzer und Mieter erfahren, wo überall eine Asbestexposition droht. (Bild: PD)

Weil Asbest die Gesundheit gefährdet, darf das Material seit 1990 in der Schweiz nicht mehr verwendet werden. Trotzdem ist die Gefahr, an asbestbedingtem Lungenkrebs zu erkranken, noch nicht gebannt. Denn in Häusern, die vor 1990 erstellt wurden, komme Asbest häufig vor, sagte Edgar Käslin, Bereichsleiter Chemie bei der Schweizer Unfallversicherung (Suva) am Dienstag in Zürich.

Asbest-Neuexpositionen, die in Zukunft zu neuen Erkrankungen führen können, sind folglich nach wie vor möglich. Bei Umbau- und Renovationsarbeiten sowie beim Abreissen der Gebäude könnten Asbestfasern freigesetzt werden und Arbeitnehmende gesundheitlich gefährden.

CT-Screening zur Früherkennung

Um Erkrankungen künftig frühzeitiger zu erkennen, lanciert die Suva ein Screening-Programm für gefährdete Personen. Die NLST-Studie (National Lung Screening Trial) aus dem Jahre 2011 ergab, dass beim Einsatz der Low-Dose-Spiral-Computertomographie die Sterblichkeit bei Personen mit erhöhter Lungenkrebsgefährdung gesenkt werden kann. Diese Anwendung erlaube es, Lungenkrebs in einem früheren Stadium zu erkennen als mit einer konventionellen Röntgenaufnahme. Untersucht wurden Personen von 55 bis 74 Jahren.

Gestützt auf die Ergebnisse dieser Studie bietet die Suva ihren ehemals asbestexponierten Versicherten an, sich freiwillig untersuchen zu lassen. Das Angebot gilt für Personen im gleichen Alterssegment und mit einem vergleichbaren Risiko, an einem Lungenkrebs zu erkranken.

Laut der Suva-Arbeitsmedizinerin Susanna Stöhr dauert es 30 bis 40 Jahre, bis ein Krebs nach einer Asbestexposition ausbricht. Da zwischen 1975 und 1978 am meisten Asbest in die Schweiz importiert wurde, geht die Suva davon aus, dass der Nutzen eines CT-Screenings in den kommenden fünf bis zehn Jahren am höchsten ist. Umsetzen will sie das Screening in enger Zusammenarbeit mit Thoraxradiologen der Universitätsspitäler.

Online-Risikoeinschätzung

Immobilienbesitzern und Liegenschaftsverwaltern bietet die SUVA zudem auf www.suva.ch/asbest-inventar die Möglichkeit, eine erste Asbest-Risikoeinschätzung vorzunehmen. Mit Hilfe von Anleitungen und Beispiel-Abbildungen können auf einfache Weise alle Räume des Hauses sowie die erkannten Asbestquellen erfasst und dokumentiert werden.

Die Online-Anwendung zeigt nicht nur auf, wo asbesthaltige Produkte häufig vorkommen, sondern auch, wie man sich bei Asbestgefahr richtig verhält, wann sich weitere Abklärungen durch Spezialisten aufdrängen und wann diese für die Sanierung beizuziehen sind.

Ein Rundgang durch das virtuelle Asbesthaus lohnt sich auch für Mieter älterer Häuser. Raum für Raum können sie dort erfahren, wo überall die Gefahr einer Asbestexposition lauern könnte. So ist Vorsicht geboten bei der Entfernung alter Küchenplättchen, Kunststoffböden, Stromschalter und Sicherungskästen. Auch in Dichtfugen und im Fensterkitt kann Asbest verbaut sein.

Viel menschliches Leid könnte verhindert werden, sagte Martin Gschwind, Abteilungsleiter Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz bei der SUVA, am Dienstag in Zürich vor den Medien. Das bedinge jedoch, dass Betroffene besser über die Risiken informiert seien, die bei der Bearbeitung der verschiedenen Materialien entstehen.

Zwischen 1939 und 2011 sind in der Schweiz 1594 Menschen an den Folgen einer asbestbedingten Erkrankung verstorben. Dafür erbrachte die SUVA Versicherungsleistungen in der Höhe von rund 690 Millionen Franken. (jcg/sda)

Interaktive Ratgeber

Immobilienbesitzer und Liegenschaftsverwalter finden auf www.suva.ch/asbest-inventar ein Tool für eine erste Asbest-Risikoeinschätzung.

Auch für Mieter interessant ist das virtuelle Asbesthaus, das hilft, Asbestgefahren im Haushalt zu erkennen.

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