«Tell»: Hier schiesst Schweizer Rakete in den Himmel
Publiziert

«Tell»Hier schiesst Schweizer Rakete in den Himmel

Ein Team der HSLU und der ETH hat in monatelanger Arbeit eine Super-Rakete gebaut. Nun sind die Studenten in New Mexico, wo am Donnerstag eine Art Studenten-Raketen-WM stattfindet.

von
mme

So könnte der Start der Schweizer Rakete in New Mexico aussehen. (Video: aris-space.ch)

Nein, hier handelt es sich nicht um ein 1.-August-Raketli, das Studenten gebaut habe. Das Teil hat eine Länge von 2,45 Metern, wiegt 24,5 Kilogramm und hat einen Durchmesser von 15 Zentimetern. «Rakete Tell» wurde sie getauft. Und gebaut haben sie nicht drei Nerds in einem Keller, sondern das Team Aris mit 50 Studenten der Hochschule Luzern und der ETH Zürich. Und als Hauptsponsoren wurden Ruag Space und Sauber Aerodynamik gewonnen. «Aris» steht übrigens für «Akademische Raumfahrt Initiative Schweiz».

Derweil weilt das Team in Las Cruces im US-Bundesstaat New Mexico, um am dortigen Spaceport an der Rocket Engineering Competition (IREC) teilzunehmen. Um im Wettbewerb konkurrenzfähig zu sein, muss die Rakete bis in drei Kilometer Höhe schiessen können, eine Nutzlast von vier Kilo mitschleppen, sicher landen – und danach wiederverwendbar sein. Weiter werden Design und Reporting bewertet. Entscheiden an der Competition wird eine Jury.

«Wir haben alles getan, dass unsere Rakete dies schafft», sagt Clint Kurinjirappalli, Head of Communications des Teams Aris, das seit vergangenen Oktober an der Arbeit ist. Zum Beispiel wurde die Rakete bei Sauber auf die Aerodynamik getestet. Oder in Kaltbrunn wurde Tell versuchsweise in den Himmel geschickt. «Dort aber nur 500 Meter», sagt Kurinjirappalli. Der Test war ein Vollerfolg, der das Team zuversichtlich stimm: «Es wird ein Erfolg sein», sagte Aris-CEO Oliver Kirchhoff.

Die Rakete Tell in Action. (Quelle: Insta)

Quelle: aris-space.ch

Angetrieben wird die Rakete von einem Feststoffmotor, gebaut wurde sie laut Kurinjirappalli so leicht wie möglich. Deshalb besteht sie aus Aluminium und Faserverbundstoff. Die Höhe kann mit sogenannten Airbrakes reguliert werden, die ein- und ausgefahren werden können. Wenn sie weit aus der Rakete herausragen, erhöht sich der Luftwiderstand und die Reichweite sinkt, sagt Kurinjirappalli. Sicher landen kann Tell dank eines Fallschirms.

Die Motivation, dass sich 50 Studenten neben ihrem normalen Unialltag für ein solch grosses Projekt einsetzen, begründe sich so: «Zum einen ist für Ingenieure die Raumfahrt ein spannendes Feld, weil man hier an die Grenzen des Machbaren geht. Zum anderen wächst in der Schweiz die zivile Luftfahrtindustrie, und das bietet auch für Schweizer Ingenieure neue Möglichkeiten, was früher weniger der Fall war.»

Doch aktuell denken die 50 Studenten wohl weniger an ihre berufliche Zukunft in einiger Zeit, sondern an den nächsten Donnerstag, wo um 18 Uhr Schweizer Zeit ihre Rakete in New Mexico startet. Gegen 110 andere Teams aus aller Welt will man sich durchsetzen. «Die Konkurrenz ist stark, dass darf man nicht unterschätzen. Vor allem die Amerikaner haben viel Erfahrung. Aber die HSLU und die ETH können schon gut mithalten.»

ETH-Rektorin Prof. Dr. Sarah Springman richtete sich mit einem Testimonial ans Team Aris. Sie freut sich, dass dieses am internationalen Raketenwettbewerb teilnimmt, denn: «Dies ermöglicht Studierenden nicht nur, wertvolle Erfahrungen im Ingenieurwesen zu sammeln, sondern auch zu erfahren, was es heisst im Team zu arbeiten, ein Projekt zu vermarkten und Gelder zu beschaffen. Ich wünsche von ganzem Herzen viel Erfolg!»

Das Team Aris in New Mexico. (Quelle: Insta)

So präsentierte sich die Rakete, bevor sie verschifft wurde. (Quelle: Insta)

Deine Meinung