Aktualisiert 26.07.2011 05:41

Währungsrisiken

Hier schnappt die Franken-Falle zu

Diese Firmen machen den Löwenanteil ihres Umsatzes in Fremdwährung und leiden besonders unter dem starken Franken. Doch es gibt auch Gewinner.

von
Gérard Moinat

Der Industriekonzern Rieter führt die Negativliste an: 100 Prozent seines Umsatzes bilanziert das Unternehmen in Euro und Dollar, 0 Prozent in Franken. Auch die Währungsverhältnisse im Umsatz von Firmen wie Clariant oder Actelion bewegen sich in dieser Grössenordnung.

Auf der anderen Seite stehen Firmen wie der Flughafen Zürich, die Immobilienkonzerne PSP Swiss Property und Swiss Prime Site SPS. Die drei Unternehmen kalkulieren 100 Prozent ihrer Erfolgsrechnung in Franken.

Eine vom Wealth Management Research der UBS Anfangs Jahr publizierte Auflistung gibt einen aufschlussreichen Einblick in die Währungsabhängigkeit von Schweizer Unternehmen. Die Palette hierzulande reicht dabei von Firmen, die 100 Prozent ihres Umsatzes in Franken erwirtschaften. Bis zu solchen, die ihren gesamten Umsatz in den zum Franken stark gesunkenen Währungen Euro und Dollar umsetzen (siehe Tabelle).

Flughafen profitiert leicht

Doch sind Rieter und Co. nun angesichts des extrem starken Franken die Verlierer, der Flughafen Zürich und andere die Gewinner? So einfach ist es nicht. Denn Umsätze aufgeschlüsselt nach Währungen sind nur die halbe Wahrheit.

Die Immobilienkonzerne mit dem hohen Anteil Franken-Umsatz beispielsweise haben gemäss Nachfrage von 20 Minuten Online kaum etwas von ihrem Glück, nur mit Franken zu wirtschaften. Weder im Positiven noch im Negativen.

Der Flughafen Zürich allerdings profitiert vom starken Schweizer Franken indirekt, so Sprecherin Sonja Zöchling Stucki. Einerseits würden Auslandferien für Schweizer günstiger, was mehr Flüge ins Ausland bedeute und die Gebührenkasse klingeln lasse. In Zahlen: Das Passagierwachstum betrug im ersten Halbjahr 2011 über 10 Prozent.

Einige positive Auswirkungen

Auch in Franken-Sicherheit kann sich die Swisscom wiegen. Das Unternehmen rechnet immerhin noch 78 Prozent in Franken ab, den Rest in Euro. Da der Telekomriese aber beispielsweise Handys im Ausland einkauft, kann er von tieferem Euro und Dollar profitieren. Der Währungseffekt werde jedoch von Preissenkungen auf subventionierte Geräte für Swisscom-Kunden schnell wieder aufgefressen, so Sprecher Sepp Huber.

Auch Emmi erzielt noch drei Viertel seines Umsatz in Franken, 20 Prozent in Euro und einen kleinen Teil in Dollar. Der Milchverarbeiter aus Luzern kann dadurch «gewisse Einsparungen» durch günstigere Einkäufe von Rohstoffen und Produktionsanlagen im Ausland erzielen, so Sprecherin Esther Gerster. «Da der bei weitem grösste Rohstoff-Posten nach wie vor Schweizer Milch ist, können die Einsparungen beim Einkauf die durch den starken Schweizer Franken verursachte Einbussen nicht kompensieren.»

Leichte Einbussen erzielt Emmi insbesondere im internationalen Geschäft, das 28 Prozente des Umsatzes ausmacht. Denn im Exportgeschäft habe man die Preise anheben müssen. «Das kann zu Umsatzeinbussen führen », so Gerster.

Negativbeispiele: Actelion und Sulzer

Das Biotech-Unternehmen Actelion steht auf der Verlierer-Seite der Tabelle. Die Firma erwirtschaftet gemäss UBS-Zahlen je 45 Prozent seines Umsatzes in Euro und Dollar und ist deshalb vom Missverhältnis zwischen starkem Franken und schwachem Dollar und Euro stark betroffen. Actelion tätigt 99 Prozent seiner Verkäufe in Ländern ausserhalb der Schweiz. 50 Prozent des Betriebsaufwandes dagegen fallen in Schweizer Franken an.

Die Folge: Im ersten Halbjahr 2011 verzeichnete das Unternehmen einen Anstieg des Produktumsatzes um 10 Prozent in lokalen Währungen. In Schweizer Franken aber sank der Produktumsatz um 5 Prozent, erklärt Sprecherin Angelika Rose-Hüll. Auch der Nettoumsatz nahm zwar in lokalen Währungen um 8 Prozent zu, musste auf Franken-Basis jedoch als Verlust von Minus 5 Prozent verbucht werden.

Den gleichen Efffekt verzeichnet gemäss Sprecherin Verena Gölkel auch der Winterthurer Industriekonzern Sulzer. «Der starke Schweizer Franken führte zu deutlichen negativen Umrechnungseffekten auf die absoluten Zahlen.»

Die globale Präsenz Sulzers sichere materielle Auswirkungen auf die Rentabilität ab. Das bedeutet also: Da Sulzer mit über 160 Standorten über ein weltweites Produktions- und Servicenetzwerk verfügt, ist der Konzern «natürlich gehedgt», also gegen Währungsrisiken abgesichert, wie Gölkel sagt. Denn Kosten vor Ort fallen in der Währung an, in der dann auch der Umsatz generiert wird. «Wir merken den Währungseffekt dann nur in der Umrechnung auf unsere Reportingwährung, den Schweizer Franken.» Auf die Margen wirke sich das deshalb nicht aus.

Währungsabhängigkeit von Schweizer Unternehmen (in Prozent)

Quelle: UBS Wealth Management Research, ausschliesslich Unternehmen mit Buchhaltungswährung CHF

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.