So geht das: Hier schöpft der Chef einer Schweizer Bank Geld
Aktualisiert

So geht dasHier schöpft der Chef einer Schweizer Bank Geld

Die Vollgeld-Initiative will die Bankengeldherstellung abschaffen. Viele wissen gar nicht, dass es sie gibt. Ein Bank-Chef zeigt, wie sie funktioniert.

von
Isabel Strassheim
Basel

So stellt Bank-Chef Jean-Marc Decressonnière Geld her. (Video: Isabel Strassheim)

Was braucht es, um Geld herzustellen? Nicht unbedingt eine Notenpresse. Jede Geschäftsbank schafft Geld, wenn sie einen Kredit an Kunden vergibt. Die Vollgeld-Initiative, über die am 10. Juni abgestimmt wird, will das abschaffen und allein der Schweizerischen Nationalbank (SNB) erlauben, Geld zu schöpfen.

Wie genau die Bankengeldschöpfung derzeit vor sich geht, wissen die wenigsten. 20 Minuten blickt dem Chef der Basler Freien Gemeinschaftsbank, Jean-Marc Decressonnière, deshalb bei der Geldherstellung über die Schulter. Er befürwortet die Vollgeld-Initiative und wusste zuvor wie viele anderen Banker nicht, dass er selbst Geld produziert. Sehen Sie im Video oben die einzelnen Schritte der Geldschöpfung.

Hier eine Liste, was es dafür braucht:

• Banklizenz

Nötig sind eine Banklizenz sowie Zentralbankgeld auf einem Konto bei der Schweizerischen Nationalbank (nur für Banken möglich).

• Bankkunden

Ohne Kunden geht es nicht. Sie müssen allerdings auch einen Kredit von der Bank wollen und als kreditwürdig befunden werden, denn Geld können Banken nur per Kreditvergabe schaffen.

• Computer

Unabdingbar ist ein Computer mit Zugriff auf das Banksystem, in dem die Konten der Bankkunden geführt werden. Nur so kann eine Kreditsumme gutgeschrieben und dabei neues Geld geschaffen werden.

• Transfer

Weil das Bankengeld nur als digitale Zahl existiert, kann es problemlos von einem Konto auf ein anderes gebucht werden. Beim Transfer auf das Konto bei einer anderen Bank gleichen sich die Ein- und Auszahlungen meist aus, sodass unter den grossen Banken selbst kaum Geld hin und her fliesst. Braucht es das doch, weil die Zahlungsströme zwischen den verschiedenen Banken unausgewogen sind, dann geht dies über die SNB, bei der jede Bank Zentralbank-Geld halten muss. An Zentralbank-Geld wiederum kommt eine Bank durch einen Kredit von der SNB oder anderen Banken sowie durch die Hinterlegung von den Sparguthaben ihrer Bankkunden.

• Mindestreserven

Erfolderlich sind Mindestreserve der Bank auf ihrem Konto bei der SNB von 2,5 Prozent und Eigenkapitalvorschriften für die Bank selbst. So wird die Bankengeldschöpfung beschränkt.

• Geldvernichtung

Bei der Rückzahlung eines Kredites wird das Geld durch die Bank wieder vom Markt genommen und verschwindet als Zahl vom Kontoauszug des Kreditnehmers. So wird es wieder aus dem Umlauf genommen. Die gezahlten Zinsen gehen mindestens zum Teil für den Aufwand der Bank drauf.

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