22.05.2019 19:01

Ozonschicht-KillerHier sitzen also die FCKW-Umweltverbrecher

Seit 2010 dürfen ozonschädigende FCKW nicht mehr hergestellt werden. Trotzdem steigen die Emissionen wieder. Nun sind die Verursacher identifiziert.

von
fee
1 / 10
Bis in die 1990er-Jahre wurden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) unter anderem als Treibmittel in Spraydosen ...

Bis in die 1990er-Jahre wurden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) unter anderem als Treibmittel in Spraydosen ...

iStock/Nito100
... und als Kühlmittel verwendet. Doch weil die Stoffe die schützende Ozonschicht in der höheren Atmosphäre schädigen, gilt heute ein internationales Produktionsverbot.

... und als Kühlmittel verwendet. Doch weil die Stoffe die schützende Ozonschicht in der höheren Atmosphäre schädigen, gilt heute ein internationales Produktionsverbot.

Keystone/Sandro Campardo
Trotz des Verbots haben Forscher der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) in Boulder bereits vor einigen Jahren verdächtige Messwerte des Ozonkillers in der Atmosphäre entdeckt. Sanken die Werte des FCKW-Stoffs Trichlorfluormethan zunächst, ...

Trotz des Verbots haben Forscher der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) in Boulder bereits vor einigen Jahren verdächtige Messwerte des Ozonkillers in der Atmosphäre entdeckt. Sanken die Werte des FCKW-Stoffs Trichlorfluormethan zunächst, ...

Nasa

Dank des Montreal-Protokolls zum Schutz der stratosphärischen Ozonschicht von 2010 sind die Emissionen der ozonschädigenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) stark zurückgegangen.

Vergangenes Jahr sorgte jedoch eine Studie für Aufsehen, wonach die Emissionen eines der wichtigsten Ozonkiller, FCKW-11, seit mehreren Jahren trotz des weltweiten Verbots wieder steigen.

Ursprung Industriegebiet

Eine Untersuchung eines internationalen Forschungsteams mit Beteiligung der Schweizer Forschungsanstalt Empa bestätigt nun den Anfangsverdacht, dass diese Emissionen aus dem Osten Chinas stammen. Davon berichten die Wissenschaftler im Fachjournal «Nature».

Erste Hinweise dafür kamen von zwei Messstationen in Ostasien, wie die Empa am Mittwoch mitteilte. Namentlich von der Gosan-Messstation auf der südkoreanischen Insel Jeju und der japanischen Messstation des National Institute of Environmental Science auf der Insel Hateruma bei Taiwan.

«Derartige Messungen zeigen immer dann Spitzenwerte in der Luftverschmutzung, wenn die Luftmassen aus Industriegebieten stammen», erklärte Sunyoung Park von der Kyungpook National University in Südkorea. «Für FCKW-11 stellten wir fest, dass diese ‹Spitzen› nach 2012 deutlich höher waren als vorher.»

Möglicherweise weitere Quellen

Ein Forschungskonsortium aus 13 Institutionen, darunter auch die Empa, führte daraufhin anhand der Messdaten komplexe Computerberechnungen durch, um die Quelle der FCKW-11-Emissionen ausfindig zu machen. Sie konnten die Emissionen so eindeutig auf den Osten Chinas zurückführen.

Möglicherweise verursachen andere Länder oder andere Regionen in China zusätzliche FCKW-Emissionen, schrieb die Empa. Weite Teile der Welt seien durch die bestehenden Überwachungsnetzwerke noch nicht ausreichend abgedeckt, erklärte Park gemäss der Mitteilung. Die Nutzung chinesischer Messwerte sei zudem noch eingeschränkt.

Ein Ausbau der Messnetzwerke insbesondere um industrialisierte Regionen herum wäre laut Studienautor und Empa-Forscher Stefan Reimann wünschenswert. «Ein solches Netzwerk wird nicht nur für die Erkennung verbotener Ozon-abbauender Gase wie FCKW-11 enorm wertvoll sein, sondern auch für die Überprüfung der offiziell gemeldeten nationalen Treibhausgasemissionen», so Reimann.

Übeltäter Schaumstoffproduktion

Die Forschenden konnten in ihrer aktuellen Studie zwar nicht die FCKW-11-ausstossenden Industriezweige identifizieren. Aber die Herkunft aus dem Osten Chinas sei nun klar bewiesen, schrieb die Empa.

«Es ist nahezu sicher, dass diese FCKW-11-Emissionen gegen das Montreal-Protokoll verstossen, das die emissive Verwendung dieser Substanz verbietet», sagte Reimann. «Vermutlich entstehen die Emissionen bei der Herstellung von Schaumstoffen, bei der ein erheblicher Teil der Substanz nicht im Schaum verbleibt, sondern unmittelbar in die Atmosphäre entweicht.» Diese Anwendung von FCKW-11 ist gemäss Montreal-Protokoll seit 2010 weltweit verboten.

Die «Environmental Investigation Agency» und die «New York Times» hatten durch Recherchen bereits chinesische Schaumstoffhersteller als mögliche FCKW-11-Quelle ausgemacht. Chinesische Behörden identifizierten und schlossen inzwischen illegale Produktionsstätten.

Ob sich China schon zum aktuellsten Bericht geäussert hat, ist nicht bekannt. (fee/sda)

Wissen-Push

Abonnieren Sie in der 20-Minuten-App die Benachrichtigungen des Wissen-Kanals. Sie werden über bahnbrechende Erkenntnisse und Entdeckungen aus der Forschung, Erklärungen zu aktuellen Ereignissen und kuriose Nachrichten aus der weiten Welt der Wissenschaft informiert. Auch erhalten Sie Antworten auf Alltagsfragen und Tipps für ein besseres Leben.

Und so gehts: Installieren Sie die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippen Sie rechts oben auf das Menüsymbol, dann auf das Zahnrad. Wenn Sie dann nach oben wischen, können Sie die Benachrichtigungen für den Wissen-Kanal aktivieren.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.