Schütze in Supermarkt – «Wegen des Attentats steht hier alles Kopf»
Aktualisiert

Schütze in Supermarkt«Wegen des Attentats steht hier alles Kopf»

Ein Mann hat im norwegischen Kongsberg fünf Personen mit Pfeil und Bogen getötet. Die 26’000 Einwohnerinnen und Einwohner sind geschockt. Eine Schweizerin berichtet aus der Stadt.

Darum gehts

  • Ein 37-jähriger Däne hat im norwegischen Kongsberg mehrere Menschen getötet.

  • Er verfolgte seine Opfer und schoss auf sie mit Pfeil und Bogen – auch in einem Supermarkt.

  • Wer in der Innenstadt von Kongsberg lebt, durfte sein Haus nicht mehr verlassen.

Ein Mann hat in der norwegischen Stadt Kongsberg mehrere Menschen verletzt und getötet. Der 37-jährige Däne schoss mit Pfeil und Bogen um sich – auch in einem Supermarkt. Die Ladenkette Coop hat den Vorfall bestätigt. Die Polizei nahm einen Verdächtigen fest. Sie geht davon aus, dass er ein Einzeltäter ist.

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Die Polizei patroulliert in der norwegischen Stadt Kongsberg, nachdem ein Däne fünf Menschen mit Pfeil und Bogen getötet hat.

Die Polizei patroulliert in der norwegischen Stadt Kongsberg, nachdem ein Däne fünf Menschen mit Pfeil und Bogen getötet hat.

AFP
«Hier steht gerade alles Kopf», berichtet eine Leserin von 20 Minuten vor Ort.

«Hier steht gerade alles Kopf», berichtet eine Leserin von 20 Minuten vor Ort.

AFP
Die Polizei sichert Spuren, um möglichst viele Informationen über das Geschehen zu erhalten.

Die Polizei sichert Spuren, um möglichst viele Informationen über das Geschehen zu erhalten.

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«Wir arbeiten daran, Spuren zu sichern, um möglichst viele Informationen über das Geschehene zu erhalten», sagte Polizeichef Øyvind Aas. An den Ermittlungen sei der gesamte Polizeibezirk Süd-Ost beteiligt. Es habe mehrere Tatorte gegeben. Die Polizei ermittle nun in alle möglichen Richtungen.

34 Minuten des Schreckens

«Ein Mann lief 34 schreckliche Minuten lang im Zentrum herum und schoss Menschen mit seinem Bogen nieder», schreibt die norwegische Zeitung «Aftonbladet». Die erste Nachricht über das Geschehen sei bei der Polizei um 8.13 Uhr eingegangen. Während des Angriffs sei es dem Täter gelungen, der Polizei zu entkommen, indem er Pfeile auf sie schoss. Die Tat habe sich in einer Einkaufspassage mit vielen Geschäften ereignet. In der Zone leben laut der Zeitung auch viele Studentinnen und Studenten sowie Familien mit Kindern.

Der Täter habe auch auf einen Zivilpolizisten geschossen, der in seiner Freizeit in einem Laden Einkäufe tätigte, schreibt «Aftonbladet» weiter. Der Polizist sei nun auf der Intensivstation. Das bestätigt auch die zitierte Leserin von 20 Minuten. Der Mann habe zudem mehrere Pfeile auf die Polizei abgefeuert. Bei keinem der Verletzten soll ein lebensbedrohlicher Zustand vorliegen.

«Ich habe Squid Game geschaut, als ich plötzlich Sirenen hörte», sagte der 24-jährige Student Sarkis Younan zur Zeitung. Er habe zuerst gedacht, die Sirene ertöne in der Netflix-Serie. Dann habe er aber die Polizei gehört, die «Leg die Waffe weg» geschrien habe, und realisiert, dass die Sache real sei.

Der Täter habe schliesslich den Supermarkt verlassen und sei davongerannt. Die Polizei habe ihn durch Strassen und Hinterhöfe verfolgt und konnte ihn am Ende festnehmen. Der Mann sei bereit, mit der Polizei zusammenzuarbeiten und habe in einem ersten Verhör Angaben zur Tat gemacht, sagte sein Verteidiger gegenüber norwegischen Medien.

Helikopter über der Innenstadt

Eine 20-Minuten-Leserin, die sich in Kongsberg befindet, meldete sich bei der Redaktion. Sie berichtet, dass die Polizei am Boden und in der Luft patrouilliere. «Hier steht gerade alles Kopf.» Bis 19 Uhr seien Helikopter zu hören gewesen. Ihre Freunde, die in der Innenstadt wohnen, hätten ihre Häuser nicht verlassen dürfen.

Marit Höfle, eine Einwohnerin von Kongsberg, erzählt gegenüber «NBT», die Polizei habe gegen 21 Uhr Hinterhöfe und Garagen in der Innenstadt mit Taschenlampen abgesucht. «Polizisten haben an unsere Tür geklopft und gefragt, ob es uns gutgehe», sagte Höfle weiter.

Erinnerungen an Breivik

Die scheidende Ministerpräsidentin Erna Solberg sagte, es seien «grauenvolle» Nachrichten, die das Land aus Kongsberg erhalte. Ihr designierter Nachfolger Jonas Gahr Støre, der am Donnerstag sein Amt antreten soll, sprach von einer «grausamen und brutalen Tat».

Vor über zehn Jahren hatte der Rechtsextremist Anders Behring Breivik eine Bombe im Osloer Regierungsviertel gezündet und bei einem Sommerlager der Parteijugend der sozialdemokratischen Arbeiterpartei ein Massaker angerichtet. 77 Menschen kamen dabei ums Leben. Ein Gericht verurteilte Breivik zu einer Haftstrafe von 21 Jahren. Mehr ist unter dem norwegischem Recht nicht möglich. Solange Breivik allerdings als Gefahr für die Gesellschaft gilt, ist eine Verlängerung der Strafe möglich.

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(DPA/mur)

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