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In Indiens NordostenHier stellt sich Adolf Hitler zur Wahl

Ein Blick auf die Wahllisten in eines indischen Bundesstaates irritiert: Neben Frankenstein Momin, Billykid Sangma oder Jhim Carter Sangma steht auch Adolf Lu Hitler zur Wahl.

von
Wasbir Hussain
AP
Adolf Lu Hitler (stehend) sieht in seinem Namen kein Problem: «Mein Vater hat ja noch ein ‹Lu› hinzugefügt, das unterscheidet mich.»

Adolf Lu Hitler (stehend) sieht in seinem Namen kein Problem: «Mein Vater hat ja noch ein ‹Lu› hinzugefügt, das unterscheidet mich.»

Britischer Humor oder einfach Unwissenheit? In Indiens Nordosten herrschen bei der Namenswahl eigentümliche Gepflogenheiten. Auch vor Geschmacklosigkeit wird nicht Halt gemacht.

Adolf Hitler stellt sich zur Wahl, auch Frankenstein steht auf dem Stimmzettel. Die Menschen im kleinen Bundesstaat Meghalaya im Nordosten Indiens pflegen eine eigentümliche Zuneigung zu merkwürdigen und auch umstrittenen Namen. Das beweist die Kandidatenliste zu den regionalen Wahlen an diesem Wochenende. Unter den 345 Kandidaten für das Landesparlament sind Frankenstein Momin, Billykid Sangma oder Romeo Rani. Manche, wie Kenedy Marak, Kennedy Cornelius Khyriem and Jhim Carter Sangma, hoffen wohl auf ähnliche Wahlerfolge wie ihre namensgebenden amerikanischen Präsidenten.

Und dann ist da Hitler. Der 54-jährige dreimalige Familienvater hat bereits drei Wahlen zum Landesparlament erfolgreich hinter sich gebracht, ohne viele Aufregung darüber, dass er so heisst wie der Nazidiktator.

Vater arbeitete für die britische Armee

Sein Vater hatte zwar für die britische Armee gearbeitet, was ihn aber nicht abhielt, seinem Sohn den Namen des Erzfeindes zu geben, nicht ohne in der Mitte noch ein «Lu» einzufügen. «Irgendwann wurde mir klar, dass Adolf Hitler wegen des Völkermords an den Juden die meistgehasste Person auf der Welt war. Aber mein Vater hat ja noch ein «Lu» hinzugefügt, das unterscheidet mich», sagt Hitler der Nachrichtenagentur AP.

Sein Name habe ihn nicht von Reisen abgehalten, unter anderem in die USA oder nach Deutschland. «Ich hatte nie Probleme, ein Visum zu erhalten. Aber ich wurde bei der Einreise oft gefragt, warum ich so einen Namen habe», berichtet der 54-Jährige. Er habe dann immer geantwortet, er habe sich den Namen ja nicht ausgesucht.

«Mein Kampf» ist in vielen Buchläden problemlos erhältlich

Indien spielte im Zweiten Weltkrieg kaum eine Rolle, und viele Inder sehen Hitler nicht als Personifizierung des Bösen, sondern als faszinierende Figur. Hitlers «Mein Kampf» ist in vielen Buchläden problemlos zu kaufen.

Musfika Haq, Lehrer in Meghalayas Hauptstadt Shillong, bestätigt, dass solche Namen im Bundesstaat geläufig seien. «Eltern sind offensichtlich fasziniert von den Namen grosser Führer. Ihnen ist aber nicht klar, dass einige von ihnen, wie etwa Hitler, höchst brisant sind.»

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