Eis go zieh mit ... Alois Gmür : Hier stösst CVP-Bierkönig Gmür in der Reitschule an
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Eis go zieh mit ... Alois Gmür Hier stösst CVP-Bierkönig Gmür in der Reitschule an

Alois Gmür ist fünffacher Vater und Braumeister. Mit seinem Gerstensaft beliefert der CVP-Nationalrat die Berner Reitschule. 20 Minuten traf ihn dort auf ein Bier.

von
D. Waldmeier
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Seit bald 25 Jahren beliefert CVP-Nationalrat Alois Gmür das durstige Reitschule-Kollektiv mit seinen Bieren.

Seit bald 25 Jahren beliefert CVP-Nationalrat Alois Gmür das durstige Reitschule-Kollektiv mit seinen Bieren.

20 Minuten/daw
Die Brauerei Rosengarten ist im Besitz der Familie. Man strebe ein «gesundes Wachstum» an, sagt Gmür.

Die Brauerei Rosengarten ist im Besitz der Familie. Man strebe ein «gesundes Wachstum» an, sagt Gmür.

Gmür nahm die Betreiber der Reitschule nach den jüngsten Ausschreitungen in Schutz  – und trat damit einen Sturm der Entrüstung los.

Gmür nahm die Betreiber der Reitschule nach den jüngsten Ausschreitungen in Schutz – und trat damit einen Sturm der Entrüstung los.

Sein Haar ist weissgrau, der Händedruck kräftig, seine Art unprätentiös: Auf dem Weg vom Bundeshaus zur Berner Reitschule reicht Alois Gmür ein Béret, um sich vor dem Regen zu schützen. Wir gehen an einem Skatepark und an den Sprayereien vor dem Kulturzentrum vorbei, ein junger Mann – wohl im Drogenrausch – torkelt uns entgegen. Unbeirrt betritt der 62-Jährige das «Rössli» und steuert einen grossen Tisch an.

Gmür bestellt eine grosse Flasche seines Lagerbiers, das er in Einsiedeln SZ in der Brauerei «Rosengarten» herstellt. Seit bald 25 Jahren zählt das durstige Reitschule-Kollektiv zu den Kunden des alten Familienbetriebs, der heute 23 Mitarbeiter beschäftigt. «Früher lieferte ich das Bier mit dem Lastwagen selbst aus», erzählt Gmür.

«Ich habe nicht die dickste Haut»

Als es Ende Februar rund um die Reitschule zu schlimmen Krawallen mit einem Dutzend verletzten Polizisten kam, sollen Chaoten Bierflaschen aus Einsiedeln gegen die Beamten geschleudert haben. Doch Gmür nahm die Betreiber der Reitschule in Schutz. Diese hätten nichts mit den Krawallmachern zu tun, sagte er im «Blick» – und löste damit einen Sturm der Entrüstung aus. Er wurde mit Hassmails eingedeckt und übel beschimpft. Auch ein Kunde wandte sich ab.

Der CVP-Nationalrat sagt, er habe die meist anonymen Zuschriften einfach gelöscht. Doch dann gibt er zu, dass ihm die Anfeindungen sehr nahe gegangen sind: «Ich habe nicht die dickste Haut.» Zum Glück habe er auch positive Reaktionen erhalten.

Nun erfüllt Live-Musik das Lokal. Es ist mexikanischer Abend, für neun Franken gibt es Fajitas mit Bohnen und Rindfleisch. Die Stimmung ist friedlich. Gmür faltet seine Tapas, die ihm vorzüglich schmecken. Sein Ärger über den Entscheid des Nationalrats, ausländische Online-Casinos mit Netzsperren auszubremsen, ist längst verflogen. Später wird der Innerschweizer bilanzieren: «Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass diese Leute die Strippenzieher der kriminellen Ausschreitungen sein sollen.»

Die Sorgen eines Vaters

Die Beziehung zur Reitschule kam zufällig zustande: In den 90er-Jahren kämpfte Gmür für die Alpeninitiative und braute ein spezielles Alpenbier, das bei den linken Befürwortern gut ankam. Danach sei er angefragt worden, ob er nicht auch die Reitschule beliefern könne.

Dabei ist der konservative Gmür die wandelnde Antithese zu den Exponenten der linken Besetzerszene: Er, der gläubige Katholik aus den CVP-Stammlanden, der in der Klosterschule in Einsiedeln humanistische Bildung geatmet hat. Er, der es in der Armee dank seiner Liebe zum Lastwagenfahren bis zum Major gebracht hat. Er, der fünffache Familienvater und Unternehmer, der für die traditionelle Familie einsteht. Gmür ist gegen einen Vaterschaftsurlaub, gegen die weitere Subvention von Krippenplätzen, gegen das Adoptionsrecht für Homosexuelle.

Spricht der Milizpolitiker über seine vier Töchter, legen sich Sorgenfalten über seine Stirn: Während sein Sohn geheiratet hat und ihm zwei Grosskinder geschenkt hat, sind seine Töchter allesamt nicht unter der Haube. «Früher brauchten die Frauen noch einen Mann, heute offensichtlich nicht mehr», sagt Gmür kopfschüttelnd, bevor er über die Rolle des heutigen Mannes sinniert.

Annäherung auf dem Skilift

Er selbst hat seine Frau auf der Skipiste kennengelernt. Gmür war mit Kollegen von der Pfadi am Skifahren, einer brachte seine Schwester mit. «Auf dem Bügellift habe ich einen ersten Annäherungsversuch gewagt, sagt Gmür und lacht verschmitzt.

Gmür hat vier Geschwister. Gefragt nach seiner Kindheit, beschreibt er sie als «glücklich». Über die Firma, seine Leidenschaft für das Bier, redet Gmür jedoch weit lieber als über seine eigene Person.

Bevor Gmür 2011 Nationalrat wurde, war er sieben Jahre lang Kantonsrat und 18 Jahre lang Bezirksrat. Am Familientisch war die Politik stets ein Thema. Schon sein Vater sass im Schwyzer Kantonsrat.

Obwohl Gmür ziemlich genau in der Mitte politisiert, scheut er die Konfrontation nicht. So kritisiert er den ehrgeizigen Berner Sicherheitsdirektor für seine Strategie bei der Reitschule. Auch im Gewerbeverband opponiert er offen gegen den Kurs von Direktor Hans-Ulrich Bigler (FDP): «Erst letzte Woche habe ich mich wieder geärgert, dass er sich ziert, sich von der No-Billag-Initiative zu distanzieren.»

Ein gewiefter Geschäftsmann

Inzwischen ist der Präsident der IG unabhängiger Schweizer Brauereien in ein Gespräch mit einem Mutter-Tochter-Gespann vertieft. Er gibt ein «Maisgold» aus. Von der jungen Malerin am Tisch will er wissen, ob die Abgabe auf bestimmten Lösungsmitteln in Farben und Lacken (VOC-Abgabe) wirklich unnütz sei. SVP-Nationalrat Walter Wobmann weible derzeit für deren Abschaffung.

Die gepiercte Malerin findet die Regelung gut, es gebe heute genügend andere Mittel, die umweltfreundlicher seien. Gmür nickt, und es wäre kaum eine Überraschung, wenn er sich im Parlament mit der jungen Malerin hinter die Lenkungsabgabe stellen würde. Gmür ist offensichtlich ein Instinktpolitiker.

Ein geschäftstüchtiger dazu: Zum Schluss lädt Gmür die beiden zu einer Gruppenführung in die Brauerei ein. Dann ermahnt er noch den Kellner, immer schön seine Biere zu empfehlen – und macht sich zufrieden von dannen.

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