Whatsapp-Nachrichten von Polizist - «Hier von Belästigung zu sprechen, ist ja wohl übertrieben»
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Whatsapp-Nachrichten von Polizist«Hier von Belästigung zu sprechen, ist ja wohl übertrieben»

Einen Monat nach einem Polizeieinsatz wird Gina B. vom Beamten auf Whatsapp angeschrieben. Dass sie sich belästigt fühlte, verstehen nicht alle Leserinnen und Leser.

von
Daniel Krähenbühl
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Gina erhielt von einem Polizisten, der ihre Nummer nach einem Einsatz wegen sexueller Belästigung abspeicherte, mehrere Nachrichten per Whatsapp. 

Gina erhielt von einem Polizisten, der ihre Nummer nach einem Einsatz wegen sexueller Belästigung abspeicherte, mehrere Nachrichten per Whatsapp.

Privat
Der Polizist schickte ihr unter anderem ein Selfie von sich in Polizeiuniform. 

Der Polizist schickte ihr unter anderem ein Selfie von sich in Polizeiuniform.

Privat
«Der Polizist wollte einer Bekannten mit seinem privaten Handy einen Gruss mit zwei Emojis zustellen», sagt Ulrich Pfister, Kommandant bei der Stadtpolizei Schlieren/Urdorf. 

«Der Polizist wollte einer Bekannten mit seinem privaten Handy einen Gruss mit zwei Emojis zustellen», sagt Ulrich Pfister, Kommandant bei der Stadtpolizei Schlieren/Urdorf.

Kapo Zürich

Darum gehts

  • Gina B. rief wegen sexueller Belästigung die Polizei. Einen Monat später erhielt sie von einem der Beamten private Nachrichten.

  • «Ich musste die Polizei rufen, weil ich sexuell belästigt wurde – und schlussendlich werde ich durch die Person, die mich schützen sollte, erneut belästigt», so B.

  • Laut der Polizei habe der Beamte die Nachricht irrtümlicherweise an die Frau geschickt.

  • Der Fall werde jedoch intern weiter geprüft, um ähnliche Fälle in Zukunft ausschliessen zu können.

Der Bericht über Gina B., die in der Badi sexuell belästigt wurde und später vom herbeigerufenen Polizisten privat per Whatsapp angeschrieben wurde, sorgt für Diskussionen. Über 200 Leserinnen und Leser kommentierten den Artikel und gaben ihre Meinung zum Thema ab.

Wie eine nicht repräsentative Umfrage von 20 Minuten mit 18’820 Stimmen zeigt, ist das Verdikt für 71 Prozent der Leserschaft klar: Bei den Nachrichten des Polizisten habe es sich um einen Irrtum gehandelt. Nur 18 Prozent denken, dass die Mitteilungen und das Selfie eindeutig zu weit gingen.

Die Leserschaft ist geteilt. Zunächst gibt es jene, die nicht an eine Verwechslung glauben: «Gute Ausrede, Herr Polizist. Das kommt davon, wenn man die Signale der Frau falsch interpretiert», schreibt Benutzer «nichtschlimm» etwa. Andere kritisieren, dass es dem Polizisten überhaupt möglich war, auf dem Geschäftshandy private Whatsapp-Nachrichten zu verschicken.

So etwa «Moogu»: «Das gehört strikt getrennt. Privat ist privat und Geschäft ist Geschäft. Aus meiner Sicht haben solche Apps nichts auf dem Diensttelefon eines Polizisten zu suchen.» Und «Andreas.76» weist darauf hin, dass es bei der konstanten Speicherung von Handynummern auf Diensthandys schnell chaotisch werden könnte: «Wenn man pro Monat 50 Mal Adressen aufnimmt bei Einsätzen, hat man Ende Jahr 600 Kontakte. Da hat man doch null Ahnung, welche wem gehört.»

Das sagt der Polizeikommandant dazu

Ulrich Pfister, Kommandant bei der Stadtpolizei Schlieren/Urdorf, sagt dazu, dass die Diensthandys die gleichen seien wie diejenigen der Mitarbeitenden der Kantonspolizei. «Wir nutzen die gleiche Infrastruktur und haben die gleichen Zugriffsberechtigungen. Somit unterliegen wir auch den gesetzlichen Bestimmungen und internen Dienstweisungen der Kantonspolizei.» Man werde in Zukunft aber genauer achtgeben, so Pfister: «Wir werden intern unsere Mitarbeitenden in Bezug auf die Handhabung und die ‹Risiken› bei Nutzung dieser Medien sicherlich sensibilisieren.»

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Auch andere zweifeln nicht daran, dass der Polizist Gina B. bewusst angeschrieben hat. Für sie ist das jedoch «viel Wind um nichts», wie «Claire.Desaster» schreibt: «Gina B. hätte ihn auch einfach auf ihrem Handy blockieren können, statt aus der Mücke einen Elefanten zu machen.» Auch «Semena» ist der Ansicht, dass B. – obwohl die Nachricht «klar» für sie gedacht war – «nicht so ein Ding daraus» machen sollte. Der Polizist habe es versucht und sie danach nicht mehr kontaktiert. «Ich freue mich, wenn ein Mann mich anspricht und bleibe höflich, auch wenn er nicht mein Typ ist.» Dass sich der Beamte entschuldigt hat, sei ihm zugute zu halten, schreibt auch «lilith7». Und «Frau_Meier» meint: «Hier von Belästigung zu sprechen, ist ja wohl übertrieben.»

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Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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