Aktualisiert 19.11.2016 08:53

Infografik

Hier werden am meisten Ausländer eingebürgert

In der Schweiz wird das Bürgerrecht sehr unterschiedlich vergeben. Eine Auswertung zeigt, wo Ausländer am häufigsten und wo am seltensten den Schweizer Pass erhalten.

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Die Infografiken zeigen, wo am meisten eingebürgert wird. Ausschlaggebend für die Rangliste ist die Anzahl Einbürgerungen pro 1000 Ausländer.

Die Infografiken zeigen, wo am meisten eingebürgert wird. Ausschlaggebend für die Rangliste ist die Anzahl Einbürgerungen pro 1000 Ausländer.

YAAY.ch
Platz 26: Am tiefsten ist die Quote in Glarus. Auf 1000 Ausländer kommen hier 8,3 Einbürgerungen.

Platz 26: Am tiefsten ist die Quote in Glarus. Auf 1000 Ausländer kommen hier 8,3 Einbürgerungen.

YAAY.ch
Platz 25: Nidwalden mit 12 Einbürgerungen pro 1000 Ausländer.

Platz 25: Nidwalden mit 12 Einbürgerungen pro 1000 Ausländer.

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Genf ist der Einbürgerungsturbo der Schweiz. 31 Schweizer Pässe pro 1000 Ausländer wurden in der Calvin-Stadt neu vergeben – so viele wie in keinem anderen Kanton. Total 6100 Personen erhielten letztes Jahr in Genf den Schweizer Pass. Die Agentur YAAY hat die aktuellsten Einbürgerungszahlen grafisch aufbereitetet (siehe Diashow).

Die Grafiken zeigen auch: Bei der Einbürgerungsquote pro 1000 Ausländer gibt es grosse Unterschiede. Gemessen an der Bevölkerung bürgern die Zürcher und die Genfer fleissiger ein als die Nidwaldner oder die Glarner. Auf 1000 Ausländer kommen in Zürich 25,6 Einbürgerungen, in Glarus hingegen nur 8,3.

«In der Innerschweiz sind die Regeln oft strenger»

Diese Unterschiede sind laut Integrationsexperte und Stadtentwickler Thomas Kessler auf die unterschiedliche Einbürgerungspraxis in den Kantonen und Gemeinden zurückzuführen. «In einigen Städten ist die Einbürgerung quasi ein administrativer Akt, andernorts befindet der Gemeinderat darüber. In Gemeinden wiederum mit einer alten Bürgergemeinde-Tradition müssen Einbürgerungen von der Versammlung abgesegnet werden». Daraus ergäben sich unterschiedlich hohe Hürden für die Einbürgerung, was sich in den Einbürgerungszahlen niederschlage.

In Genf herrscht laut Kessler «ein liberales, französisch geprägtes Verständnis des Bürgerrechts». Dort werde schneller eingebürgert. «In der Innerschweiz sind die Regeln oft strenger.» Dies wirke sich auch auf die Motivation zur Einbürgerung aus. «Eine Einbürgerung kostet Zeit und Geld, je mehr Hürden bestehen, desto eher sieht man von einer Einbürgerung ab.»

«Einbürgerungspraxis muss harmonisiert werden»

Unzufrieden mit der Regelung ist Grünen-Nationalrätin Sibel Arslan. «Die Einbürgerungspraxis muss stärker harmonisiert werden.» Zwar sei es wegen den drei Staatsebenen richtig, dass die Kantone und Gemeinden einen gewissen Spielraum haben, aber momentan seien die Regeln zu willkürlich. «Unterschiede zwischen Gemeinden bei Gebühren und Fristen sind teilweise nicht nachvollziehbar.»

Besonders kritisch sieht Arslan die Einbürgerung mittels Entscheid der Gemeindeversammlung. «Wenn Einbürgerungen von der Gemeindebevölkerung abgesegnet werden, wird Willkür Tür und Tor geöffnet, und Persönlichkeitsrechte, wie die Wahrung der Privatsphäre, werden verletzt.» Dies schrecke viele Ausländer von der Einbürgerung ab. Glücklicherweise müssten negative Entscheide mittlerweile begründet werden.

Anderer Meinung ist SVP-Nationalrat Andreas Glarner. «Verkommt die Einbürgerung zum administrativen Akt, so kommt es zur Masseneinbürgerung ohne Rücksicht auf Integration oder Sprachkenntnisse. In Genf wird jeder einfach durchgewinkt.» Bei einer Gemeindeversammlung hingegen werde genau hingeschaut, und wer sich Mühe gebe und integriert sei, der würde problemlos eingebürgert.

Der Schweizer Pass wird in den Kantonen unterschiedlich oft vergeben.

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