Atelier Werenbach: Hier werden Raketenteile zu Schweizer Uhren
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Atelier WerenbachHier werden Raketenteile zu Schweizer Uhren

Patrick Hohmann stellt Uhren aus Raketenteilen her, die im All waren. Mit dieser Idee sorgte er nun für einen Crowdfunding-Rekord – mit Kunden aus aller Welt.

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wed

Sehen Sie im Video, aus welchen Teilen die Uhren gefertigt werden. (Video: Tamedia/Nicole Agostini)

«Spaceborn» heisst das Motto des Ateliers Werenbach am Zürcher Limmatquai. Oder auf Deutsch: Geboren im All. Und das kommt nicht von ungefähr. Die Uhren von Werenbach-Gründer Patrick Hohmann werden aus Raketenteilen hergestellt, die eine Reise ins Weltall hinter sich haben. 2009 entstand die Idee, 2013 hat Hohmann die ersten Modelle präsentiert und produzierte seither rund 60 Uhren pro Jahr. Das Medienecho über die Uhr aus dem Weltall war gewaltig und ging über die Schweizer Landesgrenzen hinaus.

Anfang 2017 setzte Hohmann dann zum Durchbruch an. Mit einer Crowdfunding-Kampagne wollte er die Modelle einer neuen Earth Kollektion vorfinanzieren. In nur 60 Minuten war das Geld beisammen. Mittlerweile hat Hohmann über 1230 Uhren vorfinanziert – für einen Rekordwert von 768'000 Franken.

Viele Kunden aus Deutschland und den USA

Das macht Werenbach zum erfolgreichsten Schweizer Unternehmen auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter. «Das ist eine gewaltige Genugtuung für mich und meine Arbeit – und für mich ist es der Schritt vom kleinen Uhrenatelier zum kleinen Uhrenunternehmen», so Hohmann. Im Uhrenbusiness brauche es sehr viele Investitionen, die man tätigen müsse, bevor man überhaupt eine Uhr verkaufe.

«Personen von ganz vielen unterschiedlichen Ländern haben beim Crowdfunding mitgemacht und jeder einzelne wird die einzigartige Geschichte seiner Uhr in die Welt hinaus tragen – das ist doch Wahnsinn», sagt Hohmann. Die meisten künftigen Kunden kommen aus Deutschland und den USA.

«Zuerst hielt man mich dort für einen Spion»

Damit die Uhren bis im Oktober ausgeliefert werden können, arbeiten seine Produktionspartner in den nächsten Wochen auf Hochtouren, um die Raketenteile in Uhren zu verwandeln. Am Dienstag erhielt Hohmann in der Produktionsstätte in Altdorf UR die ersten Raketenteile aus der Steppe Kasachstans.

Dort landen die Teile in einem militärischen Sperrgebiet, nachdem sie zuvor auf einer Höhe zwischen 46 und 85 Kilometer von der Rakete abgesprengt wurden. «Ich arbeite dort mit einem Partner, der die Exklusivrechte für diese Teile hat», so Hohmann. Es habe aber lange gedauert, bis das Vertrauen entstehen konnte. «Zuerst hielt man mich dort für einen Spion», sagt der Uhrenmacher. Schliesslich habe sich niemand vorstellen können, dass ein Schweizer aus gebrauchten Raketenteilen Uhren herstellen würde.

Jede Uhr ist ein Unikat

Die Teile für die aktuelle Earth-Kollektion stammen von der Rakete Sojus MS-02, die am 19. Oktober 2016 drei Astronauten zur internationalen Raumstation ISS brachte. «Das ist genau das Spezielle an meinen Uhren – jede Uhr hat ihre einzigartige Geschichte und ist ein Unikat», so Hohmann. Andere Hersteller würden ihre Marken mehrheitlich über ihre Firmengeschichten aufbauen.

«Es gibt auch vergleichbare Produkte anderer Marken, bei denen spezielle Teile in die Uhr eingebaut werden», sagt Hohmann. Dort starte man aber bei einem Preis von 10'000 Franken aufwärts. «Meine Preise liegen momentan zwischen 1100 und 1600 Franken», so Hohmann. Das habe damit zu tun, dass er die Marke erstmals in der Uhrenwelt integrieren müsse, um Bekanntheit zu erlangen.

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