Nashville: Hier wird die Musik an jeder Ecke gelebt
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NashvilleHier wird die Musik an jeder Ecke gelebt

Die Music City im Herzen der Südstaaten ist für den Country das, was Hollywood für den Film ist: der Ort, wo grosse Träume wahr werden – oder für immer platzen.

von
Marlies Seifert
Am Broadway in der Music City Nashville reiht sich ein Honkytonk ans nächste.(linkes Bild) In Layla's Bluegrass Inn spielen sich Newcomerbands die Finger wund.

Am Broadway in der Music City Nashville reiht sich ein Honkytonk ans nächste.(linkes Bild) In Layla's Bluegrass Inn spielen sich Newcomerbands die Finger wund.

Kellnernde Schauspieler gehören in L.A. längst zum Lokalkolorit. In Nashville wird diese Rolle von der musizierenden Zunft übernommen. Von Dave Daeger etwa. Der Sänger schenkt in der Country Music Hall of Fame Kaffee aus und träumt dabei nur davon, irgendwann selbst in die Ehrengalerie aufgenommen zu werden.

Seine unzähligen Schicksalsgenossen spielen sich in den Honkytonks entlang des Broadway von morgens um zehn Uhr bis am nächstem Morgen um sechs Uhr die Finger wund. Ihr Lohn: Trinkgelder und die Hoffnung, entdeckt zu werden. Die Chancen dafür stehen wohl tatsächlich an keinem anderen Ort in den USA besser als hier: Alle grossen Labels haben eine Dependance in der Country-Metropole; 180 Tonstudios sind über die ganze Stadt verteilt.

An jeder Ecke wird Musikgeschichte erlebt und gelebt: etwa bei Gruhn Guitars, wo Bob Dylan und Cat Stevens (alias Yusuf Islam) ein- und ausgehen, oder im Hatch Show Print, wo Konzertplakate noch immer wie vor hundert Jahren im Holzplattendruck hergestellt werden. Ein weiteres Beispiel für die Fortsetzung des musikalischen Erbes in Nashville ist das RCA Studio B: Wo Elvis während nächtlichen Jam-Sessions Klassiker wie «Are You Lonesome Tonight» aufnahm, brüten heute Studenten der Musikhochschule über der Harmonielehre. Obs wohl je mit dem eigenen Nummer-eins-Hit klappt?

Ausflugstipp: Ein Tag bei Jack Daniel

Was trinken echte Cowboys? Genau: einen ordentlichen Whiskey. Wie der hergestellt wird, erfährt man in der Jack Daniel Distillery in Lynchburg. Ironischerweise steht ausgerechnet dieses 400-Seelen-Kaff in einem so genannten Dry County. Seit über 80 Jahren herrscht hier Prohibition. Der Landkreis hatte nie genügend Stimmbürger, um das Gesetz aus den 20ern aufzuheben. Bevor man sich von einem der Südstaaten­originale über das Destillerie-Gelände führen lässt, sollte man einen Abstecher zu Miss Mary Bobo's machen. Einst eine Pension für Fabrikarbeiter, wird dort heute noch deftige Hausmannskost wie vor hundert Jahren serviert. Reservation notwendig.

Mainstream und Alternative

Wer den Durchbruch in der Music City geschafft hat, spielt im legendären Ryman Auditorium, auf dessen Brettern schon Johnny Cash stand, oder in der Grand Ole Opry Show – sozusagen der Musikantenstadl des Country und die älteste Live-Radiosendung der Welt. In den diversen Clubs in Nashville wird aber auch diversen anderen Musikstilen Platz eingeräumt – etwa im BB Kings Blues Club. Und: Es gedeiht auch eine alternative Szene: Rockstar Jack White etwa hat hier erst kürzlich seine eigene Plattenfirma mit anliegendem Plattenladen gegründet.

Wem es nichts ausmacht, etwas ausserhalb des Stadtzentrums zu logieren, findet im Gaylord Opryland Resort eine luxuriöse Unterkunft in direkter Nähe zur Grand Ole Opry. www.gaylordhotels.com

Weitere Infos unter: www.visitmusiccity.com

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