Rouen: Hier wurde Jeanne d'Arc lebendig verbrannt
Publiziert

RouenHier wurde Jeanne d'Arc lebendig verbrannt

Am 30. Mai 1431 starb die Jungfrau von Orléans einen qualvollen Tod in Rouen. Es ist nicht das einzige düstere Ereignis, von dem die Kleinstadt in der Normandie erzählt.

von
Stephanie Sigrist

Die nordfranzösische Stadt Rouen hat einige der dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte miterlebt: Im 14. Jahrhundert starben 75 Prozent der Bevölkerung an der Pest, am 30. Mai 1431 wurde Jeanne d'Arc hier verbrannt, und 1944 trafen die Bombenangriffe der Alliierten die damals von den Deutschen besetzte Stadt. Heute ist die Hafenstadt mit gut 110'000 Einwohnern eines der beliebtesten Touristenziele der Normandie. Das dürfte nicht zuletzt an der finsteren Geschichte Rouens liegen, die bei einer Stadtbesichtigung allgegenwärtig ist.

So erinnert beispielsweise ein Denkmal an den qualvollen Tod von Jeanne d'Arc. Die Französin war als Ketzerin bei lebendigem Leib verbrannt worden. Das Todesurteil wurde 24 Jahre später aufgehoben und die auch unter dem Namen Jungfrau von Orléans bekannte Frau zur Märtyrerin erklärt. Ihr Gedenktag ist der heutige 30. Mai. Geschichtsfans können auch das Gebäude, in dem der Prozess gegen die Nationalheldin geführt wurde, besuchen.

Katze eingemauert – für positive Energien

Noch mehr Leid hat das 1348 erbaute Gebeinhaus Saint-Maclou gesehen. Hier wurden die Pesttoten hingebracht. Um die negativen Energien zu vertreiben, wurde eine Katze lebendig eingemauert. Ihr Skelett kann in einem kleinen Schaufenster im Gebeinhaus betrachtet werden. Seit 1940 ist in dem Gebäude eine Kunsthochschule untergebracht. Sorgfältig angebrachte Schnitzereien in Form von Totenköpfen erinnern allerdings noch an den ursprünglichen Zweck des Hauses.

Die Kathedrale und das Parlament wurden im Zweiten Weltkrieg von Bomben beschädigt und gehören neben dem Platz Jeanne d'Arc zu den traurigen Hauptattraktionen der Stadt. Die im gotischen Stil erbaute Kirche hat zudem eine zentrale Funktion im kulturellen Leben der Stadt inne. Ein Heiligenbild Sankt Julians in der Kathedrale von Rouen inspirierte den Schriftsteller Gustave Flaubert angeblich zu seinem Werk «Julianus Hospitator». In dem Gebäude mit dem höchsten Kirchturm Frankreichs wird derzeit eine kostenlose Ausstellung einer Gruppe von Künstlern gezeigt.

Heutzutage ist nicht mehr spürbar, dass Rouen in der Vergangenheit viel durchmachen musste. Das Stadtbild ist geprägt von kunstvoll verzierten Riegelhäusern, gemütliche kleine Cafés, Bars und Crêperies laden zum Verweilen ein. Auch zum Shoppen ist die Stadt gut geeignet, sind doch neben den grossen Ladenketten auch charmante Boutiquen zu finden.

Rouen entdecken

Der Schweizer Reiseveranstalter Frantour bietet individuelle Touren oder Gruppenrundreisen durch die Normandie an. Mit dem Auto, Zug oder Flugzeug kann Frankreichs Nordküste entdeckt werden. Zu den Reisezielen gehören bei den Frantour-Routen neben Rouen auch die geschichtsträchtigen D-Day-Strände oder die Apfelweinstrasse Route de Cidre. Weitere Informationen und Reisetipps für die Normandie gibt es hier.

Deine Meinung