«Sie meinen es nicht böse»: High Heels und Röckli für Obdachlose im Winter
Aktualisiert

«Sie meinen es nicht böse»High Heels und Röckli für Obdachlose im Winter

Der Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter in Basel wird zur Zeit von Kleidern überhäuft. Die gut gemeinten Spenden sind aber alles andere als wintertauglich.

von
mhu
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«Zur Zeit werden wir mit Kleidern überhäuft!», schreibt der Verein für Gassenarbeit «Schwarzer Peter» auf Facebook.

«Zur Zeit werden wir mit Kleidern überhäuft!», schreibt der Verein für Gassenarbeit «Schwarzer Peter» auf Facebook.

Screenshot Facebook
Es treffe vermehrt Sommerkleidung ein. Darunter zum Beispiel haufenweise Schuhe, die nicht geeignet für den Winter sind.

Es treffe vermehrt Sommerkleidung ein. Darunter zum Beispiel haufenweise Schuhe, die nicht geeignet für den Winter sind.

Schwarzer Peter
Auch verschmutzte und kaputte Sachen gebe es immer wieder. Das Sortieren und Entsorgen würde dem Verein viel Arbeit und damit verbundene Kosten bescheren. Yvonne Bürgin, Gassenarbeiterin und Co-Geschäftsleiterin des Schwarzen Peter, sagt, es sei immer wieder ein Thema, dass Leute ohne zu überlegen Kleidung abgeben und zur Winterzeit ihre Sommerkleidung bringen würden, die sie nicht mehr brauchten.

Auch verschmutzte und kaputte Sachen gebe es immer wieder. Das Sortieren und Entsorgen würde dem Verein viel Arbeit und damit verbundene Kosten bescheren. Yvonne Bürgin, Gassenarbeiterin und Co-Geschäftsleiterin des Schwarzen Peter, sagt, es sei immer wieder ein Thema, dass Leute ohne zu überlegen Kleidung abgeben und zur Winterzeit ihre Sommerkleidung bringen würden, die sie nicht mehr brauchten.

Schwarzer Peter

Würden Sie im Winter High Heels oder Sandalen anziehen? Wohl kaum. Dasselbe gilt für Obdachlose. Das hält Baslerinnen nicht davon ab, den Verein für Gassenarbeit Schwazer Peter grosszügig mit Sommerschuhwerk zu beschenken. Auf Facebook machte die Organisation mit einem Post ihrem Ärger Luft: «Zur Zeit werden wir mit Kleidern überhäuft! Leider bringt man uns die gesamte Sommerkollektion, die zu Hause den Kasten verstopft, verschmutzte und kaputte Sachen und haufenweise Schuhe, die nicht geeignet sind für den Winter.»

Das Sortieren und Entsorgen würde dem Verein viel Arbeit und damit verbundene Kosten bescheren, heisst es weiter. Yvonne Bürgin, Gassenarbeiterin und Co-Geschäftsleiterin von Schwarzer Peter, sagt auf Anfrage: «Die Leute meinen es nicht einmal böse, wenn sie uns die ganzen Sachen abgeben. Aber wir und wahrscheinlich auch viele ähnliche Organisationen haben nur einen Mini-Stauraum, um die Kleidung unterzubringen.» Es sei immer wieder ein Thema, dass Leute ohne zu überlegen Kleidung abgeben und zur Winterzeit ihre Sommerkleidung bringen würden, die sie nicht mehr brauchten.

Bei Männerkleidung herrscht Mangel

Dabei führt der Schwarze Peter auf seiner Webseite extra eine Liste, auf der einsehbar ist, welche Kleidungsstücke zu welcher Jahreszeit am meisten benötigt werden. High Heels sind jedenfalls weder zur kalten noch zur warmen Jahreszeit gefragt.

Besonders bei Kleidung für Männer herrsche Mangel, sagt Bürgin. «Was wir sonst noch benötigen sind zum Beispiel dicke Winterjacken, Handschuhe, Kappen, grosse Rucksäcke, geschlossene Schuhe, Isoliermatten oder taugliche Schlafsäcke», erklärt sie. Am besten sollten es Militärschlafsäcke sein, die bis zu minus zehn Grad gebraucht werden könnten.

Dutzende schlafen bei Minustemperaturen im Freien

Denn rund 50 Obdachlose schlafen in Basel auch bei Minustemperaturen im Freien. «Das sind oftmals Leute, die das schon seit Jahren so machen», erklärt Michel Steiner, Co-Leiter des Schwarzen Peter. Einige hätten auch psychische Probleme und Mühe, mit anderen in einem Mehrbettzimmer zu schlafen. Für Leute in einer solch prekären Lebenssituation seien Sachspenden ein wesentlicher Beitrag zur Überlebenshilfe: Sehr viele Leute würden solche Kleiderspenden abholen, so Steiner.

Der Schwarze Peter ist nicht die einzige Organisation in Basel, die Überlebenshilfe für Randständige bietet. Einen warmen Platz und warme Mahlzeiten für Obdachlose bietet das Soup & Chill. Auch dort werden Sachspenden angenommen. Nebst warmen Kleidern für den Winter freuen sich die Betreiber auch über Lebensmittel und Küchenwaren. Auf Facebook hat das Forum für Armutsbetroffene dazu einen Aufruf publiziert.

Kirche spendet für Gassenarbeit

Die römisch-katholische Kirche Basel-Stadt spendet den Weihnachtsbatzen in der Höhe von 10'000 Frnaken aus ihrem Solidaritätsfonds an den Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter. Die Spende sei einmalig, heisst es in einer Pressemitteilung vom Montag. Der Verein sei aus dem sozialen Basel nach über 30-jähriger Tätigkeit nicht mehr wegzudenken, heisst es darin weiter. Der Schwarze Peter bietet Menschen ohne festen Wohnsitz Orientierungshilfe, Informatin, Krisen- und Soforthilfe, Beistand, Beratung, Vermittlung und Begleitung.

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