Amtseinführung: «High Noon» für Obama am Tag der Vereidigung
Aktualisiert

Amtseinführung«High Noon» für Obama am Tag der Vereidigung

Am 20. Januar 2009 wird Barack Obama als Präsident vereidigt - zu einem genau bestimmten Zeitpunkt. Die Vorbereitungen auf dem Capitol Hill laufen bereits auf Hochtouren. Es wird ein Grossandrang erwartet.

von
Simone Schelk
Washington

Die Schulklasse steht ratlos vor dem Kapitol. Ein langer Maschendrahtzaun versperrt den Mädchen den Weg zu dem prächtigen Gebäude, das als Symbol für Washington und Zentrum des politischen Lebens auf dem Capitol Hill thront. «Gesperrt wegen Bauarbeiten für die Inaugurationsfeier», heisst es auf den Schildern. Und tatsächlich: Auf den Stufen sind Bauarbeiter zu sehen, die bereits eifrig am Podest für das grosse Ereignis in mehr als zwei Monaten zimmern.

Bis dahin werden Tausende Umzugswagen den Berg hinauf- und wieder hinuntergerollt sein. Denn die grösste personelle Veränderung wird dort stattfinden, in diesem eigenen Mikro-Kosmos der Hauptstadt. Mehr als 20 000 Menschen arbeiten in den Gebäuden um das Kapitol. Es gibt Apotheken, Restaurants, Fitnessclubs, Kindergärten. Und eine eigene, 1200 Mann starke Polizeitruppe, die «United States Capitol Police» – die die Schilder sehr gewissenhaft im Abstand von zwei Schritten an den Zaun gepinnt hat.

240 000 Tickets gedruckt

Das «Joint Congressional Committee on Inaugural Ceremonies» plant die Details für die feierliche Vereidigung des ersten schwarzen Präsidenten. Die meisten der 240 000 Tickets wurden bereits während des Sommers gedruckt – der Ort ist geheim. Das Komitee hat auch schon über 3000 Quadratmeter roten Teppich, 28 000 Stühle und Tausende Regenumhänge bestellt. Denn Schirme sind an so einem historischen Tag wegen Sicherheitsbedenken nicht erlaubt.

Vor vier Jahren sind rund 200 000 Zuschauer auf die Mall geströmt. «Mit dem Ausgang dieser Wahl könnten es wesentlich mehr sein», sagt Organisator Howard Grantman. Die kostenlosen Eintrittskarten werden durch die Büros von Senat und Kongress und durch das «Presidential Inaugural Committee» vergeben.

Wer am 20. Januar mit dabei sein möchte, muss sich an den Vertreter seines Bundesstaats wenden. Bei dem Ansturm, der nach Barack Obamas Wahl abzusehen ist, werden die Tickets allerdings erst in der Woche vor dem Ereignis ausgeteilt – um horrende Schwarzmarkt-Preise zu vermeiden.

Vereidigung um punkt 12 Uhr

Für die Parade im Anschluss an die Vereidigung laufen die Vorbereitungen ebenfalls schon auf Hochtouren. Das zuständige Pentagon-Komitee arbeitet seit über einem Jahr an der Organisation von Tausenden Soldaten, die als Hilfskräfte, Begleitschutz und Musiker im Einsatz sein werden. Von den Militärs werden die meisten am Rand der Parade stehen – im Abstand von genau drei Metern.

Genauigkeit wird an diesem symbolischen Tag auch für Barack Obama eine wesentliche Rolle spielen. Er muss exakt um 12 Uhr mittags (High Noon) vereidigt werden. Das fordert die Verfassung. Eine Verspätung wird nicht toleriert. «Wenn es nicht am Mittag passiert, garantiert die Verfassung dem neuen Präsidenten nicht die erforderliche Autorität, Präsident zu bleiben», erklärt Grantman.

Hotels machen Bombengeschäft

Für die Hotels, die in der Nähe des Kapitols liegen, wird der 20. Januar ein Freudenfest. Denn die Preise steigen mit jedem Tag. 15 000 Dollar kostet eine Suite im Four Seasons Hotel, wobei man mindestens für fünf Nächte buchen muss. Im Ritz-Carlton zahlt man für vier Nächte 50 000 Dollar, im Marriott direkt an der Pennsylvania Avenue kann man gleich 300 Räume für eine Million Dollar mieten. Ob Hotels ein «Inaugural Package» anbieten oder nicht: Die meisten sind für Ende Januar schon ausgebucht.

Deshalb wird die Schulklasse aus New York im Frühjahr noch einmal nach Washington fahren, um endlich die Stufen zum prächtigen Kapitol in aller Ruhe hinaufsteigen zu können.

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