Junge Musliminnen: Hijabistas tragen ihre Kopftücher sexy zur Schau
Aktualisiert

Junge MusliminnenHijabistas tragen ihre Kopftücher sexy zur Schau

Die so genannten Hijabistas tragen zum Kopftuch modische Kleider. Das Forum für einen fortschrittlichen Islam findet den Trend gefährlich.

von
B. Zanni
1 / 10
Die 21-jährige Bloggerin Indah Nada Puspita aus Hannover ist die zurzeit bekannteste Vertreterin der Hijabistas.

Die 21-jährige Bloggerin Indah Nada Puspita aus Hannover ist die zurzeit bekannteste Vertreterin der Hijabistas.

indahnadapuspita Instagram
Bloggerin Indah Nada Puspita  trägt zum Kopftuch enge Hosen.

Bloggerin Indah Nada Puspita trägt zum Kopftuch enge Hosen.

indahnadapuspita Instagram
Die Muslimin scheut sich auch nicht davor, traditionelle Kleider mit Turnschuhen in knalligen Farben zu kombinieren.

Die Muslimin scheut sich auch nicht davor, traditionelle Kleider mit Turnschuhen in knalligen Farben zu kombinieren.

indahnadapuspita Instagram

«Unterdrückung», «Zwang», «Diskriminierung der Frau»: Diese und ähnliche Ausdrücke fallen oft, wenn in der Schweiz über muslimische Kopfbedeckungen diskutiert wird. Nun aber macht eine Bewegung junger Musliminnen mobil, die ihre Hijabs stolz und sexy zur Schau stellt. Hijabistas nennen sie sich in Anlehnung an die Fashionistas – sehr modebewusste Frauen.

Die 21-jährige Bloggerin Indah Nada Puspita aus Hannover ist laut Welt.de die zurzeit bekannteste Vertreterin der Hijabistas. Fast täglich präsentiert die gebürtige Indonesierin auf Instagram Fotos von sich in den neusten Outfits. Puspita trägt Kopftücher in allen Farben, immer wieder anders drapiert, dazu enge Jeans, Jupes, knallbunte Turnschuhe oder Stilettos. Für die religiös-trendigen Kombinationen erntet die Hijabista viele positive Kommentare. «Du bist einer meiner grössten Inspirationen. Deine Fotos versüssen mir jeden Tag», schreibt eine Followerin. Andere offenbaren sich als echte Fans oder bezeichnen die Looks schlicht als «sexy».

Hijab mit Spitzen

Der Trend, der in Grossbritannien und den Niederlanden entstanden sein soll, ist mittlerweile in die Schweiz übergeschwappt. Immer mehr islamische Kleiderläden haben sich auf trendige Mode spezialisiert – und sprechen so Hijabistas an. Ilahije Asani führt in Bern die Boutique Hijab Asani. Ihr Sortiment bietet neben traditionellen Kleidern auch moderne islamische Produkte. «Die junge Generation will sich mit dem traditionellen Hijab zu ihrer Religion bekennen und trotzdem modern aussehen», stellt Asani fest.

Im Angebot hat Asani Chiffon-Kopftücher und Tuniken in allen Farben. «Sehr beliebt sind die Kopftücher, die zu einer Hälfte blau und zur anderen pink sind», sagt Asani. Den Kunden zeige sie auch kreative Bindetechniken für verschiedene Looks. Die Boutiquebesitzerin entwirft auch selbst: «Ich plane einen mit Pailletten besetzten Chiffon-Hijab und einen Hijab mit Spitzen.»

Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, verfolgt den Trend kritisch. «Diese Mode verharmlost das Kopftuch, das vor allem Islamisten den Frauen aufzwingen wollen, obwohl dieses Gebot im Koran nicht existiert», sagt sie. Ihrer Ansicht nach tragen die Hijabistas nichts zur kritischen Debatte über «das oft traurige Frauenbild» der muslimischen Männer bei. «Eine solche Show verstärkt lediglich das Trugbild der unterwürfigen Frau und der Heiligen, wie sie muslimische Männer sich wünschen», kritisiert Keller-Messahli.

Hijab, Tschador, Niqab und Burka

Der Islam unterscheidet zwischen vier Arten der Verschleierung. Muslimische Frauen weltweit tragen den Hijab. Das traditionelle islamische Kopftuch bedeckt Haare, Ohren, Hals und meistens auch die Schultern. Das Gesicht bleibt frei. Im Iran tragen die Frauen den Tschador. Ein dunkles Tuch bedeckt die Haare und den Körper bis zu den Fussspitzen. Das Gesicht bleibt frei. Der Niqab, vor allem in Saudi-Arabien und im Jemen verbreitet, bedeckt das Gesicht fast ganz. Meist wird der Schleier mit einem Tschador oder anderen Gewand kombiniert. Die Trägerin blickt durch einen schmalen Schlitz. Die Burka wird mehrheitlich in Afghanistan und Pakistan getragen. Das sackähnliche Gewand verhüllt Körper und Gesicht vollständig. Ein schmales Netz verdeckt zudem die Augen.

Deine Meinung