Aktualisiert 24.01.2012 10:52

Jobverbot in Bankenwelt

Hildebrand erhält zwölf Monatslöhne

Der zurückgetretene Notenbank-Chef ist faktisch mit einem Berufsverbot belegt. Dafür erhält er eine Lohnfortzahlung von gegen einer Million Franken.

von
Sandro Spaeth

Der unfreiwillige Abgang von der Spitze der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist für Philipp Hildebrand bitter. «Ich habe dieses Amt geliebt», sagte der 48-Jährige am Montag. Hildebrand mochte es, die mächtigen Banken in die Schranken zu weisen. Und er mochte die grossen Auftritte – beispielsweise, als er der Finanzwelt am vergangenen 6. September die Kursuntergrenze zum Euro kommunizierte.

Weniger dürfte Hildebrand seinen letzten Auftritt gemocht haben, als er vor versammelter Presse den Rücktritt erklären musste. Der bittere Abgang wird dem Notenbanker mit einer Lohnfortzahlung von zwölf Monaten versüsst. Dies entspreche den arbeitsrechtlichen Verpflichtungen, so die Nationalbank. Grund dafür ist, dass Hildebrand während sechs Monaten nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses bei der SNB keine bezahlten oder unbezahlten Tätigkeiten für eine Bank im In- oder Ausland annehmen darf. So steht es in einem nichtöffentlichen Reglement der Nationalbank, wie Sprecher Walter Meier auf Anfrage von 20 Minuten Online bekannt gab. Für Jobs bei Schweizer Grossbanken liegt die Wartefrist sogar bei einem Jahr.

Möchte Hildebrand bei einem Industrieunternehmen oder anderen Akteuren in der Finanzwelt – beispielsweise einem Versicherer, einem Asset Manager oder einem Hedgefonds – anheuern, bräuchte er eine Bewilligung des Bankrats. «Dieser würde sie im Falle eines Interessenkonflikts verweigern», so Meier. Allfällige Einkommen aus einer vom Bankrat bewilligten Tätigkeit würden die Lohnfortzahlung entsprechend reduzieren. Ausgenommen sind Vortragshonorare.

Vorgänger Roth bezog beim Abgang «nur» 682 000 Franken

2010 betrug Hildebrands Lohn 861 900 Franken. Hinzu kam ein Honorar für seine Tätigkeiten für die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) von 66 648 Franken, wie aus dem Geschäftsbericht der Nationalbank hervorgeht. Total bezog er 928 524 Franken.

Jean-Pierre Roth, Hildebrands Vorgänger, erhielt nach seinem Rücktritt Anfang 2010 eine Lohnfortzahlung von sechs Monaten: 611 000 Franken. Ferner erhielt der von Wirtschaft wie Gewerkschaften gelobte Romand eine Abgangsentschädigung in der Höhe von 71 000 Franken. Insgesamt bezog Roth nach dem Abgang somit 682 000 Franken.

Ex-Notenbanker sind als Verwaltungsräte gefragt

Jean-Pierre Roth begann nach Ablauf der Wartefrist im Sommer 2010 eifrig mit dem Sammeln von Mandaten: Heute sitzt er im Verwaltungsrat der Swiss RE, ist Verwaltungsratspräsident der Genfer Kantonalbank und sitzt in der Konzernleitung der Swatch Group. Zudem nahm der Ex-Notenbanker Einsitz in der Stiftung Zukunft Schweiz.

Auch einen anderen ehemals mächtigen Zentralbanker zieht es in die Bankenwelt: Axel Weber, der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank, wird an der bevorstehenden UBS-Generalversammlung vom 3. Mai als Verwaltungsratspräsident der Schweizer Grossbank vorgeschlagen. Und Altbundesrat Kaspar Villiger ablösen.

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