Nationalbank: Hildebrand geht auf Distanz zu UBS-Grübel
Aktualisiert

NationalbankHildebrand geht auf Distanz zu UBS-Grübel

Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand rechnet mit dem Geschäftsmodell der Grossbanken UBS und CS ab. Er warnt vor einer Rückkehr zum risikoreichen Geschäftsmodell.

von
Balz Bruppacher
Oswald Grübel will wieder mehr Risiko eingehen.

Oswald Grübel will wieder mehr Risiko eingehen.

Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zieht ein ernüchterndes Fazit über das Geschäftsmodell der beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse in den letzten zehn bis 15 Jahren. Aus Sicht der Eigentümer und der Gesamtwirtschaft habe sich die seit Mitte der 1990-er Jahre eingeschlagene Geschäftspolitik ganz klar nicht bewährt, sagte Hildebrand in der am Sonntag ausgestrahlten Sendung «Sternstunde» des Schweizer Fernsehens.

Er untermauerte die Kritik mit drei Argumenten: Erstens hätten die Aktionäre rund 30 Prozent ihres Geldes verloren, während der Gesamtmarkt gleichzeitig um etwa 30 Prozent zugelegt habe. Zweitens hätten die Gewinne enorm geschwankt. Und drittens sei der Nettogewinn über den ganzen Zeitraum hinweg nicht sehr attraktiv gewesen, weil es immer wieder Verluste gegeben habe und weil viel Geld ausgeschüttet worden sei, auch für Boni und Kompensationen.

«Weiss nicht genau, was Ossi Grübel gemeint hat»

Der Interviewer, der designierte SRG-Generaldirektor Roger de Weck, sprach den Notenbank-Chef auch auf Aussagen von UBS-Konzernchef Oswald Grübel an, wonach die Grossbank wieder mehr Risiken eingehen wolle. «Ich weiss nicht genau, was Ossi Grübel damit gemeint hat», sagte Hildebrand, wandte sich aber mit Nachdruck gegen eine Forcierung des Investmentbankings und des Aufbaus von grösseren Positionen im Eigenhandel. Es sei auch fraglich, ob es Sinn für die Schweizer Grossbanken mache, sich mit jenen Instituten zu messen, die intensiv im Investmentbanking und im Eigenhandel tätig seien.

«Wenn die Idee ist, dass man zu einem Modell zurückkehrt, das sich nicht bewährt hat, und wenn das möglich ist von den Anreizen her, dann haben wir die Anreize falsch gesetzt», sagte der SNB-Präsident. Er will den Grossbanken ihre Strategie nicht vorschreiben, aber die regulatorischen Auflagen so ausbauen, dass die Rückkehr zur alten Politik zu teuer wird. «Wir müssen die Anreize so setzen, dass das Resultat dieser Strategie letztlich kompatibel ist mit dem Gesamtinteresse der Schweiz», sagte Hildebrand.

Auch Behörden lagen grundfalsch

Mit den Anreizen meint er die zum Teil bereits eingeleiteten Schritte zur Erhöhung von Eigenmitteln und Liquidität sowie die Vorschriften über die Vergütungspolitik. Hildebrand setzt auch auf eine neue Generation von Bankern, die jetzt zwischen 45 und 50 Jahren alt sind und sich nach seiner Überzeugung für eine nachhaltigere Strategie über den Fünfjahreshorizont hinaus einsetzen werden. Die fatalen Fehler in der Vergangenheit nahm der Notenbankchef insofern auch auf die eigene Kappe, als er einräumte, die Aufsichtsbehörden hätten den Banken in der Vergangenheit völlig falsche Anreize gesetzt. So sei man zum Beispiel beim Eigenhandel von einer grundfalschen Prämisse ausgegangen, die zu einer kontinuierlichen Reduktion der Eigenmittel geführt habe.

Grosses Paradox der Globalisierung

Der SNB-Präsident schilderte in dem Gespräch zudem persönliche Erfahrungen und Befindlichkeiten beim Ausbruch und bei der Bewältigung der Finanzkrise. Ein «ganz grosses Schlüsselerlebnis» war für Hildebrand demnach die Erfahrung, dass die Zusammenarbeit mit Notenbanken und Behörden anderer Länder zwar sehr eng und gut koordiniert gewesen sei, dass am Schluss aber jedes Land allein gewesen sei, wenn es um das Tragen der Lasten und den Einsatz von Steuergeldern gegangen sei. Hildebrand bezeichnete dies als grosses Paradox der Globalisierung.

Ungutes Gefühl wegen Umgehung des Parlaments beim UBS-Rettungspaket

Der Notenbanker lobte die Zusammenarbeit mit dem Bundesrat bei der Vorbereitung des Rettungspakets für die UBS im Herbst 2008. Es sei aber schon ein «unangenehmes Gefühl» gewesen, als er am 15. Oktober, in der Nacht vor der Bekanntgabe des 60 Milliarden Franken schweren Stützungspakets für die UBS von seinem Büro aus am Berner Bundesplatz aufs Parlamentsgebäude geblickt habe. Denn das Parlament war bei den Notrechtsmassnahmen übergangen worden. Er habe sich gesagt: «Das ist unschön, was wir hier machen.» Hildebrand ist aber nach wie vor überzeugt, dass Bundesrat, Nationalbank und Finanzmarktaufsicht wegen der Gefahr von unkontrollierten Reaktionen auf den Märkten keine andere Wahl hatten.

Ausweichend reagierte Hildebrand auf die Frage, ob gegen ihn und die Politik der Nationalbank in jüngster Zeit eine Kampagne im Gang sei. Er wolle dies nicht beurteilen, sondern halte sich an das Wort des früheren SNB-Präsidenten Fritz Leutwiler, wonach die Notenbanker nicht da sind, um populär zu sein. Der Druck auf Hildebrand und die Nationalbank hat in letzter Zeit wegen der massiven Interventionen auf dem Devisenmarkt zugenommen, aber auch wegen der klaren Worte des SNB-Präsidenten zur «Too-big-to-fail»-Problematik.

Deine Meinung