Euro-Krise: Hildebrand warnt vor starkem Franken

Aktualisiert

Euro-KriseHildebrand warnt vor starkem Franken

Wenn der Euro wie heuer schwächelt, kann sich das negativ auf die Schweiz auswirken. Die Nationalbank werde einer übermässigen Aufwertung des Franken «entschieden entgegen wirken.»

Philipp Hildebrand, SNB-Präsident, warnt vor einem starken Franken.

Philipp Hildebrand, SNB-Präsident, warnt vor einem starken Franken.

Die Sorgen um die Staatsfinanzen einzelner Euroländer sind auch für die Schweiz ein bedeutendes Risiko. Das sagte der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, an der Generalversammlung vom Freitag in Bern.

Sollte der Euro an Stabilität verlieren, würde sich dies laut Hildebrand zwangsweise negativ auf die Schweiz auswirken, vor allem wenn sich der Franken in seiner Funktion als «sicherer Hafen» stark aufwerten sollte.

Die Nationalbank will aber nicht zulassen, dass so ein «neues Deflationsrisiko» entsteht. Sie werde einer übermässigen Aufwertung des Franken «entschieden entgegen wirken», bestätigte Hildebrand die seit Monaten gültige Parole der Währungshüter an die Finanzmärkte.

Trotz der verschärften Krise Griechenlands und den Ratingherabstufungen auch für Portugal und Spanien notiert der Franken zum Euro seit einem Monat ziemlich stabil auf 1.43 Franken. Bis Dezember hatte die SNB den Kurs durch Euro-Käufe bei über 1.50 Fr. halten können.

Allerdings türmten sich in den Büchern im ersten Quartal bereits 56,4 Mrd. Euro, nach 37 Mrd. Ende 2009. Die Deviseninterventionen sollen verhindern, dass sich mit einem stärkeren Franken die Schweizer Exporte verteuern.

Risiken für Preisstabilität an beiden Enden

Für die Schweizer Konsumenten würden Ausgaben im Euroraum zwar billiger. Damit würden aber auch Importe günstiger, was zu Deflation führen könnte. Gleichzeitig muss die SNB auch gegen mögliche Inflation Gewehr bei Fuss stehen. Denn die Nationalbank hat im Zuge der Krisenbekämpfung den Banken «in grossem Masse Liquidität zur Verfügung» gestellt.

Die SNB verfüge über die notwendigen Instrumente, um bei Bedarf rasch und in grossen Mengen Liquidität abzuschöpfen, sagte Hildebrand. Die Herausforderung bestehe jedoch «in der Wahl des richtigen Zeitpunkts für eine Normalisierung der Geldpolitik», nachdem der Leitszins-Zielsatz seit März 2009 auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent liegt.

Massgebend für die Zinswende werde die Inflationsprognose der SNB sein, die derzeit allerdings mit grossen Unsicherheiten behaftet sei. Faktoren wie die Unsicherheit rund um die Konjunktur und die Lage an den Finanzmärkten würden miteinbezogen.

Obwohl der Aufschwung mit Risiken behaftet sei, rechnet die SNB für das laufende Jahr weiterhin mit einem Wachstum der Schweizer Wirtschaft um rund 1,5 Prozent.

(sda)

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