SNB- Prüfbericht: Hildebrand wurde gewarnt

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SNB- PrüfberichtHildebrand wurde gewarnt

Nach tagelangen Spekulationen über die umstrittenen Devisengeschäfte reagiert die Nationalbank. Sie legt das Reglement und den Prüfbericht der Revisionsstelle offen.

von
Balz Bruppacher
Will morgen Donnerstag selber Red und Antwort stehen: Nationalbank-Chef Philipp Hildebrand.

Will morgen Donnerstag selber Red und Antwort stehen: Nationalbank-Chef Philipp Hildebrand.

Neue belastende Informationen in einem vorab veröffentlichten Artikel der «Weltwoche» und breite Kritik an der mageren Informationspolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) lösten auf der Chefetage der Notenbank offensichtlich einen Meinungswandel aus. Im Einvernehmen mit dem Bankrat, der elfköpfigen SNB-Aufsichtsbehörde, wurde das interne Reglement über die Eigengeschäfte des dreiköpfigen Direktoriums und der drei Stellvertreter veröffentlicht.

Offengelegt wurde auch der Prüfbericht der externen Revisionsstelle der SNB, PricewaterhouseCoopers. Er kam nach Durchleuchtung der Bankgeschäfte Hildebrands und seiner Frau zum Schluss, dass dem SNB-Präsidenten kein Verstoss gegen das interne Reglement nachgewiesen werden kann, dass jedoch sicherzuststellen sei, dass es keine Wiederholung von Transaktionen durch Hildebrands Frau Kashya geben dürfe.

Kopie an den Chefjuristen

Eine erste Durchsicht des fünfseitigen Reglements und des neunseitigen Prüfberichts zeigt, dass vor allem der Dollarkauf von Kashya Hildebrand am 15. August Stirnrunzeln auslöste. Zum Kauf von 504 000 Dollar zum Kurs von 79,29 Rappen am 15. August erklären die Prüfer, diese Transaktion sei direkt von der Frau Hildebrands veranlasst worden. Und zwar in der Absicht, 50 Prozent der flüssigen Mittel in Dollar zu halten. Gemäss den vorliegenden Unterlagen habe der SNB-Präsident erst einen Tag später von diesem Deal erfahren.

Am 16. August habe Hildebrand in einem E-Mail an seinen Kundenberater bei der Bank Sarasin klargestellt, dass Devisengeschäfte künftig nur durchgeführt werden könnten, wenn der Auftrag von ihm selber komme oder wenn er einen solchen Auftrag bestätige. Hildebrand sandte laut dem Bericht eine Kopie dieses E-Mails an den Chefjuristen der Nationalbank. Dieser besprach den Sachverhalt am 7. September mit Hildebrand - das heisst, einen Tag nach der Festsetzung des Euro-Mindestkurses. Aus Sicht des Chefjuristen habe sich kein Handlungsbedarf ergeben, schreibt die Revisionsstelle. Es sei aber sicherzustellen, dass es keine Wiederholung gebe.

FIFO-Prinzip als Rettungsanker

Die Revisoren stuften diese Transaktion deshalb als heikel ein, weil sie zwei Tage vor der Ankündigung der SNB vom 17. August erfolgte, die Liquidität auf dem Franken-Geldmarkt nochmals signifikant zu erhöhen. Hildebrand habe aber mit der Information des Chefjuristen sofort die notwendige Transparenz sichergestellt. «Deshalb ist auch bei dieser Transaktion kein Missbrauch von privilegierten Transaktionen anzunehmen», heisst es im Prüfbericht.

Bei den Transaktionen spielt das sogenannte FIFO-Prinzip eine wichtige Rolle. Das heisst der Grundsatz «First in – First out». Damit begründen die Prüfer, dass der Verkauf von 516 000 Dollar am 4. Oktober für Hildebrand ein Verlustgeschäft gewesen sei. Denn es habe sich um einen Teil jener insgesamt 1,173 Millionen Dollar gehandelt, die der SNB-Präsident am 10. März 2011 zu einem leicht höheren Kurs gekauft habe. Die beiden Transaktionen stehen gemäss den Revisoren mit dem Verkauf einer Liegenschaft beziehungsweise mit dem Kauf einer neuen Liegenschaft zusammen.

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