27.03.2020 15:58

3 mit Sex

«Hilfe! Corona zwingt mich zu Skype-Sex»

Darf man sich in diesen Zeiten als Single der schönsten Sache der Welt überhaupt noch widmen? Bruce ist unsicher, findet aber eine Lösung.

von
mst
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Das Skype-Date zwischen Bruce und der schönen Julia nahm schnell eine heisse Wende.

Das Skype-Date zwischen Bruce und der schönen Julia nahm schnell eine heisse Wende.

Anna Deér
Bruce ist ein bekannter Musiker, gilt als heterosexuell. Wird auf der Strasse erkannt und empfängt Journalistinnen für Homestorys. Bruce datet öfter Männer als Frauen und muss aufpassen, dass ihn seine Groupies nicht ertappen.

Bruce ist ein bekannter Musiker, gilt als heterosexuell. Wird auf der Strasse erkannt und empfängt Journalistinnen für Homestorys. Bruce datet öfter Männer als Frauen und muss aufpassen, dass ihn seine Groupies nicht ertappen.

Anna Deér
Lars ist ein schwuler Designer aus dem Aargau. WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, in und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.

Lars ist ein schwuler Designer aus dem Aargau. WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, in und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.

Anna Deér

Meine Konzerte: abgesagt. Meine Bar: geschlossen. Mein Liebesleben: zerstört. «Bleiben Sie zu Hause», mahnt der Bundesrat im Radio. Klingt ja alles sehr vernünftig. Aber wie zum Teufel halte ich das längere Zeit aus?

Verboten ist das Daten ja nicht. Aber seit bei der Freundin meines Bandkollegen Corona diagnostiziert wurde, wollte ich das Social Distancing konsequent einhalten. Und trotzdem verlangt mein Körper nach seinem Bedürfnis. Quarantäne-Pornos mit massenhaft Desinfektionsmittel und durch Atemschutzmasken gedämpfte Stöhnlaute sind auch nicht für die Ewigkeit.

Zum ersten Mal ärgere ich mich über mein Single-Dasein. Alle, die jetzt spiessig und beschaulich zusammenleben, sind plötzlich im Vorteil. Sogar meine Freunde in Zweiwohnungsbeziehungen setzen sich frivol über die Gebote hinweg. Ungerecht!

«Wenn dich Corona noch nicht umgehauen hat, let me do it»

Eines öden Donnerstagabends entschied ich mich dazu, wie immer in moralisch unklaren Situationen, meine Dating-App zu konsultieren. «Ich war nicht in Italien, ich schwörs!» Oder: «Wenn dich Corona noch nicht umgehauen hat, let me do it»: Die «lustigen» Sprüche, die offensichtlich vor allem diejenigen in ihren Profilen posten, die nicht so viele Matches haben, ringen mir knapp ein müdes Lächeln ab.

Ich swipte weiter. «Hey! Du bist doch Bruce! Singst du jetzt auf Balkonen (smile)?» Julia hatte mich offensichtlich erkannt und versuchte, mich zu necken. «Bisher nicht. Aber ich überlegs mir», schrieb ich zurück. Julia hatte (zumindest auf den Fotos) blaue Augen und ein süsses Lächeln. Wir chatteten ein paarmal hin und her, bis ich sie fragte, ob wir uns treffen wollten. Zeit hatte ich ja zur Genüge. «Sehr gerne!», antwortete sie, «aber ich bin in Quarantäne.» «Ich irgendwie auch», schrieb ich schuldbewusst zurück. «Und ich mag kein Sexting», stellte Julia klar. Um sofort hinterherzuschieben: «Aber kennst du Skype?» Wir verabredeten uns zu einem Date. Um 20 Uhr. Vor dem Computer.

Fühlt sich an wie ein richtiges Date

Pünktlich lachte mich Julia auf meinem Bildschirm an. Ihr Lächeln war auch in echt süss – also in bewegten Bildern. Wir prosteten uns mit Bier durch den Äther zu und schon nach wenigen Minuten fühlte es sich wie ein richtiges Date an, irgendwie.

Wir flirteten, was das Zeug hielt, und nach etwa einer Stunde zog Julia ihren Pulli aus. «Es ist so heiss bei mir zu Hause», log sie. Ich streifte mir ebenfalls mein Shirt über den Kopf. Langsam zogen wir uns beide immer weiter aus und blickten dabei neckisch Richtung grünes Licht der Webcam.

«Quarantäne ist gar nicht so schlimm»

Danach begannen wir es uns selbst zu machen. Julia stöhnte laut durch den Lautsprecher des Computers und ich kam viel zu schnell. Danach war der Zauber für mich vorbei. Ich bemühte mich, artig weiterzumachen, bis auch Julia auf ihre Kosten gekommen war. Ob sie tatsächlich einen Orgasmus hatte, konnte ich über die Distanz noch schlechter beurteilen als sonst.

«Quarantäne ist gar nicht so schlimm», lachte sie. «Lass uns eine rauchen», schlug ich vor. Wir trugen uns gegenseitig auf den Balkon und verabschiedeten uns nach einer gemeinsamen Zigarette, nachdem wir uns für ein nächstes Date verabredet hatten. Ich hoffe, dass diese Zeit bald vorbei ist. Ich möchte Julia in echt sehen. Und ihr süsses Lächeln.

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