Muttertag: Hilfe für überforderte Eltern
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MuttertagHilfe für überforderte Eltern

Schule, Ernährung, Facebook: Mütter und Väter haben es nicht leicht. Der neue «Eltern Club Schweiz» hilft unter anderem mit einer nationalen 24-Stunden-Hotline in drei Sprachen.

Laut einer Studie von Pro Juventute wenden sich nur gerade sieben Prozent ratsuchender Eltern an eine Fachstelle. (Bild: colourbox.com)

Laut einer Studie von Pro Juventute wenden sich nur gerade sieben Prozent ratsuchender Eltern an eine Fachstelle. (Bild: colourbox.com)

Mit dem «Eltern Club Schweiz» ruft Pro Juventute am Muttertag ein nationales Grossprojekt für alle Eltern in der Schweiz ins Leben. Der Club bietet Informationen, Dienstleistungen und Beratungen rund ums Elternsein.

Gemäss einer von Pro Juventute in Auftrag gegebenen Eltern-Studie fühlen sich zwei Drittel der Eltern «regelmässig überfordert», wie die Stiftung am Sonntag mitteilte. Sie suchten deshalb nach «konkreter Unterstützung». Diese soll der nationale Eltern Club bieten, den die Organisation zu ihrem 100-Jahr-Jubiläum lanciert.

«Pro Juventute will mit dem Grossprojekt Eltern und Familienangehörige in ihrer Rolle unterstützen und eine schweizweite Elternbewegung initiieren», hält die Kinder- und Jugendstiftung fest. Zusammen mit der Stiftung Elternsein soll eine «politische Stimme für eine kinder-, eltern- und familienfreundliche Schweiz» ertönen.

Das Projekt wurde während zwei Jahren entwickelt. Resultat: Der Eltern Club Schweiz bietet ab sofort eine nationale 24-Stunden- Hotline in drei Sprachen, eine schweizweite Rechts- und Medizinberatung, ein Online-Elternportal oder auch eine Notfall- Nanny-Vermittlung an.

Zusammenarbeit mit der Wirtschaft

Angesprochen werden jedoch nicht nur Eltern, sondern auch Grosseltern und andere Familienmitglieder. Allerdings ist der Service nicht gratis zu haben: Der Mitgliederbeitrag im Eltern Club Schweiz beläuft sich auf 10 Franken pro Monat.

Mitfinanziert wird das Angebot von privaten Investoren aus der Wirtschaft. Die Kooperationspartner Amavita, Stöckli, VW, Fujifilm und famigros bieten Clubmitgliedern zugleich kommerzielle «Vorteile zur Entlastung des Familienbudgets».

Pro Juventute ist wegen solcher Partnerschaften mit der Wirtschaft auch schon in die Kritik geraten. In den beliebten Elternbriefen der Organisation wurde ein prominent platzierter Werbebeitrag über die Wichtigkeit von Omega-3-Fettsäuren für die Entwicklung von Kindern nicht als Werbung deklariert, obwohl er vom Pharmaunternehmen Vifor bezahlt worden war.

Die Kooperationen mit Unternehmen wurden 2010 lanciert, weil die Stiftung in finanzielle Schieflage geraten war. Partnerschaften ist Pro Juventute auch mit der Aduno Gruppe und McKinsey eingegangen. Die Aduno Gruppe, eine Spezialistin für bargeldloses Zahlen, hat zwei Lehrmittel zur Förderung der Finanzkompetenz finanziert. Und McKinsey unterstützt Pro Juventute unentgeltlich bei der Umsetzung neuer Projekte und im Projektmanagement.

Endlich schwarze Null

Wegen dieser Unternehmenspartnerschaften aber auch weil mehr Spenden flossen, konnte Pro Juventute pünktlich zum 100-Jahr- Jubiläum erstmals seit 15 Jahren ein ausgeglichenes Ergebnis präsentieren. Die schwarze Null per 31. Dezember 2011 war das erklärte Ziel, als die neue Führung 2009 einschneidende Massnahmen zur Sanierung und finanziellen Gesundung der Kinder- und Jugendorganisation einleitete.

Pro Juventute erhielt durch Spenden und Legate im vergangen Jahr 6,4 Millionen Franken (2010: 4 Millionen) und von Kooperationspartnern fast 3 Millionen Franken. Die Beiträge der öffentlichen Hand beliefen sich auf gut 1,6 Millionen. Der Briefmarkenverkauf brachte rund 4 Millionen ein. (sda)

Eltern-Studie

Die nationale Eltern-Studie von Pro Juventute zeigt, wo und wann Eltern ge- und überfordert sind. Besonders herausgefordert fühlen sich Eltern von pubertierenden Kindern. Als schwierigste Problembereiche werden die Schule, Töchter und allgemeine Probleme genannt.

Mehr als die Hälfte aller Eltern bezeichneten Erziehung und Ernährung als «Top-Herausforderungen». Genannt wurden von rund 40 Prozent die Schule und die Freizeit. 37 Prozent aller befragten Eltern werden vom Umgang mit neuen Medien herausgefordert und jede dritte Erziehungsperson durch die Kinderbetreuung.

Alleinerziehende sehen sich überdurchschnittlich oft durch die Finanzen gefordert. Nicht alleinerziehende Eltern haben häufiger Probleme bei der Erziehung und der Ernährung.

Bei der von Pro Juventute in Auftrag gegebenen Studie wurden über rund 700 Eltern unterschiedlichen Alters aus der Deutsch- und Westschweiz, aus verschiedenen Familienkonstellationen und Einkommensgruppen sowie mit unterschiedlichen Bildungshintergründen online befragt. Zudem nahmen 120 Grosseltern an der Befragung teil.

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