10.07.2015 08:39

Doktor Sex

«Hilfe, ich leide an einem Pickelwahn!»

Sieht Dirk einen Mitesser, muss er ihn sofort ausdrücken. Ist dies nicht möglich, schiebt er die totale Krise. Langsam wird das Ganze zum Beziehungsproblem.

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Manche Menschen geraten beim Ausdrücken von Pickeln nahezu in Ekstase. (Symbolbild: Colourbox.de)

Manche Menschen geraten beim Ausdrücken von Pickeln nahezu in Ekstase. (Symbolbild: Colourbox.de)

Frage von Dirk (34) an Doktor Sex: Ich lebe in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung. Wir haben zwar ab und zu Konflikte, aber die können wir ausdiskutieren und finden Lösungen. Danach läuft es wieder super, ohne dass einer von uns bei dem anderen etwas nachtragen oder Groll hegen würde. Mein Problem ist Folgendes: Immer wenn ich einen Pickel sehe, muss ich ihn sofort ausdrücken – egal, ob bei mir oder bei meinem Freund. Wenn es nicht möglich ist, könnte ich ausrasten. Streichle ich seinen Rücken, suche ich automatisch nach Verhärtungen und Erhebungen. Sobald ich eine spüre, muss ich mich extrem zusammenreissen, um nicht einfach kurz und kräftig zu kratzen. Da ich von meinem Freund kaum je die Erlaubnis kriege, seine Pickel fachgerecht – also mit Desinfektion und sauber gewaschenen Händen – zu beseitigen, kratze ich dann oft einfach ohne ihn zu fragen. Die darauffolgende Szene ist an Dramatik kaum zu überbieten und man könnte meinen, ich hätte ihn betrogen. Nach dem letzten solchen Vorfall fragte ich ihn, wie wir das in Zukunft handhaben wollen und ob er vielleicht einen Vorschlag habe, mit dem wir beide leben könnten. Für ihn ist seine Abneigung gegen die zu erwartenden Schmerzen wichtiger als meine Verzweiflung. Für mich ist es gerade umgekehrt: Mein psychisches Leiden ist unerträglich und nicht zu vergleichen mit dem bisschen Schmerz, welcher das Ausdrücken des Pickels verursacht. Manchmal bin ich so genervt und besessen, dass ich wütend einschlafe und auch wieder so aufwache. Was können wir tun? Gibt es einen für beide angemessenen Kompromiss?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Dirk

Das von dir beschriebene Verhalten und die emotionalen Reaktionen, die bei dir im Falle einer Zurückweisung auftreten, legen den Schluss nahe, dass du in bestimmten Situationen nur bedingt Herr deiner Handlungen bist. Der eine oder andere Psychiater wäre daher wohl durchaus geneigt, hier von einem Zwang zu sprechen und dir eine Verhaltenstherapie zu verordnen. Eine solche Pathologisierung fände ich zwar etwas übertrieben, aber trotzdem: Was den Umgang mit Hautunreinheiten und Pickeln angeht, scheinst du ein rechter Freak zu sein.

Die Reaktion deines Partners auf die ständigen Grenzüberschreitungen ist verständlich. Und dass sie derart dramatisch ausfällt, scheint mir stimmig zu sein. Sein überzeichneter und emotionaler Ausbruch passt nämlich bestens zu deinem schrägen und genauso spannungsgeladenen Umgang mit Pickeln und Pusteln. Möglicherweise ist es sogar die einzige Sprache, die du in diesem Zusammenhang verstehst. Wenn du mich fragst: Als Paar scheint ihr bestens zusammenzupassen!

Selbstverständlich gibt es auch für diese Situation einen Kompromiss. Ihn zu finden, dürfte im Rahmen eines von der Vernunft geleiteten Gesprächs rasch möglich sein. Falls nicht wäre der Gang zum Psychiater wohl doch eine erwägenswerte Alternative. Weiterhin viel Spass im Leben!

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