Familiendrama in Niederlenz AG: «Hilfe, mein Mann hat mein Kind umgebracht»
Aktualisiert

Familiendrama in Niederlenz AG«Hilfe, mein Mann hat mein Kind umgebracht»

Ein vierjähriges Mädchen ist in der Nacht auf Montag in Niederlenz AG getötet worden. Ein Nachbar berichtet, wie die verzweifelte Mutter aus dem Haus rannte.

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ann/lüs
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In diesem Haus wurde ein vierjähriges Mädchen erstochen. Im Garten steht das Spielhaus und die Rutschbahn des getöteten Kindes.

In diesem Haus wurde ein vierjähriges Mädchen erstochen. Im Garten steht das Spielhaus und die Rutschbahn des getöteten Kindes.

20 Minuten/Annette Hirschberg
Ein Rettungswagen fährt in der Nacht auf den 2. Februar zum Tatort.

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Newspictures
Nach ersten Erkenntnissen wies das Kind Stichverletzungen auf.

Nach ersten Erkenntnissen wies das Kind Stichverletzungen auf.

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Die vierjährige R. wurde in der Nacht auf Montag in Niederlenz AG erstochen. Laut der Polizei sind die Tatumstände noch unklar. Miran Karadaghi (23) wohnt schräg gegenüber dem Haus, in dem sich das Drama ereignete. Er sagt zu 20 Minuten: «Ich war am Fernsehen, als meine Schwester plötzlich Schreie hörte. Als wir draussen nachsahen, sahen wir meine Nachbarin aus dem Haus rennen. ‹Hilfe, Hilfe, mein Mann hat mein Kind umgebracht›, rief sie.»

Danach sei die Frau zusammengebrochen. Sie habe eine blutende Wunde am Kopf gehabt, sei sonst aber unverletzt gewesen. Später sah Karadaghi, wie der Ehemann Franco G.*, von den Rettungskräften aus dem Haus getragen wurde: «In seinem Bauch steckten zwei grosse Messer.»

«Ein liebevoller Vater»

Dass Franco G. sein Kind getötet haben könnte, macht die Nachbarn fassungslos: «Er schien ein liebevoller Vater zu sein und brachte seine Tochter am Morgen regelmässig in den Kindergarten», sagt Karadaghi. Die Familie, deren einziges Kind die Vierjährige war, habe zurückgezogen gelebt. «Wir veranstalten in unserer Nachbarschaft gelegentlich Grillfeste, doch sie nahmen nie daran teil.»

Wie verschiedene Nachbarn gegenüber 20 Minuten bestätigen, lebte die Familie sehr zurückgezogen. Mutter und Vater gaben sich gegenüber anderen Anwohnern zugeknöpft. Die Familie hatte einen Zaun um ihr Grundstück gezogen, die Rollläden waren die meiste Zeit unten. Eine Nachbarin fand es komisch, dass das Mädchen nie mit anderen Kindern spielte – auch nicht mit Nachbarskindern.

Die Anwohnerin vermutet, dass Franco G. nicht erwerbstätig war. Er sei am Stock gegangen, hätte Bandagen um die Knie getragen, sei den ganzen Tag im Haus gewesen und hätte auf das Kind aufgepasst. Die Mutter habe zu 100 Prozent gearbeitet. Sie soll im IT-Bereich bei einer Zürcher Firma angestellt sein.

Jede Hilfe kam zu spät

Der Alarm war am Sonntag um 21.30 Uhr bei der Polizei eingegangen: Anwohner der Böllistrasse in Niederlenz AG hätten die Einsatzzentrale verständigt, teilt die Kantonspolizei Aargau mit. In einem Doppeleinfamilienhaus seien die ausgerückten Rettungskräfte auf eine leicht verletzte 43-jährige Frau und ihren schwerverletzten Ehemann (44) getroffen. Für ihr vierjähriges Mädchen kam jede Hilfe zu spät – es war bereits vor dem Eintreffen der Retter verstorben.

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei wies das Mädchen Stichverletzungen auf. Die genauen Tatumstände und das Motiv untersucht die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aargau. Die Schweizer Familie war laut der Kantonspolizei Aargau in der Vergangenheit nicht aufgefallen.

Eltern liegen im Spital

Die Polizei geht derzeit von einem Familiendrama aus:

Es werde nicht nach Drittpersonen gefahndet, sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kapo Aargau, auf Anfrage – man könne die Tat relativ sicher auf die Familie eingrenzen. Der Vater und die Mutter befänden sich in Spitalpflege.

* Name geändert (ann/lüs/sda)

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