Aktualisiert 25.09.2014 07:50

Goldach SG

«Hilfe, unser Haus geht baden!»

In Goldach SG droht ein Haus bald den Hang hinunter in den Fluss zu rutschen. Die Eigentümer sind besorgt, doch die Behörden fühlen sich nicht verantwortlich.

von
qll

«Natürlich machen wir uns Sorgen. Es kann jederzeit passieren, dass unser Haus baden geht», sagt Bruno Seiler. «Wir sind alle von der Gemeinde enttäuscht. Sie hat ihre gesetzliche Pflicht der Ufersicherung nicht erfüllt.» Zudem hat die Gemeinde das Grundstück vor Jahren eingezont und Erschliessungsgebühren kassiert. Für Seiler und die anderen Bewohner des Mehrfamilienhauses ist der Traum vom eigenen Haus oder besser gesagt vom eigenen Stockwerk zum Albtraum geworden.

Seit dem Hochwasser im Jahre 2002 ist der Hang vor dem Haus instabil. Der Fluss Goldach machte früher eine Kurve nach Westen, neu eine Kurve nach Osten. Zwar sollte eine Verbauung das Ufer und somit den Hang stabilisieren, jedoch verhindert diese Konstruktion weder Erosion noch die Materialausspülung. Indessen zeigen Messungen, dass das Haus im Moment noch stabil, aber der Hang weiterhin mit bis zu einem Zentimeter pro Monat in Bewegung ist. Die Auswirkungen dieser Bewegung sind an einer Ecke des Wohnhauses und im Haus deutlich sichtbar: Risse ziehen sich durch Böden und Wände, einer der Sitzplätze ist abgesackt und der angrenzende Hang hinunter zum Fluss ist grossflächig abgerutscht.

Hangrutsch löst Kontroverse aus

Zwar ist die Goldach ein Gemeindegewässer, doch wie weit der Uferschutz geht, ist strittig. «Wir meinen, dass der Bach nicht an der Rutschung schuld ist, sondern dass sie durch die Gleitschicht im Hang verursacht wird», so Thomas Würth, Gemeindepräsident von Goldach, gegenüber dem «Beobachter». «Deshalb kann nicht der Steuerzahler für die Sanierung des privaten Hangs aufkommen.»

Der von der Hauseigentümern beauftragte Geologe Ruedi Rüegger sieht die Ursache für den Hangrutsch aber ganz woanders: «Die Rutschung geht vom instabilen Bachufer aus.» Im geologischen Gutachten hält er zudem fest: «Es besteht Handlungsbedarf, da sonst zunehmend gravierendere Schäden an der Liegenschaft zu erwarten sind.»

Vor sieben Jahren hatte die Gemeinde am Goldach-Ufer eine Holzverstrebung eingebaut, doch diese vermag den Hang offensichtlich nicht zu stützen. Schon 2009 hatte ein Hausbewohner die Gemeinde schriftlich darauf aufmerksam gemacht, dass die Verbauung nicht genüge.

Ganz wohl bei der Sache ist der Gemeinde offenbar auch nicht: Zurzeit lässt sie die hölzerne Uferverbauung mit massiven Steinen verstärken. Damit will man die Flusssohle stabilisieren, die sich in den letzten Jahren deutlich abgesenkt hat.

Hohe Kosten

Es würde rund 600'000 Franken kosten, den oberen Teil des Hangs zu sichern - Geld, dass die Stockwerkeigentümer nicht haben. Sie haben bisher rund 120'000 Franken für Bauarbeiten, wie die Verbesserung der Fundamente und die Erneuerung des Sitzplatzes an der Nord-West-Ecke des Hauses, Gutachten, Messungen und Rechtsanwälte ausgegeben. Zwar hat die kantonale Gebäudeversicherung eingelenkt und bietet den Bewohnern an, 35 Prozent der Kosten von rund 600'000 Franken zu übernehmen - das reicht ihnen jedoch nicht. Hinzu kommt, dass diese Sicherung nur etwas bringen würde, wenn unten das Ufer der Goldach stabil bleibt.

Für die Hausbesitzer ist klar: «Die Gemeinde hat ihre Pflicht der Ufersicherung nicht erfüllt. Deshalb sind wir auch nicht bereit alle Schäden zu tragen.» Spätestens mit der Baubewilligung sei der Gemeinde die Aufgabe zugefallen, dafür zu sorgen, dass die Goldach und der Rutsch-Hang das Haus nicht gefährden.

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