«Time-out»: Hilflose Helfer und das Warten auf Godot
Aktualisiert

«Time-out»Hilflose Helfer und das Warten auf Godot

Den Kloten Flyers bleibt trotz aller Bemühungen der Sanierer nur noch eine Hoffnung: Die Rettung in letzter Sekunde durch einen Investor, der sofort mehrere Millionen zahlen kann.

von
Klaus Zaugg

Können die Kloten Flyers doch noch gerettet werden? Jetzt, da die Zahlen endlich offiziell bekannt sind, ist erst eines klar: Peter Bossert und seine rührigen Sanierer sind mit dieser Rettungsaktion heillos überfordert. Das Sommertheater der Kloten Flyers, dieses wochenlange vergebliche Warten auf den grossen, rettenden Investor, mahnt an den Theater-Klassiker «Warten auf Godot» (bzw. den Investor). Das Stück von Samuel Beckett passt wunderbar zur tragikomischen Situation der Kloten Flyers.

Die Hauptfiguren sind die beiden Landstreicher Estragon und Wladimir. Die beiden Herren verbringen ihre Zeit damit, auf eine Person namens Godot zu warten. Am Ende eines jeden Aktes in diesem Theater erscheint ein Junge, der verkündet, dass sich Godots Ankunft weiter verzögert. Spätestens dann keimen bei den Wartenden Zweifel auf, doch können sie sich trotzdem nicht mehr aus der Situation befreien. Dies drückt sich im Theaterstück in einem mehrfach wiederkehrenden Dialog aus:

Estragon: «Komm, wir gehen.» - Wladimir: «Wir können nicht.» - Estragon: «Warum nicht?» - Wladimir: «Wir warten auf Godot.» - Estragon: «Ach so.»

Das Warten bei den Flyers

Und so wie Estragon und Wladimir auf Godot warten und nicht anders können, so warten Peter Bossert und seine hilflosen Sanierer immer noch auf den rettenden Geldgeber, weil auch sie nicht mehr anders können.

Godot erscheint im Theaterstück bis zuletzt nicht. Das Warten auf ihn ist vergeblich und macht die Beteiligten zu Witzfiguren. Aber so muss es im grossen Klotener Hockeytheater nicht enden. Vielleicht kommt doch noch ein Investor. Aber ein Investor muss kommen.

Der Finanzbedarf ist enorm: Die Kloten Flyers sind ein Hockeyunternehmen, das letzte Saison 15 Millionen umgesetzt hat und jetzt für die Verhinderung des Konkurses zusätzliche 7 Millionen benötigt. Das bedeutet, dass bis zum Ende der nächsten Saison in Kloten für den Betrieb eines NLA-Unternehmens insgesamt über 20 Millionen ins Hockeybusiness fliessen müssen.

Hilflose Helfer

Dieser enorme Finanzbedarf ist nur die eine Seite des Problems. Was fast ebenso schwer wiegt: Inzwischen zeichnet sich ab, dass die rührigen Sanierer um Peter Bossert auch nicht dazu in der Lage sind, die Kloten Flyers mit einem harten Aufwand- bzw. Salärschnitt zu reorganisieren und für die Zukunft fit zu machen.

Die Sanierer um Peter Bossert sind hilflose Helfer. Sie mahnen an eine Männergruppe mit halbvollen Giesskannen vor einem Haus im Vollbrand. Die Notruf-Nummer der Feuerwehr weiss keiner – aber alle vertrauen auf Brandbekämpfung durch die starken Regenfälle, die der Wetterbericht angekündigt hat.

Nur Godot kann helfen

Sammelaktionen, Zahlungsversprechen und Hilferufe nützen nichts mehr. Den Kloten Flyers bleibt nur noch die Rettung in letzter Sekunde durch Godot. Durch einen Investor, der mehrere Millionen hinblättert und ohne Sentimentalitäten das Hockeyunternehmen Kloten Flyers nach marktwirtschaftlichen Gesetzen und nicht nach emotionalen Bedürfnissen reorganisiert. Neben Investoren braucht es auch – wie damals beim SCB mit Marc Lüthi – einen neuen, fähigen Manager.

Es fällt schwer zu glauben, dass im Zürcher Unterland, in einer der reichsten Gegenden der Welt, nicht doch noch ein solcher Investor gefunden wird. Es wäre ja nicht einmal Sportsponsoring. Es wäre die Rettung eines Kulturgutes, dessen Bedeutung weit über Brot und Spiele hinaus reicht.

Es bleibt nur noch wenig Zeit. Kommt Godot im Juni nicht, dann ist es vorbei.

Deine Meinung