Solidar Suisse: Hilfswerk fordert Fair-Trade-Label für Spielzeug
Aktualisiert

Solidar SuisseHilfswerk fordert Fair-Trade-Label für Spielzeug

Mit einem Fair-Trade-Label möchte Solidar Suisse gegen schlechte Arbeitsbedingungen bei der Produktion von Spielzeug vorgehen. Der Spielwarenverband hält dies für die falsche Lösung.

von
F. Lindegger

Spielwaren werden auch in diesem Jahr wieder zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken gehören. Wobei der grösste Teil dieser Spielsachen in China produziert wird. Laut dem Dachverband Handel Schweiz stammen rund 70 Prozent der Schweizer Spielwaren aus China.

Wenig Grund zur Freude haben laut Solidar Suisse jene, die in China die Spielwaren herstellen. Das Hilfswerk kritisiert die dortigen Arbeitsbedingungen mit Verweis auf einen neuen Bericht der NGO China Labor Watch (CLW) als menschenunwürdig: «Angestellte müssen in exzessivem Ausmass Überstunden leisten, damit der Lohn zum Leben reicht», sagt Simone Wasmann von Solidar Suisse zu 20 Minuten. Oft würden Angestellte während elf Stunden am Tag an sechs Tagen pro Woche arbeiten, um über die Runden zu kommen. Und: «Bei der Produktion von Spielwaren gibt es Arbeitsschritte, in denen gefährliche Stoffe wie Lösungsmittel eingesetzt werden. Die Arbeiter sind aber meist zu wenig gut informiert, um damit sicher umgehen zu können», erklärt Wasmann einen weiteren Kritikpunkt.

Kennzeichnung für faires Spielzeug

Deshalb lanciert Solidar Suisse nun die Kampagne «Fair Toys». Darin fordert das Hilfswerk die grossen Spielzeugmarken auf, die Verantwortung für die gesamte Lieferkette zu übernehmen und faire Arbeitsbedingungen zu garantieren. Fair produzierte Spielzeuge sollen speziell gekennzeichnet werden. «Leider gibt es heute noch kein Fair-Trade-Label für Spielwaren», sagt Wasmann. Und bisher gäbe es auch keine zuverlässige Quelle, die fair produziertes Spielzeug auflistet. Laut einer repräsentativen Umfrage, die Solidar Suisse in Auftrag gab, seien rund 80 Prozent der Schweizer Konsumenten bereit, für Spielwaren mit einem Fair-Trade-Label mehr zu bezahlen.

Beim Schweizerischen Spielwarenverband hält man ein Fair-Trade-Label für Spielwaren für die falsche Lösung. «Wir sind der Meinung, dass sämtliche Spielwaren, die in der Schweiz verkauft werden, auf faire Weise hergestellt werden sollten. Ein Fair-Trade-Label würde implizieren, dass alle Spielwaren ohne solches Label nicht fair hergestellt werden», erklärt Sandro Küng vom Schweizerischen Spielwarenverband.

Fabriken werden kontrolliert

«Der Bericht von CLW stützt sich auf Aussagen von einzelnen Angestellten.» Diese zu überprüfen, sei oft schwierig. Zudem ist das Geschäft mit Spielwaren laut Küng ein saisonales: «Der grösste Teil wird für die Weihnachtszeit produziert. Viele Wanderarbeiter strömen jeweils in die Industriestädte und wollen in kurzer Zeit möglichst viel Geld verdienen.»

«Die Fabriken sollten durch den ICTI-CARE-Prozess des Weltverbands der Spielwarenindustrie kontrolliert werden», sagt Küng. Bei diesem Prozess würden die Arbeitsbedingungen in den Fabriken von unabhängiger Stelle überprüft. «Wenn wir Kenntnisse von Verstössen in Fabriken haben, dann handeln wir entsprechend», so Küng. Zwar begrüsst Solidar Suisse den ICTI-CARE-Prozess, kritisiert aber etwa die fehlende Transparenz. «Der ICTI-Care Prozess müsste auch für NGOs geöffnet werden, so dass auch die «Kontrolle kontrolliert» werden kann», erklärt Wasmann.

ICTI-CARE-Prozess

Der Weltverbands der Spielwarenindustrie (ICTI) hat vor einigen Jahren den ICTI-CARE-Prozess lanciert. Dieses Programm soll faire Arbeitsbedingungen in der Spielwarenindustrie sicherstellen. Der ICTI-CARE-Prozess sieht unter anderem unabhängige Kontrollen der Fabriken vor. Laut Angaben des ICTI sind zurzeit mehr als 1100 Fabriken in zwölf Länder zertifiziert. (lin)

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