Messung am Handgelenk: Hilft die Apple Watch gegen Corona?
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Messung am HandgelenkHilft die Apple Watch gegen Corona?

Das neuste Apple-Gadget kann die Sauerstoffsättigung im Blut des Trägers messen. Ob dieser Wert auf eine mögliche Corona-Erkrankung hinweist und eine Frühwarnung abgeben kann, weiss eine Expertin.

von
Dominique Zeier
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Neu kann die Apple Watch die Sauerstoffsättigung des Bluts messen.

Neu kann die Apple Watch die Sauerstoffsättigung des Bluts messen.

Apple
Dies dauert nur 15 Sekunden.

Dies dauert nur 15 Sekunden.

Apple
Es funktioniert mittels Sensoren auf der Rückseite der Uhr.

Es funktioniert mittels Sensoren auf der Rückseite der Uhr.

Apple

Darum gehts

  • Die Apple Watch hat ein neues Feature.
  • Neu kann sie die Sauerstoffsättigung im Blut des Trägers messen.
  • Online wird diese Funktion gehypt, da ein Mangel an Blutsauerstoff ein möglicher Hinweis auf eine Corona-Erkrankung darstellen kann.
  • Eine Pneumologin erklärt, was wirklich dahintersteckt.

Beim diesjährigen Herbst-Event von Apple wurde unter anderem die neue Apple Watch vorgestellt. Ein Feature der Uhr, das auch nach der Präsentation noch für Aufregung sorgte, ist die Messung des Sauerstoffgehalts im Blut. So soll die Apple Watch innerhalb von nur 15 Sekunden messen können, wie es um den Blutsauerstoff des Trägers steht. Grosse Aufmerksamkeit hat dieses Detail auf verschiedensten Social-Media-Seiten insbesondere deshalb bekommen, weil der Sauerstoffgehalt im Blut ein Hinweis auf eine mögliche Corona-Erkrankung sein kann. «So kann man endlich früh erkennen, ob man an Corona erkrankt ist!», heisst es beispielsweise auf Twitter. Aber stimmt das auch wirklich?

Normalerweise wird die Sauerstoffsättigung im Blut mit einem sogenannten Pulsoximeter an der Fingerspitze gemessen. Der gemessene Wert gibt an, wie viel Hämoglobin mit Sauerstoff beladen ist, um den Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Tiefe Blutsauerstoff-Werte können bei schweren Fällen von Covid-19 auftreten, da eine Covid-19-Lungenentzündung dem Patienten erschwert, Sauerstoff über die Lunge aufzunehmen.

«Die Apple Watch ist ein Lifestyle-Device»

Ein geringer Blutsauerstoff-Wert kann ausserdem auf andere Ursachen wie beispielsweise eine schwere Grippe oder Herzerkrankungen zurückgeführt werden. Daher könnte das Monitoring dieser Levels mit der Apple Watch dabei helfen, unbekannte Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen, heisst es.

Kann die Apple Watch aber tatsächlich dabei helfen, eine Ansteckung mit dem Coronavirus im Anfangsstadium zu erkennen? Sabina Guler, Oberärztin an der Universitätsklinik für Pneumologie in Bern, weist darauf hin, dass es sich bei der Apple Watch um ein Lifestyle-Device und nicht etwa um ein medizinisches Gerät handelt. «In der Schweiz gelten strikte Regeln, was medizinisches Equipment angeht. Alle Geräte, die aussagekräftige Messungen durchführen können, müssen CE-zertifiziert sein.»

Sabina Guler ist Oberärztin an der Universitätsklinik für Pneumologie in Bern.

Sabina Guler ist Oberärztin an der Universitätsklinik für Pneumologie in Bern.

Inselspital Bern

Weniger genau

Das Problem bei der von der Apple Watch benutzen Technologie sei hauptsächlich die Ungenauigkeit der Messung. «Wenn der Blutsauerstoffgehalt gemessen wird, sendet man normalerweise rotes und infrarotes Licht durch den Finger hindurch. Am Handgelenk ist dies nicht möglich, weshalb die Strahlen reflektiert und an das Gerät zurückgesendet werden müssen. Dies kann durch verschiedenste äussere Einflüsse wie zum Beispiel Umgebungslicht verfälscht werden und ist daher weniger genau», so Guler.

Wie misst die Apple Watch den Blutsauerstoffgehalt?

Der Sensor für die Messung des Sauerstoffgehalts im Blut ist bei der Apple Watch direkt auf der Rückseite eingebaut. Er besteht aus einer Mischung aus roten, grünen und Infrarot-Lichtern und vier Fotodioden. Das sind kleine Geräte, die Licht in elektronischen Strom umwandeln. Die Lichter beleuchten schliesslich die Blutbahnen im Handgelenk und die Fotodioden messen, wie viel dieses Lichts zurückreflektiert wird. Je nach Sauerstoffgehalt des Bluts wird das rote und infrarote Licht unterschiedlich stark reflektiert. Die Watch kann diese Information interpretieren und einen Wert für den Blutsauerstoffgehalt ausgeben.

Ausserdem sei der Blutsauerstoffgehalt nur bei Patienten mit einem schweren Verlauf von Covid-19 beeinträchtigt. Die meisten Erkrankten würden also gar keine Veränderung bei solchen Messungen feststellen können. Zur Früherkennung den Blutsauerstoffgehalt zu messen, macht laut Guler also keinen Sinn.

«Wenn sich jemand ganz gesund fühlt und die Sauerstoffsättigung fällt, dann liegt das wohl eher an einem Messfehler», so die Ärztin. «Aber für jemanden, der bereits krank im Bett liegt und der Sauerstoffgehalt tief ist, könnte dies durchaus ein Warnzeichen darstellen.» Mit Geräten wie der Apple Watch oder anderen Fitness-Trackern, die ebenfalls den Blutsauerstoff messen, könne man sich aber auch leicht in falscher Sicherheit wiegen oder in Panik geraten, weil eine Messung vom Normalwert abweicht. «Im Zweifelsfall sollte man immer auf die Messung mit einem medizinisch zertifizierten Gerät zurückgreifen.»

Weitere Studien

Ausserdem können unterschiedlichste Faktoren das Ablesen des Blutsauerstoffgehalts beeinflussen. So könnten Menschen, die Tattoos am Handgelenk haben, falsche Resultate ausgespielt bekommen. Darüber hinaus ist die Menge an Blut, die durch die Blutbahnen fliesst, von Person zu Person unterschiedlich. Auch dies kann ein korrektes Ablesen der Watch erschweren. Ausserdem muss die Messung durchgeführt werden, wenn der Arm nicht bewegt und in horizontaler Lage ruhig gehalten wird. Die Finger sollten dabei entspannt werden. Laut Apple kann die Messung fehlerhaft sein, wenn der Arm an der Seite herunterhängt oder die Hand eine Faust formt.

Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass die Messung von Blutsauerstoff am Handgelenk schwieriger wird, je tiefer der Wert fällt. Daher stellt auch Apple klar, dass es sich bei der Apple Watch hauptsächlich um einen Wellness-Tracker und keinen Gesundheitsmesser handelt. Apple will nun erst einmal Daten sammeln und Studien durchführen, die mehr Aufschluss über die Genauigkeit und Wirksamkeit dieser Messmethoden geben sollen.

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