Phytonährstoffe Selbstversuch - Hilft mir diese Pflanzenkur für 2900 Franken, langsamer zu altern?
So sieht die personalisierte Kur aus sekundären Pflanzenstoffen aus, die ich sechs Monate zu mir nehme.

So sieht die personalisierte Kur aus sekundären Pflanzenstoffen aus, die ich sechs Monate zu mir nehme.

Gloria Karthan
Publiziert

Selbstversuch mit GentestHilft mir diese Pflanzenkur für 2900 Franken, langsamer zu altern?

Ein Gentest und sekundäre Pflanzenstoffe sollen das biologische Alter senken können, sagt eine Schweizer Firma. Lifestyle-Redaktionsleiterin Gloria durfte die Kur exklusiv testen.

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Gloria Karthan

In verschiedenen Orten auf der Welt – wie Okinawa in Japan, Acciaroli in Italien oder in den Hochlandregionen in Peru – leben die Menschen viel länger als der Durchschnitt. Bewohnerinnen und Bewohner in diesen sogenannten Blauen Zonen legen Wert auf Familie und Gemeinschaft, rauchen nicht, sind ständig (moderat) aktiv und setzen auf eine pflanzenbasierte Ernährung mit vielen Hülsenfrüchten. Ihre lange Gesundheit verdanken sie laut Expertinnen und Experten auch den pflanzlichen Phytonährstoffen, die sich in diesen Regionen befinden.

Was sind Phytonährstoffe?

Phytonährstoffe, auch sekundäre Pflanzenstoffe genannt, sind in Pflanzen natürlich auftretende Chemikalien. Sie schützen diese vor Bakterien, Pilzen oder anderen Bedrohungen und locken Insekten an und sollen auch für Menschen gesundheits­fördernde Eigenschaften haben.

Die Forschenden von Bluezones Elements sind der Meinung, dass man über sekundäre Pflanzenstoffe Einfluss auf Körperfunktionen nehmen kann. Es gibt über 30’000 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe mit unterschiedlichsten Wirkungen – sehr bekannt sind etwa Chlorophyll, Cannabidiol (CBD) oder Carotinoide.

Nach über 15 Jahren Forschung will nun ein Team aus der Schweiz, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Universität Wien, herausgefunden haben, dass man auch länger und gesünder leben kann, wenn man nicht in einer der Blauen Zonen lebt. Wie das klappen soll? Mit einer DNA-Analyse und einer darauf abgestimmten Kur mit sekundären Pflanzenstoffen aus ebensolchen Gebieten. Wer regelmässig eine sechsmonatige Kur macht, soll Bereiche wie Anti-Aging, Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer sowie andere Alterskrankheiten positiv beeinflussen können.

Das Konzept der Blauen Zonen hat US-Autor und Entdecker Dan Buettner erstmals 2005 in «National Geographic» vorgestellt. Hier zu sehen ist Okinawa in Japan.

Das Konzept der Blauen Zonen hat US-Autor und Entdecker Dan Buettner erstmals 2005 in «National Geographic» vorgestellt. Hier zu sehen ist Okinawa in Japan.

Unsplash/Ryo Yoshitake
Die griechische Insel Ikaria gehört ebenfalls zu den Blue Zones. Hier gibt es die meisten 90-Jährigen auf der Welt – fast jede dritte Person schafft es, so alt zu werden. Ausserdem haben die Menschen hier laut Studien rund eine rund 20 Prozent niedrigere Krebsrate, 50 Prozent niedrigere Raten von Herzerkrankungen und fast keine Demenz.

Die griechische Insel Ikaria gehört ebenfalls zu den Blue Zones. Hier gibt es die meisten 90-Jährigen auf der Welt – fast jede dritte Person schafft es, so alt zu werden. Ausserdem haben die Menschen hier laut Studien rund eine rund 20 Prozent niedrigere Krebsrate, 50 Prozent niedrigere Raten von Herzerkrankungen und fast keine Demenz.

Unsplash/Christian Burri
Aber auch im kleinen Dorf Acciaroli in Italien sollen Menschen länger und gesünder altern als anderswo.

Aber auch im kleinen Dorf Acciaroli in Italien sollen Menschen länger und gesünder altern als anderswo.

Getty Images/iStockphoto

Definitiv einen Versuch wert – vorausgesetzt, man hat das Budget dafür: Weil jahrelange Forschung drin steckt und man von einem Arzt oder einer Ärztin betreut wird, kostet die Kur, die man alle paar Jahre machen sollte, rund 2900 Franken. «Viele unserer Kundinnen und Kunden stammen aus Saudi Arabien», erzählt mir Bluezones-Elements-Gründer Jürg Daniel Schmid, als ich ihn in Zürich treffe. Seit vielen Jahren beschäftigt sich der Schweizer mit dem Thema Alter und forscht gemeinsam mit Teams auf der ganzen Welt, wie man die Zellalterung auf natürliche Weise verlangsamen kann und entwickelt Gesundheitskonzepte und Produkte, die auf epigenetischen Daten aufbauen.

Was ist Epigenetik?

Epigenetik ist ein noch junger Teilbereich der Genetik und befasst sich mit Faktoren, die sich auf unsere Gene auswirken können. Sie besagt, dass nicht nur die Gene uns, sondern umgekehrt auch die Ernährung und der Lebensstil unsere Gene steuern.

Auch die Analyse von Bluezones Elements baut auf Epigenetik auf: Es wird gemessen, inwiefern Einflüsse wie Umwelt, Stress und Ernährung den Bauplan und die Aktivität der Gene beeinflusst haben.

Mit einer Blut- und Speichelprobe fängt alles an

Das Produkt, das ich exklusiv testen darf, nennt sich Bluezones Elements, kommt in Form von Tabletten oder Shots daher und wird sechs Monate lang eingenommen. Das Ziel: die eigenen Gene zu reaktivieren, um veranlagten Erkrankungen vorzubeugen und den Alterungsprozess zu verlangsamen. Die Präparate sind personalisiert – und zwar so richtig: Denn die Kur stützt sich nicht nur auf einen Fragebogen, in dem es um Themen wie Sport, Ernährung oder Vorerkrankungen geht, sondern auch auf meine Gene.

Mit diesem Testkit nehme ich Proben meines Bluts und meiner Mundschleimhaut und schicke sie dem Forschungsteam in Österreich.

Mit diesem Testkit nehme ich Proben meines Bluts und meiner Mundschleimhaut und schicke sie dem Forschungsteam in Österreich.

Gloria Karthan

Mit einem kleinen Piks nehme ich mir Blut am Finger ab, führe mit einem langen Plastikstäbli eine Speichelprobe durch und schicke beides mit dem Fragebogen an die Universität Wien zu Dr. Berit Hippe und ihrem Team. Nach der Auswertung werden dort die Präparate hergestellt und an mich verschickt. In meiner persönlichen Kur enthalten: Speziell klingende Pflanzenstoffe wie Quercetin aus Zwiebeln, Apigenin aus Grapefuit oder Oleuropein aus Olivenblätter-Pulver.

Mein biologisches Alter? Themawechsel, bitte

Vor der Einnahme bespricht Dr. Hippe, Expertin für Ernährungswissenschaft und meine begleitende Ärztin, mit mir meine Ausgangslage. Für eine Frau unter 30 könnte diese besser sein: Ich mache kaum Sport, esse zwar immerhin vegetarisch, aber dafür ziemlich ungesund und bin viel unterwegs. «Ihre Telomerlänge ist kürzer als das normalerweise bei einer Frau in Ihrem Alter der Fall ist», sagt sie. Huch – das klingt nicht gut. Aber was heisst das genau?

Dr. Hippe erläutert: «Telomere befinden sich am Ende der Chromosomen und sind für die Stabilität der DNA verantwortlich. Wenn wir älter werden, verkürzen sie sich.» Die Analyse des Forschungsteams zeigt: Meine Telomere sind jetzt schon so kurz wie die einer 35-jährigen Frau. Mein biologisches und mein chronologisches Alter klaffen hier also ganze sieben Jahre auseinander. Autsch.

Meine Gene werden auch auf Variationen untersucht, die mit dem Stoffwechsel, Essverhalten und Co. zusammenhängen. «Menschen mit ihren Genvarianten haben häufiger Heisshunger-Attacken und ihre Hunger-Sättigungsregulation kann gestört sein», sagt Dr. Hippe. Das dunkelrote Snacking-Problem, das die Analyse anzeigt, kann ich aus meinem Alltag bestätigen.

Meine Gene werden auch auf Variationen untersucht, die mit dem Stoffwechsel, Essverhalten und Co. zusammenhängen. «Menschen mit ihren Genvarianten haben häufiger Heisshunger-Attacken und ihre Hunger-Sättigungsregulation kann gestört sein», sagt Dr. Hippe. Das dunkelrote Snacking-Problem, das die Analyse anzeigt, kann ich aus meinem Alltag bestätigen.

Bluezones Elements

Die gute Nachricht: «Ihre Telomere können wieder länger werden, wenn Sie ihren Lebensstil anpassen», sagt Dr. Hippe. In meinem Fall heisst das konkret: Mehr Bewegung, weniger Stress und eine gesündere Ernährung mit mehr Ballaststoffen – Dr. Hippe empfiehlt mir täglich Leinsamen über mein Müesli zu streuen. Aus meiner Genanalyse leitet sie ausserdem ab, dass ich Fette besser verdauen kann als Kohlenhydrate und mein Körper gerne mit regelmässigen kleinen Mahlzeiten versorgt wird – Intervallfasten passt demnach nicht zu meiner Veranlagung.

Ich versuche mich also die nächsten Monate an die Ratschläge der Ernährungswissenschaftlerin zu halten. Dazu gibts die geballte Pflanzenkraft in den Kapseln, die mich mittlerweile aus Wien erreicht haben und die ich jetzt jeden Morgen zu mir nehme.

Sechs Monate später – was hats gebracht?

Nach einem halben Jahr muss ich erneut mein Blut zum Testen nach Wien einschicken. Wenige Wochen später winkt mir Dr. Hippe wieder im Zoom-Call entgegen, um die Ergebnisse zu besprechen. Und siehe da: Laut DNA-Analyse hat sich tatsächlich was getan. Meine Telomere haben sich erholt und entsprechen in ihrer Länge jetzt fast meinem chronologischen Alter. «Eine Veränderung von sieben Jahren, das ist ein fantastisches Resultat», sagt Dr. Hippe. Phu!

Vor dem Selbstversuch (heller Punkt) waren meine Telomere kürzer als sie sein sollten. Gründe dafür können Stress, ungesunde Ernährung, Rauchen oder zu wenig Bewegung sein. 

Vor dem Selbstversuch (heller Punkt) waren meine Telomere kürzer als sie sein sollten. Gründe dafür können Stress, ungesunde Ernährung, Rauchen oder zu wenig Bewegung sein.

Bluezones Elements

Auch weitere Werte, etwa im Bereich der Stoffwechselregulation, konnte ich leicht verbessern. Mit noch mehr Bewegung im Alltag sei auch hier aber noch Luft nach oben. Mein Workout werde ich also auf jeden Fall weiterhin machen und versuchen, noch öfter Treppe und Velo statt Lift und Tram zu nehmen.

Insgesamt konnte ich in fünf von sieben Parametern bessere Werte erzielen. Ob es an den Phytonährstoffen in der Kur liegt? Oder daran, dass ich jetzt regelmässig Pilates mache und die Treppe statt des Lifts nehme? Oder hats mit den Corona-Massnahmen zu tun, die mich quasi zum Entschleunigen gezwungen haben? Dr. Hippe ordnet für mich ein: «Ganz genau kann man das nicht wissen. Aber es wird ein Mix aus allem sein.»

Machst du etwas dafür, um gesünder zu altern und möglichst lange zu leben? Erzähle uns in den Kommentaren davon.

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