Todkrank – oder ein Hoax?: «Hillary hat noch 6 Monate zu leben»
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Todkrank – oder ein Hoax?«Hillary hat noch 6 Monate zu leben»

Der «National Enquirer» diagnostiziert bei Hillary Clinton tödliche Krankheiten von Krebs bis MS. Total daneben, eigentlich. Wobei: Das Boulevardblatt lag nicht immer falsch.

von
sut

Mit einer überzeugenden Leistung in der ersten Debatte der Demokraten hat Hillary Clinton am Dienstag ihrer Kandidatur zur US-Präsidentin neues Leben eingehaucht. Das werde ihr nicht helfen, findet der «National Enquirer». Das Supermarkt-Heft dichtet der früheren Aussenministerin seit mehreren Jahren tödliche Krankheiten an.

«Hillary: Sie hat noch 6 Monate zu leben!», lautet die letzte der Überschriften in fetten Grossbuchstaben. Die 67-Jährige mache sich einer massiven Verschleierung ihres wahren Gesundheitszustands schuldig, behauptete das Magazin Ende September. Es zitiert eine ungenannte Quelle mit den Worten: «Sie sollte keinen Wahlkampf machen, sondern zu Hause ihr Testament schreiben!»

Multiple Sklerose und Hirnkrebs

Wie «Politico» aufzählt, war der Artikel der letzte in einer langen Reihe von Schreckensmeldungen über Hillarys Verfassung. Im August behauptete der «Enquirer», die Kandidatin leide an multiple Sklerose (MS), einer unheilbaren Autoimmunkrankheit des Nervensystems. Ein Jahr vorher beschrieb es eine angebliche Neigung Clintons zu Blutgerinnseln und Schlaganfällen. Anfang 2013 lautete die journalistische Ferndiagnose: Hirnkrebs.

Die emsigen Recherchen des «Enquirers» begannen im Dezember 2012, als die damalige Aussenministerin Clinton bei einem Sturz eine Gehirnerschütterung erlitt. Weil Ärzte danach ein Blutgerinnsel hinter dem rechten Ohr entdeckten, musste sich Hillary für drei Wochen in Spitalpflege begeben. Danach trug sie eine Brille mit einer Fresnel-Linse. Solche Gläser sollen bei Gehirnschäden die Sicht korrigieren.

Clinton-Feinde schreiben gegen sie an

Hillary Clinton erlitt bereits in den Jahren 2005 und 2011 Schwächeanfälle. Die Theorien des «National Enquirer» über deren Ursachen stützen sich jedoch auf anonyme Quellen und sind nicht zusätzlich belegt. Zu den namentlich genannten Informanten zählen der Buchautor Ed Klein und Larry Nichols, ein früher Berater Bill Clintons. Beide Männer gelten als Clinton-Hasser.

Der wöchentlich erscheinende «Enquirer» hat einen eher zweifelhaften Ruf. Im Vorfeld des Wahlkampfs von 2008 war er als einziges Medium dem damaligen Kandidaten John Edwards auf der Spur. Das Heft brachte schliesslich heraus, dass Edwards eine Affäre und ein uneheliches Kind hatte. In der Folge musste sich der Demokrat aus dem Wahlkampf zurückziehen.

Informationen gegen Bezahlung

In seiner bald 90-jährigen Geschichte traf das Heft aber oft mit übertriebenen oder aus der Luft gegriffenen Behauptungen daneben. Anrüchig gilt zudem seine Praxis, Informanten falls nötig zu bezahlen. Das sei bei den Hillary-Geschichten aber nicht vorgekommen, versicherte der Chefredakteur Dylan Howard gegenüber «Politico».

In welchem Mass die Schreckensnachrichten von Hillary Clintons Gesundheit der Wahrheit entsprechen, kann nur die Zukunft sagen. Immerhin hat im März dieses Jahres die «New York Times» eine Behauptung des «Enquirer» bestätigt, wonach Hillary Clinton dem Alkohol verfallen sei. In der jüngsten Ausgabe schreibt das Heft, die Kandidatin trinke täglich vier harte Drinks. Der Tochter Chelsea habe sie unlängst gestanden: «Ich bin eine Alkoholikerin! Bitte hilf mir!»

Der Wahlkampf wird noch bis November 2016 dauern. Geht es nach der Zeitschrift, wird Hillary Clinton ihn nicht zu Ende führen können. Das Heft fütterte einen «Lebensdauer-Rechner» der Universität Pennsylvania mit den geheimen Gesundheitsdaten Hillarys. Ergebnis: Sie hat «ihre Lebenserwartung bereits überschritten».

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