Aktualisiert 19.12.2011 18:14

Am Boden gebliebenHiller und die Versuchung des grossen Geldes

Anaheim-Goalie Jonas Hiller verdient 4,5 Millionen Dollar pro Jahr. Eine verlockende Summe, auch wenn er die Hälfte davon nie sieht. Der Schweizer hat den Bezug zum Geld aber nicht verloren.

von
K. Zaugg
Jonas Hiller (l.) geht rund die Hälfte des Lohns durch die Lappen.

Jonas Hiller (l.) geht rund die Hälfte des Lohns durch die Lappen.

4,5 Millionen Dollar verdient Jonas Hiller (29) bei den Anaheim Ducks. Er ist damit der bestverdienende Schweizer Mannschaftssportler aller Zeiten. 4,1 Millionen Dollar pro Saison bekommt Mark Streit (34) bei den New York Islanders.

«Durch diese offiziellen Salärzahlen bekommen die Leute einen falschen Eindruck», sagt Jonas Hiller. Denn die Hälfte des publizierten Lohnes verliert er. Rund 50 Prozent gehen durch die Steuern weg. In den USA wird die Steuer gleich vom Salär abgezogen. Der Betrag, der aufs Konto überwiesen wird, gehört zu hundert Prozent dem Spieler. «Das ist sehr praktisch» sagt Hiller. Da in den USA Steuersünden gleich nach Mord kommen, gibt es keine «luganesischen Buchhaltungen» (Schwarzgeldzahlungen). Neben den offiziellen Salären gibt es keine geheimen Zahlungen.

«Habe Ueli Maurer 80 000 Franken überwiesen»

Es lauern aber noch Steuerfallen. Beispielsweise muss ein dienstuntauglicher Schweizer nach seiner Abmeldung ins Ausland noch drei Jahre lang die Militärdienst-Ersatzsteuer bezahlen. Das ist auch Hiller passiert. «Ich habe deswegen Ueli Maurer letztes Jahr rund 80 000 Franken überwiesen» Ansonsten aber fallen in der Schweiz dank des Steuerabkommens mit den USA keine weiteren Steuern an. Aber in den USA sind die administrativen Vorschriften so kompliziert und deren Einhaltung ist so wichtig, dass es ohne offiziellen Agenten als «Beistand» gar nicht geht. Obwohl die Steuern gleich beim Lohn abgezogen werden, braucht es eine Steuerdeklaration. Und für die Geldanlage muss ein weiterer Spezialist beigezogen werden, der über die ganzen Vorschriften, beispielsweise über Kapitaltransfers von den USA in die Schweiz, Bescheid weiss. Diese Dienstleistung wird von Schweizer Grossbanken angeboten. Alles in allem kostet die in den USA notwendige Beratung für einen Schweizer Dollarmillionär im Jahr noch einmal fast eine sechsstellige Summe. Es gilt also: Wer hat, dem wird eben auch viel genommen.

Dass die Saläre der Sportstars in Nordamerika öffentlich bekannt sind (bei der NHL einsehbar auf www.NHLPA.com), hilft den Spielern. Die Saläre sind in Nordamerika auf Druck der Spielergewerkschaften öffentlich gemacht worden. Weil das Lohngeheimnis (wie wir es in der Schweiz kennen) dem Arbeitgeber hilft, die Löhne tief zu halten. Warum ist das so? Ganz einfach: Es gibt in allen Sportarten überbezahlte Spieler. Das liegt in der Natur des Sportgeschäftes. Es wird halt oft emotional und nicht rational entschieden. Durch einen einzigen überbezahlten Spieler werden die Saläre angehoben wie die Schiffe auf dem See, wenn das Wasser steigt.

Lohntransparenz im Interesse der Spieler

Stark vereinfacht gesagt: Ist ein Spieler in der NHL mit dem offerierten Salär bei der Vertragserneuerung nicht zufrieden, dann kann er den «Saläreinzelrichter» (Arbitration) anrufen. Und dann wird nach klar vorgegebenen Kriterien entschieden: Der Lohnanspruch wird mit anderen Spielern (Alter, Anzahl Spiele, Tore und Assists) verglichen. Ist ein überbezahlter Spieler in der Liga, dann «zieht» er die Saläre der besseren, aber schlechter bezahlten Spielern, die mehr Tore und Assists haben, nach oben. In Nordamerika sind die Löhne nach der Publikation in allen Sportarten stark gestiegen. Lohntransparenz ist also im Interesse der Spieler.

Obwohl Hiller die Hälfte seines Salärs gar nie sieht, mag er sich nicht beklagen. Er ist trotzdem Millionär. Verändert das Geld das Wesen und Wirken eines Spielers? Im Falle der Schweizer ist dies nicht der Fall. Weder Hiller noch Streit sind durch den Starstatus und das Geld abgehoben. Das ist an und für sich logisch: Hohe Saläre gibt es in Nordamerika nur für entsprechende Leistung und nur aussergewöhnlich starke Persönlichkeiten setzen sich in dieser gnadenlosen Leistungsgesellschaft durch. Aussergewöhnliche Persönlichkeiten werden durch mehr oder weniger Geld nicht verändert. «Man muss nur etwas aufpassen, dass man den Bezug zum Geld nicht verliert», sagt Hiller. «Die Versuchung wird ja gross, dass man auf einmal 1000 Franken so leicht ausgibt wie zuvor 10 Franken. Aber da sorgt schon meine Freundin dafür, dass das nicht passiert.»

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