06.06.2018 05:50

ZürichHiltl verbannt Plastik – aber nur bei den Röhrli

Hiltl verbannt Plastikröhrli aus den Vegi-Restaurants und Clubs. Umweltschützern geht das zu wenig weit. Denn Take-away-Essen gibt es weiterhin im Kunststoffgeschirr.

von
som

Mit diesem Video erklärt Hiltl, warum Plastikröhrli unnötig sind. (Video: Larissa Schneider)

Gastrounternehmer Rolf Hiltl geht gern tauchen. «In den letzten Jahren ist mir aufgefallen, dass viel weniger Fische in den Meeren herumschwimmen.» Und an abgelegenen Stränden liege unheimlich viel Plastikmüll.

Auch wenn Zürich nicht am Meer liegt, will er nun ein Zeichen setzen. Ab sofort werden deshalb Trinkhalme aus Plastik aus seinen sieben Restaurants und drei Clubs verbannt. «Diese werden äusserst selten recycelt. Weil sie so klein und leicht sind, finden sie ihren Weg häufig bis in die Weltmeere», sagt Hiltl.

«Komplett auf Mehrweg umstellen»

Gemäss Mitteilung werden so jährlich eine halbe Million Plastikröhrli gespart. Wer trotzdem nicht darauf verzichten will, erhält, nachdem die Röhrli auf Lager aufgebraucht sind, eine Alternative aus nachhaltigem Material. «Ich hoffe, dass wir auch andere Gastronomen für dieses Thema sensibilisieren können.»

Bei der Umweltorganisation Greenpeace beurteilt man diesen Schritt jedenfalls als vorbildlich, ebenso wie Hiltls Geschäftsmodell, auf Fleisch und Fisch zu verzichten. «Noch besser und konsequent wäre es allerdings, wenn er auch beim Geschirr und Besteck komplett auf Mehrweg umstellen würde», sagt Sprecher Yves Zenger.

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Wer in einem der Hiltl-Restaurants essen geht, kriegt ab sofort keine Plastikröhrli mehr.

Wer in einem der Hiltl-Restaurants essen geht, kriegt ab sofort keine Plastikröhrli mehr.

Adrian Bretscher
Der Gastrounternehmer Rolf Hiltl will damit ein Zeichen setzen.

Der Gastrounternehmer Rolf Hiltl will damit ein Zeichen setzen.

Gian Giovanoli
«Ich hoffe, dass ich auch andere Gastronomen für dieses Thema sensibilisieren kann.»

«Ich hoffe, dass ich auch andere Gastronomen für dieses Thema sensibilisieren kann.»

René© Ruis

Einweg-Geschirr ohne Plastik

Tatsächlich gibt es in den Hiltl-Restaurants auch noch Plastikgeschirr zum Mitnehmen. Und Take-away-Food vom Buffet ist erst noch 50 Rappen günstiger pro 100 Gramm, als wenn man es mit «richtigem Geschirr» im Restaurant isst. «Dieses Wegwerf-Geschirr ist eine riesige Ressourcen-Verschwendung und somit ein ökologischer Unsinn», sagt Zenger. Es sollten alle Gastrounternehmer davon wegkommen.

Auch Rolf Hiltl findet, dass hier noch Potenzial besteht: «Nur ist es aus Gründen des Lebensmittelgesetzes gar nicht so einfach, auf Plastik zu verzichten.» Und die Preisreduktion auf Take-away-Essen gebe man, weil der Mehrwertsteuersatz tiefer sei. Man habe aber zusammen mit Tibits vor einem Monat eine Mehrweg-Bento-Bowl zum Kaufpreis von 25 Franken eingeführt: «Das ist sehr nachhaltig und der Preis pro 100 Gramm ist bewusst günstiger als mit Einweg-Take-away-Schalen.» Das Angebot sei sehr gefragt.

Es geht auch ohne Plastik

Doch es geht auch ohne Plastik. So verwendet etwa das Restaurant Beetnut an der Europaallee Einweg-Geschirr, das wie Plastik aussieht. Es besteht aber aus (C)PLA – das ist ein nachwachsender und biologisch abbaubarer Rohstoff, etwa Zuckerrohr. Laut Geschäftsführerin Dunja Gusic ist dieser etwas teurer und hitzeempfindlicher: «Deshalb wundert es mich nicht, dass die meisten Gastrobetriebe auf Plastik setzen – trotzdem wäre es schön, wenn einige umdenken würden.»

Plastikröhrli bei der Migros

Ob Zürcher Gastro-Unternehmen bereit sind, auf Plastikröhrli zu verzichten, wird sich zeigen. Bei der Migros sei es derzeit kein Thema, sagt Sprecher Patrick Stöpper. «Wir verwenden in unseren Restaurants aber sehr wenige Röhrli und setzen bei anderen Produkten auf recycelbare Materialien – etwa bei den PET-Flaschen.» Zudem habe man Mehrwegschalen schon länger in Betrieb. Keine Plastikröhrli mehr dürfen die Restaurants in Neuenburg verwenden. Das gab die Stadt Mitte Mai bekannt. Plastik-Trinkhalme sollen auch in der EU verboten werden.

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