Bern: Hindus wollen Korane verbrennen
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BernHindus wollen Korane verbrennen

Das Entsetzen ist gross: Am Freitagabend wollen drei hinduistische Fundamentalisten auf dem Bundesplatz Bibeln und Korane verbrennen.

von
Deborah Sutter
Der radikale Hindu Tetus Leo Panakal (r.) in Rom. (Bild: V. Sokolowicz)

Der radikale Hindu Tetus Leo Panakal (r.) in Rom. (Bild: V. Sokolowicz)

«Ich will nicht, dass auch nur ein Kind mit der Bibel oder dem Koran in Berührung kommt», sagt der Inder Tetus Leo Panakal (42), der seit acht Jahren in der Schweiz lebt.

Was in diesen Büchern stehe, sei böse, unwahr und beschere den Kindern Albträume oder Schlimmeres. Deshalb wollen er und zwei Gleichgesinnte am Freitag um 17.30 Uhr auf dem Bundesplatz Bibeln und Korane verbrennen.

Der Plan sorgt in der Schweiz für einen Aufschrei: «Heilige Schriften zu verbrennen, provoziert die Öffentlichkeit, es ist an der Polizei, das zu unterbinden», so Walter Müller von der Bischofskonferenz. Auch die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, Saïda Keller-Messahli, ist empört: Solche Akte seien primitiv und gegen die christliche und muslimische Kultur gerichtet. Selbst die Freidenker sind ob der geplanten Aktion schockiert: Mitsamt seinen Kameraden wurde Panakal sofort aus der Vereinigung ausgeschlossen. Auch Hinduisten distanzieren sich: «Der Hinduismus steht für Gewaltlosigkeit, Toleranz und Respekt vor anderen Religionen», so Vijay Kumar Singh, Betreiber der Seite Hinduismus.ch.

Bei der Kantonspolizei Bern ist das Vorhaben der drei Inder offiziell nicht bekannt, der Nachrichtendienst des Bundes wollte dazu auf Anfrage keine Stellung nehmen. Dass die Verbrennung der Schriften aber unbedingt verhindert ­werden muss, ist laut Islam-Experte Erich Gysling unumgänglich: Die Schweiz wird sonst in grosse Gefahr gebracht (siehe Interview).

Panakal will sich aber nicht von seinen Plänen abbringen lassen: «Wenn wir unser Leben dabei verlieren, was bedeutet das schon.»

«Es könnte für die Schweiz böse werden»

Erich Gysling*, sind diese Leute wahnsinnig?

Ihre Aktion ist sicher wahnsinnig. Falls in Bern wirklich Korane verbrannt werden, könnte es für die Schweiz ziemlich böse werden.

Würde die Schweiz ins Visier von Terroristen geraten?

Koran-Verbrennungen sind ein gewaltiges Reizthema. Es würde sicher Protestaktionen in der islamischen Welt geben. Zum Vergleich: Als der amerikanische Pastor Terry Jones zu Koran-Verbrennungen aufrief, kam es zu heftigen Demonstrationen. Selbst Barack Obama musste sich einschalten, um die Wogen zu glätten.

Würde sich die Wut der Muslime denn gegen die Schweiz als Land richten?

Die islamische Welt erwartet sicher, dass die Schweiz die Aktion verhindert. Wenn sie das nicht tut, könnte es ähnlich wie in Dänemark zu einem Schneeballeffekt kommen: Dort druckte eine Zeitung die Mohammed-Karikaturen ab. Daraufhin kam es zu weltweiten Protesten mit mehr als 100 Toten.

Also muss die Schweiz die Hindus sofort stoppen?

Unbedingt. Die Behörden müssen den Anlass mit allen Mitteln verhindern. Das kann die Schweiz auch ohne Probleme, mit Hinweis auf die Wahrung des religiösen Friedens. Die Konsequenzen wären sonst nicht absehbar.

*Erich Gysling ist Nahost- und Islam-Experte

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