Kurswechsel: Hingerichtete in China sollen Organe behalten
Aktualisiert

KurswechselHingerichtete in China sollen Organe behalten

China will davon abrücken, sein Organspendensystem auf die Organe Hingerichteter abzustützen. Den Ausschlag gab offenbar neben ethischen Bedenken die fehlende Nachhaltigkeit der Praxis.

China will seine Abhängigkeit von den Organen von Hingerichteten zu verringern und deshalb ein neues Organspendensystem einführen. Der Forscher Wang Haibo vom Gesundheitsministerium erklärte in der Novemberausgabe des Magazins der Weltgesundheitsorganisation (WHO), ein System, das von den Organen von zum Tode Verurteilten abhänge, sei «weder ethisch noch nachhaltig». Laut Wang soll das neue System «spätestens Anfang nächsten Jahres» gestartet werden. Der Ausstieg aus dem bisherigen System soll demnach schrittweise verlaufen.

Die Verwendung der Organe von Hinrichtungsopfern ist seit langem umstritten. China hat unter internationalem Druck versprochen, die Praxis aufzugeben. Eine chronische Knappheit an Organen macht einen raschen Ausstieg aus dem bisherigen System jedoch schwierig.

Der Handel mit menschlichen Organen ist in China seit 2007 verboten. Seit 2009 wird ein landesweites System für Organspenden aufgebaut, doch übersteigt die Nachfrage noch immer bei weitem das Angebot.

Offiziellen Zahlen zufolge brauchen 1,5 Millionen Patienten jedes Jahr eine Transplantation, doch werden nur 10 000 Transplantationen ausgeführt. Viele Chinesen glauben noch immer an eine Reinkarnation nach dem Tod und wollen daher vollständig bestattet werden. (sda)

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