08.02.2018 09:55

400 Warnungen pro SekundeHinter den Kulissen der Olympischen Spiele

Nicht nur den Athleten, sondern auch der Technik wird in Südkorea einiges abverlangt. Ein Besuch im Zentrum, wo die Daten der Spiele zusammenlaufen.

von
swe

Patrick Adiba, Chief Commercial Officer von Atos, über die IT während der Olympischen Spielen. (Video: 20M)

Wenn die Schweizer Athleten ab dem 9. Februar versuchen, an den Olympischen Winterspielen eine Medaille zu holen, ist nicht nur bei den Sportlern die Anspannung gross. Denn die Resultate aus den zwölf Sportstätten werden in Echtzeit in alle Welt übermittelt. Neben Millionen Zuschauern sind auch die Kommentatoren von Fernsehsendern darauf angewiesen, möglichst schnell korrekte Resultate und Hintergrundinformationen zu erhalten.

Damit dies während 17 Wettkampftagen reibungslos funktioniert, hat sich das französische Unternehmen Atos schon mehrere Jahre vor der Eröffnungsfeier auf den Grossanlass vorbereitet. Der IT-Dienstleister kümmert sich neben der Bereitstellung der Daten über die Wettkämpfe auch um die Zutrittsberechtigungen für Sportler, Betreuer und Freiwillige. Zudem werden die Resultate für die Jury aufbereitet, damit diese offiziell abgesegnet werden können.

Steuerzentrale der olympischen IT

Ganz in der Nähe, wo 1992 die Olympischen Sommerspiele in Barcelona stattfanden, befindet sich das sogenannte Technology Operation Center. Hier laufen nicht nur alle Daten von den Wettkämpfen zusammen, auch das Sicherheitsteam ist hier ansässig, das dafür sorgt, dass die Systeme einwandfrei laufen. Auf den zig Bildschirmen werden den IT-Experten allfällige Probleme sofort dargestellt. Dazu gehören sowohl Cyber-Angriffe als auch Probleme mit der Zutrittskontrolle.

«In Rio de Janeiro gab es insgesamt 570 Millionen Vorfälle. Das entspricht 400 Sicherheits-Warnungen pro Sekunde», erklärt Patrick Adiba, Chief Commercial Officer von Atos. Viel zu viel, um überhaupt mitzukommen. Ein Computer filtert deshalb wichtige Ereignisse heraus, die dann vom Team geprüft werden.

Ein Problem: Hacker

Die Herausforderung im Bereich der Cyber-Sicherheit wird in Südkorea wohl nicht kleiner werden. Auch weil Hacker aus dem Norden die Spiele möglicherweise angreifen werden, wie die «Financial Times» berichtet. Hacker sind aber nur einer von vielen Gründen, warum die Systeme offline gehen könnten, bemerkt Adiba: «Oft handelt es sich auch um menschliche Fehler.»

Um die ganze Technik darauf vorzubereiten, wurden vorgängig die anspruchsvollsten Wettkampftage für die verschiedenen Disziplinen simuliert. Ein Team musste sich dann mit fiktiven, aber möglichen Problemen auseinandersetzen. «Wir haben über 100'000 Stunden erfolgreich Tests abgewickelt und sind bereit», so Marc Gutierrez Aguilar, Chief Integrator Officer von Atos.

Zum ersten Mal werden in diesem Jahr alle Systeme über die Cloud laufen. Dies ermöglicht es, die Anzahl der installierten Server und den Strombedarf zu reduzieren. Zudem muss die Infrastruktur nicht jedes Mal komplett neu aufgebaut werden, denn bereits bei den Winter-Paralympics im März, die ebenfalls in Südkorea durchgeführt werden, werden die IT-Systeme von Atos wieder in den Einsatz kommen.

Terrorabwehr während der Spiele

Auch die südkoreanischen Behörden bereiten sich auf mögliche Bedrohungen während der Spiele vor. Wie Engadget.com berichtet, kommt dabei ausgefeilte Technik zum Einsatz. Unter anderem werden spezielle fangende Drohnen bereitgestellt. Diese verjagen unerlaubte Flugobjekte nicht, sondern fangen sie mit Netzen ein. Die Einsatzkräfte wurden auch darauf trainiert, um im Notfall Drohnen abzuschiessen. Ebenfalls werden Flugzeuge mit hochauflösenden Kameras genutzt, die über Gesichtserkennungs-Technologie verfügen. Bei einem Alarm wird den Sicherheitsleuten der genaue Standort von verdächtigen Personen übermittelt, damit vor Ort eingegriffen werden kann.

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