Korea-Krise: Hinter den Kulissen weibeln die Diplomaten
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Korea-KriseHinter den Kulissen weibeln die Diplomaten

Vor der Küste der koreanischen Halbinsel sind Kampfjets von einem Flugzeugträger gestartet, auf dem Festland scheint jedoch die Diplomatie die Oberhand zu gewinnen.

Mit Berichten über Fortschritte seines Atomprogramms hat Nordkorea am Dienstag zwar die Propagandaschlacht verschärft und mit einem «ausgewachsenen Krieg» gedroht, gleichzeitig entsandte das Regime aber einen Vertreter zu Gesprächen nach China. Der nordkoreanische Vertreter Choe Thae Bok wird sich der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zufolge fünf Tage in China aufhalten. Bei den Gesprächen werde es um den tödlichen Artillerieangriff auf eine südkoreanische Insel in der vergangenen Woche, um das nordkoreanische Atomprogramm sowie um die südkoreanisch-amerikanische Militärübung gehen. China seinerseits will offenbar am Mittwoch Staatsratsmitglied Dai Bingguo nach Pjöngjang entsenden, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf diplomatische Kreise.

Nach Einschätzung von Beobachtern zeigt Nordkorea derzeit seine Muskeln, um eine Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche zu erzwingen. Die Verhandlungen zwischen USA, Japan, China, Russland sowie Nord- und Südkorea liegen seit etwa zwei Jahren auf Eis. «Die USA und Südkorea haben die vergangenen zwei Jahre versucht, den Norden zu ignorieren», erklärte der Korea-Experte Andrei Lankov von der Kookmin Universität in Seoul.

«Deshalb setzen die Nordkoreaner nun Artillerie und Zentrifugen ein, um zu demonstrieren: 'Wir sind noch da, und wir sind gefährlich, aber wenn ihr uns belohnt, dann benehmen wir uns wieder.'» Es sei ein typisches Verhaltensmuster Nordkoreas, mit Provokationen immer wieder Zugeständnisse zu erzwingen.

China hat vorgeschlagen, eine Krisensitzung der Länder einzuberufen, die an Gesprächen über das nordkoreanische Atomprogramm beteiligt sind. Südkorea und Washington reagierten zurückhaltend auf den Vorschlag. Seoul verlangt zunächst ein Zeichen des Bedauerns für die Versenkung eines südkoreanischen Kriegsschiffs im März und Beweise für den Willen Nordkoreas zur atomaren Abrüstung. Ein Sprecher des Weissen Hauses, Robert Gibbs, sagte am Montag, die Sechsparteiengespräche könnten ein Handeln durch Nordkorea nicht ersetzen. Pjöngjang müsse seinen Verpflichtungen nachkommen und «destabilisierende Handlungen» auf der koreanischen Halbinsel einstellen. Die Aussenminister Südkoreas, Japans und der USA wollen im Dezember in Washington über Nordkorea beraten.

Regime baut Leichtwasser-Reaktor

Die Spannungen in der Region blieben dennoch hoch. Jeder gegen den Norden gerichtete «provozierende Krieg» bedeute Selbstzerstörung hiess es in einem Kommentar der staatlichen Zeitung «Minju Joson». Zudem erklärte Nordkorea, man komme mit seinem Atomprogramm voran. Die Regierung betreibe eine moderne Anlage zur Urananreicherung mit Tausenden Zentrifugen, schrieb die Zeitung «Rodong Sinmun» laut der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA. Ausserdem werde ein Leichtwasserreaktor gebaut.

Das isolierte Land ist auf die Unterstützung seines wichtigsten Verbündeten China angewiesen. Enthüllungen der Internet-Plattform Wikileaks offenbarten unterdessen Risse im Verhältnis zwischen den beiden Verbündeten. So hätten sich chinesische Regierungsvertreter frustriert über das Regime in Pjöngjang gezeigt. Ausserdem wird in den Depeschen spekuliert, Peking könne ein wiedervereinigtes Korea unter Führung Südkoreas akzeptieren, solange Seoul sich nicht aggressiv verhalte. (sda)

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