Erklärung: Hintertür offen gelassen
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ErklärungHintertür offen gelassen

Google und Verizon haben sich offiziell zur Netzneutralität bekannt. Allerdings haben sich die Firmen zwei Optionen vorbehalten.

von
hst
Google und Verizon haben eine gemeinsame Erklärung zur Netzneutralität veröffentlicht.

Google und Verizon haben eine gemeinsame Erklärung zur Netzneutralität veröffentlicht.

Netzneutralität heisst, dass alle Datenpakete im Web gleichbehandelt werden. Manche Nutzer werden also nicht künstlich von Providern ausgebremst, weil sie beispielsweise mehr Traffic verursachen als andere. Vergangene Woche hatten Google und Verizon einen Bericht der «New York Times» dementiert, laut dem der Suchmaschinist den US-Provider für die Bevorzugung seiner Dienste bezahlen wolle.

In einer gemeinsamen Erklärung haben sich die Firmen nun grundsätzlich zur Netzneutralität bekannt. In ihrem zur Diskussion gestellten US-Regelwerk heisst es, dass alle Surfer gleichberechtigt Zugang zu legalen Websites haben sollen. Kontrollieren soll dies die US-Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC). Für Verstösse sollen Geldstrafen von bis zu zwei Millionen Dollar verhängt werden können. Allerdings war von Ausnahmen die Rede - zusätzlichen Webangeboten wie Telemedizin oder High-End-Videos. «Man stelle sich einmal vor, die die New Yorker Oper plane, ihre Vorstellungen webbasiert in 3D zu übertragen», nannte Verizon-Boss Ivan Seidenberg als Beispiel. Ausserdem wurden bei der Forderung nach Netzneutralität Smartphones aussen vor gelassen. Das stetig wachsende mobile Surfen sorgt in den USA immer wieder für überlastete Netze.

Scharfe Kritik ernteten die Vorschläge von der Organisation Free Press, die sich für die Netzneutralität einsetzt. In einer Erklärung hiess es, das Web könnte eine geschlossene Plattform wie das Kabelfernsehen werden, falls Kongress und FCC den Vorschlägen folgten. würde. Einige dominante Firmen könnten die Macht im Web an sich reissen, so Free Press.

Internes Dokument zur Firmenstrategie aufgetaucht

Unterdessen zitiert das «Wall Street Journal» aus einem internen Strategiepapier, das Aitan Weinberg, heute leitender Produktmanager für interessenbezogene Werbung, 2008 für den Suchmaschinisten verfasst hat. Es skizziert mögliche Weiterentwicklungen des Geschäftsmodells. Dazu zählen der Aufbau eines Marktplatzes für anonymisierte Nutzerdaten und die Möglichkeit, Surfer für werbefreien Google-Seiten bezahlen zu lassen. Weinberg wollte sich auf Anfrage des Blattes nicht äussern. Eine nicht näher bezeichnete, mit der Sache vertraute Person bezeichnete das Papier auf Anfrage der Zeitung allerdings als «Brainstorming-Dokument, das keinen leitenden Angestellten des Unternehmens vorgelegt wurde». Einige Ideen seien es nicht einmal wert, näher betrachtet zu werden.

Einen Bericht von TechCrunch.com, Google wolle Jambool für 70 Millionen Dollar übernehmen, liess der Suchmaschinist ebenfalls offiziell unkommentiert. Auch Jambool äusserte sich bislang nicht. Die Firma wurde von den ehemaligen Amazon-Mitarbeitern Vikas Gupta und Reza Hussein gegründet. Ihre Software Social Gold ermöglicht es Entwicklern, eine Bezahlfunktion in Apps zu integrieren.

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