«Sie lassen sich nicht von Tafeln aufhalten»: Hirschkalb stirbt wegen rücksichtslosem Tourenskifahrer
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«Sie lassen sich nicht von Tafeln aufhalten»Hirschkalb stirbt wegen rücksichtslosem Tourenskifahrer

Weil ein Tourenskifahrer dicht neben dem Hirschgehege eines Landwirtes im Wallis durchfuhr, erschraken sich die Tiere so sehr, dass sie ein junges Kalb überrannten. Der Bauer, der ebenfalls im Gehege war, kam mit einem Schrecken davon.

Landwirt Helmut Kiechler musste auf seiner Farm ein Hirschkalb wegen eines Tourenskifahrers töten.

Video: 20 Minuten

Darum gehts

  • Ein Tourenskifahrer, der in einer Wildschutzzone unterwegs war, hat die Tiere einer Hirschfarm derart erschreckt, dass diese ein Kalb überrannten.

  • Das Tier brach sich das Rückgrat und musste vom Landwirt mit der Jagdflinte erlöst werden.

  • Es ist nicht das erste Mal, dass dieser eines seiner Tiere wegen menschlichem Verschulden verliert.

Helmut Kiechler betreibt mit seiner Partnerin im Wallis eine Hirschfarm. Der Landwirt hat ein schweres Wochenende hinter sich: Am Samstag musste er eines seiner Hirschkälber mit der Jagdflinte erlösen, wie der «Walliser Bote» berichtet. Das Kalb hatte sich das Rückgrat gebrochen, nachdem es von aufgeschreckten Hirschen niedergetrampelt wurde. Grund für den Schreck war ein Tourenskifahrer, der dicht am Gehege der Tiere vorbeifuhr. Auch Kiechler war zu diesem Zeitpunkt im Gehege, mit etwas Pech hätte es auch ihn erwischen können. Da die Hirsche 100 bis 150 Kilogramm auf die Waage bringen, könnte ein solcher Vorfall auch für Menschen tödlich enden.

Seit 2003 betreibt Kiechler in Blitzingen VS mit seiner Partnerin die besagte Hirschfarm. Damals hätte es noch praktisch keine Tourenskifahrer gegeben, welche die steilen Hänge hinunterflitzten. Dies habe sich in den letzten Jahren geändert: «Viele Hänge im Goms sind derart zerfahren, da findet man keine zwei Meter unberührte Fläche zwischen zwei Spuren.» Und dies, obwohl sich das Gelände in einer Wildschutzzone befindet und mit Schildern signalisiert wird, dass das Betreten der Hänge nicht erlaubt ist. «Die Rücksichtslosen lassen sich nicht von Tafeln aufhalten. Die Wildhut kennt das Problem, ihr sind aber die Hände gebunden. Es fehlt die gesetzliche Grundlage, damit sie Bussen aussprechen kann. Hier müsste sich dringend etwas ändern.»

4 tote Tiere durch menschliches Verschulden

Das verstorbene Hirschkalb war bereits das vierte Tier von Kiechler, dass durch menschliches Verschulden umkam. Eines wurde fälschlicherweise durch einen Jäger getötet, zwei kamen wegen Feuerwerk an Silvester und am 1. August zu Tode. Das jüngste Opfer verstarb wegen des Tourenskifahrers, der sich nicht an die Regeln hielt. Kiechler würde sich deswegen wünschen, dass bestimmte Gebiete für Outdooraktivitäten komplett gesperrt werden. «Sonst gibt es für die Tiere heute wirklich keinen Ort mehr, wo sie Ruhe haben.»

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Das Kalb wurde von den Hirschen überrannt, da sich diese erschreckten.

Das Kalb wurde von den Hirschen überrannt, da sich diese erschreckten.

zvg
Schuld daran war ein Tourenskifahrer, der die Wildschutzzone nicht respektierte.

Schuld daran war ein Tourenskifahrer, der die Wildschutzzone nicht respektierte.

zvg

«Im Powder-Rausch»

Gemäss Maren Kern, Geschäftsleiterin des Vereins Mountain Wilderness, seien sich Tourenskifahrer oft nicht bewusst, was sie auslösen könnten: «Sie sind meistens im Powder-Rausch, wenn sie in Ruhezonen unterwegs sind.» Wenn die Wildtiere dann durch die Skifahrer aufgescheucht werden, würden sie zu viel Energie verbrauchen. «Die Tiere können bereits daran sterben.»

Der gemeinnützige Verein, der sich den Schutz der Wildnis verschrieben hat, appelliert an Wintersportler, markierte Wege nicht zu verlassen und Ruhezonen zu respektieren. Kern: «Nur auf diese Weise können sich die Wildtiere zurückziehen.»

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Tierschutz Schweiz (anonym möglich)

(RC)

Deine Meinung

66 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Tierfreund

24.02.2021, 08:51

Idioten!!! Ist es verdammt nochmal so schwierig, auf den markierten Bereichen zu bleiben?!?! Saftige Bussen sollte man verordnen können!!!

Zizag-99

24.02.2021, 08:48

Nicht zu vergessen, all jene wegen rücksichtslosen Bauern beim mähen mit Kreiselmäher.

Hey Mister Green

24.02.2021, 08:44

In Laax am Skifahren, letztes Wochenende, Sessellift hinauf, unten Spuren von Skifahrern und lautgrölenden Jungs, daneben plattgedrückte Jungpflanzen. Sorglos, unbedacht. Da gibts nur noch eins. Hohe Bussen ab 5000 Franken aufwärts für Fahrten ausserhalb von Pisten und Skiverbot für 2 Jahre.