Aktualisiert 07.09.2016 17:15

Herdenschutz 2.0Hirten sollen Schafe mit dem Handy überwachen

Ein Pilotprojekt im Kanton Uri soll beweisen, dass Herden künftig online überwacht werden können. So sollen die Tiere vor Gefahren geschützt werden.

von
Daniela Gigor
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Diesem Schaf auf der Unteralp ist bereits ein Tracker angezogen worden.

Diesem Schaf auf der Unteralp ist bereits ein Tracker angezogen worden.

TECSAG
Wenn die Schafe die Tracker tragen, kann der Hirte über das Internet sehen, wo sie sind.

Wenn die Schafe die Tracker tragen, kann der Hirte über das Internet sehen, wo sie sind.

TECSAG
Mit dem System sollen Schäfer rasch reagieren können. Dadurch soll der Herdenschutz verbessert werden.

Mit dem System sollen Schäfer rasch reagieren können. Dadurch soll der Herdenschutz verbessert werden.

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Nutztiere wie Kälber oder Schafe sind während ihres Aufenthalts auf der Alp durch wilde Tiere wie etwa den Wolf, das Wetter oder auch den Menschen gefährdet. Darum haben Tierbesitzer ein grosses Interesse daran, dass sich möglichst wenige Tiere verletzen oder gar getötet werden.

«In der Regel schaut ein Hirte etwa einmal pro Woche auf der Alp nach, wie es den Tieren geht», sagt Stefan Aschwanden, Techniker der Tecsag. Das Unternehmen hat gemeinsam mit drei weiteren Firmen aus dem Kanton Schwyz im letzten halben Jahr einen digitalen Herdenschutz realisiert.

Am Mittwoch startet ein Test auf der Unteralp im Kanton Uri: «Den Schafen wird jeweils ein Sender um den Hals gehängt. Dieser Sender kommuniziert mit einer kostengünstigen Antenne», so Aschwanden. Der grosse Vorteil sei, dass die Technologie über das «Internet der Dinge» funktioniere. Weil die Informationen über den Aufenthalt der Tiere mit sehr wenig Energie an den Hirten übertragen wird, muss die Batterie des Senders erst rund nach einem halben Jahr ausgewechselt werden. «Wir hoffen, bis nächsten Sommer mehrere tausend Schafe mit dem System ausrüsten zu können», sagt Aschwanden.

Sender auch für Überwachung beweglicher Objekte

Der Hirte kann seine Tiere via Internet überwachen: Aus der Ferne erhält so Infos über die Position und das Bewegungsverhalten der Schafe. Entfernt sich ein Tier oder die Herde zu weit von der Alp, erhält der Schäfer zudem einen automatischen Alarm. Künftig soll es gar noch möglich werden, einen virtuellen Zaun zu errichten: Dadurch sollen die Tiere etwa daran gehindert werden, ein Naturschutzgebiet zu betreten. Dies soll so funktionieren, dass dem Tier ein Ton oder ein tierschutzkonformer Stromschlag übermittelt wird. Dieses System wird mit der Agroscope des Bundes erarbeitet.

Für die Datenübertragung wird dabei auf ein neues Netz der Swisscom, das sogenannte Low Power Wide Area Network (LPWAN), gesetzt. Mit diesem sollen Gegenstände künftig einfacher kommunizieren können. Für das System sieht Aschwanden deshalb auch weitere Anwendungsmöglichkeiten: «Es ist eine energiesparende Methode der Überwachung für bewegliche Objekte», sagt Aschwanden weiter. So könne mittels einem kleinen Sender etwa der Verbleib von Velos, Koffern oder auch Handtaschen ermittelt werden.

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